47. Überfahrt Indien – Rotes Meer

Die letzte grosse Überfahrt – Durchs Rote Meer ins Mittelmeer!


Teil 1 – Von Cochin nach Dschibuti – 1950nm

Geduld ist angesagt

 

28. Februar bis 17. März 2018

Guter Dinge und trotzdem immer ein wenig nervös sind wir Ende Februar zu unserer letzen grossen Überfahrt, in Richtung Rotes Meer, aufgebrochen. 

Der Kurs war gegen Westen, durch die Passage bei den Lakkadiven, den an Indiens Westküste vorgelagerten Inseln. Der Wind war zu Beginn unserer Reise schwach, wir mussten Motorsegeln. Doch wir hatten die Hoffnung, dass wir den Trade Wind nach den Lakkadiven erwischen werden und der uns dann elegant vorwärts treiben wird…. Der ersehnte Wind liess auf sich warten.

Erst nachdem wir die Lakkadiven schon weit hinter uns gelassen hatten, versprach das Grib-Wetterfile gute 15–20 Knoten Wind und wir konnten es kaum erwarten, in diesem Windfeld anzukommen. Trotzdem war es uns ein Anliegen, immer die guten Seiten der Situation zu sehen: Es war Tag für Tag Sonnenschein und das Wasser lag ruhig da… Es ging uns gut.

Nachdem wir das vorhergesagte Windfeld erreicht hatten, konnten wir aber merklich feststellen, wie sich unser Stimmungsbarometer an Bord in die Höhe schwang! Je schneller wir über die Wellen brausten umso zufriedener waren wir! Fazit: Das Vorhandensein von Wind  kann direkt mit unserem internen Stimmungsbarometer in Verbindung gebracht werden!

Das Windfeld hielt gerade mal zwei Tage an. Wir waren zerschmettert. Die Vorhersage meldet über weitere Tage nur sehr wenige Windstärken – kaum zum Segeln geeignet. Wieder machten wir das Beste daraus: Wenn möglich und wenn wir den Motorenlärm satt hatten, versuchten wir zu segeln. Wir passten den Kurs an unseren Segeln an, nicht an unserem Ziel. So waren wir teilweise extrem langsam, mit 2-3Knoten unterwegs. Trotz Bedenken wegen dem vielen Dieselverbrauch, sagten wir uns, «Es geht uns gut»:  Das Meer lag flach und wir bereiteten uns leckere Menüs zu und nahmen am Abend beim Sonnenuntergang einen Drink – was wir normalerweise auf Überfahrten nie machten! Das Wetter war jeden Tag gleich – Sonnenschein und blauer Himmel. Keine Squalls, nichts und die Nächte waren mondhell und Sternenklar. Und trotzdem, wir wollten WIND!

Tagtäglich krochen wir auf dem Bildschirm unseres Kartenplotters ein Stückchen weiter gegen Westen. Nach elf Tagen auf See rückten wir in die Nähe der Insel «Socotra» , es war ein kleines Etappenziel. Mitsegler von uns machten auf der Insel Halt. Mich insbesondere reizte es sehr, die Insel zu besuchen. Bilder von der wüstenähnlichen Landschaft mit den hunderten von Jahren alten Drachenbäumen hatten es mir angetan. Wir wollten uns kurz davor entscheiden, auch wie sich der Wind für die nächsten Tage verhalten würde..


Wir verlassen die Marina in Cochin am frühen Morgen – auf zu einer langen Reise


Mystische Stimmung bei der Ausfahrt


Wir sind nicht alleine unterwegs..


 

 

Wir lassen Socotra aussen vor – gegen den Strom – an einem Tiefpunkt

Es kam der Tag an dem wir entschieden, nicht in Socotra Halt zu machen. Hauptsächlich weil wir schnellstmöglich vorwärts kommen wollten, um aus dem «Piratengebiet» herauszukommen und um im Mittelmeer noch genügend Zeit zu haben, bevor die Kinder Ende Sommer wieder zur Schule müssen. Zudem schien der Wind zu diesem Zeitpunkt auch nicht schlecht. Also änderten wir den Kurs nördlich an Socotra vorbei.

Die vorhergesagten neun Knoten waren dann nur noch sieben und das reichte nicht zum Segeln. Wir waren etwa 60 Meilen nördlich von Socotra, als wir mit dem Motor und normaler Tourenzahl nur noch drei Knoten schnell fuhren – wir waren in einem Gegenströmungsfeld, was erstaunlich war, so weit draussen. Es war für uns wie ein Schlag in die Magengrube: Wenn wir schon den ganzen Diesel verbraten mussten, wollten wir auch vorwärts kommen! Unglaubliche 18 Stunden lang fuhren wir gegen diese ungünstige Strömung an. Es war faszinierend zu sehen, wie sich unsere Geschwindigkeit veränderte, sowie wie wir den Kurs änderten. MIt 45 Grad Kursänderung waren wir ganze drei Knoten schneller! Doch das führte in die falsche Richtung. Trotzdem waren wir eine Zeit lang so unterwegs, in der Hoffnung, das Strömungsfeld auf diese Weise schneller hinter uns zu lassen. Wir waren schon 12 Tage unterwegs und eine grossen Strecke lag noch vor uns –  es kaum auszuhalten, so langsam unterwegs zu sein. Es es war ein Tiefpunkt.

Nach langer Zeit waren wir dann wieder bei unseren normalen 4.5 – 5 Knoten Motorgeschwindigkeit. Unsere Ansprüche waren unterdessen so gering, dass wir sowas von dankbar waren, als wir wenigstens wieder die normale Motorgeschwindigkeit hatten!

Zu einem späteren Zeitpunkt bereuten wir es, nicht doch in Socotra Halt gemacht zu haben…


Die See ist flach – wir haben nur ein paar Knoten Wind – zuwenig zum Segeln!

Diese Situation zog sich durch bis nach Djibouti! Ach wie schön wäre es, Wind zum segeln zu haben!


Die Indien Flagge kommt runter


Ein bisschen Fun muss sein – Motorseglen durchs Arabische Meer


Ruhig fährt die Elas vor sich hin – mit 3 bis 4.5 Knoten – die Strecke erscheint endlos….


Es gibt ein wenig Wind! Das Boot krängt! Zeit, einen lang gehegten Wunsch der Kinder in Erfüllung gehen zu lassen:

Mit dem Bootsmannstuhl an einem Fall zu schaukeln!


Diesel auffüllen unterwegs


Wir probieren es mit dem Leichtwindsegel

 

Zeit – viel Zeit (natürlich nach der obligaten Schul-Zeit!)


Einer der vielen schönen Sonnenuntergänge und die Weite des Meeres


Jeden Tag sonniges Wetter – keine Gewitter, aber der Wind bleibt aus!



In der Nacht prallten wir mit einem Tintenfisch zusammen, der erschreckt unser ganzes Deck mit Tinte vollspritzte!

Eine schöne Überraschung!

 


 

Am 17. Segeltag entscheiden wir uns, in Djibouti Halt zu machen

17. März 2018

Frühmorgens, wenn wir unsere Position über Satelliten E-Mail den beiden Sicherheitsorganisationen senden, laden wir meist auch ein neues Grip Wetterfile herunter. Am 17. Tag auf See war die Vorhersage für unsere nächste Stecke so schlecht, dass wir entschieden in Richtung Djibouti zu fahren. Eine Weiterfahrt hätte bedeutet, die nächsten drei Tage zu motoren. Gegen späteren Nachmittag kamen wir am Ankerplatz in Djibouti an. Wir freuten uns auf die Abwechslung! Dieser Aufenthalt in Djibouti wurde dann viel kürzer als gedacht – wir klarierten gar nicht erst ein und am übernächsten Morgen gings schon wieder weiter! Die Büros der Einklarierungsbehörden hatten zu und es hätte uns für das Visa fast vierhundert Dollar gekostet, es spielte nämlich keine Rolle, wie lange man bleiben wollte. Die Entscheidung viel langsam im Verlaufe des Tages. Wir konnten über «Moustique», einem Mittelsmann der für die Segler arbeitet, Diesel geliefert bekommen und er besorgte uns auch noch frisches Gemüse. Wir genossen den Tag am Anker, das Wasser war sauber und es waren sechs andere Boote da. Zwei davon kannten wir von Indien. Ein interessantes (Schweizer) Paar von einem grossen Holzboot, die in Richtung Indien reisten, lud am Abend einige der Segler zu sich auf einen Sundowner ein – das war natürlich gerade das Richtige, ein bisschen geselliges Beisammensein und relaxen!

Natürlich wären wir gerne länger in Djibouti geblieben und hätten gerne auch die Stadt und das Drumherum entdeckt, aber nach dem entspannten Tag und einer ruhigen Nacht am Anker, waren wir wieder bereit für die Strecke durch die Meerenge «Bab el Mandeb». Der Wind würde auch passen und uns sogar bis nach «Massawa» in Eritrea begleiten.


In der Gegend um Djibouti sind viele der Kriegsschiffe unterwegs. Wir haben täglich unsere Position zu den Behörden gesendet, die für die Sicherheit des Gebietes verantwortlich ist. Das Gebiet ist überwacht.

Die Kriegsschiffe sind in Djibouti stationiert


Wir kommen in den Hafen von Djibouti, machen einen Tag Rast und warten auf den kommenden Wind


Grosse Holzboote im Hafen von Djibouti


Wir treffen erstaunlich viele Segler im Hafen von Djibouti


Die Sicht von unserem Ankerplatz


Wir dürfen das Boot nicht verlassen, weil wir nicht einklariert haben…


Wir sind nun seit 18 Tagen auf See und auf der Elas


«Aladin, Djibouti»



Ein französisches Kriegsschiff, Djibouti war mal unter französischer Herrschaft, der Einfluss ist immer noch spürbar.


«Moustique» half uns, Diesel und Lebensmittel zu bekommen, da wir nicht an Land durften! Hier der Beweis, dass er unser Geld bekommen hatte!






Teil 2 – Von Djibouti ins Rote Meer

Mit Vollgas durch die Meerenge «Bab el Mandeb» bis nach Massawa, Eritrea, 370sm

19. März 2018

 

Durch den Tag hatten wir den Wind noch zu sehr auf die Nase, als wir von Djibouti aus Richtung Bab el Mandeb hielten, so waren wir die sechzig Meilen noch mit Motorunterstützung unterwegs. Doch mehr und mehr frischte der Wind gegen den Abend auf und als wir schlussendlich die Meerenge erreichten, waren wir bei 15 – 20 Knoten Rückenwind! Wir haben diesmal die Strömung mit uns und wir segeln/fliegen über die Wellen mit der ausgebaumten Genua über acht Knoten schnell! Es ist ein fantastisches Gefühl und Erinnerungen an die Atlantik Überquerung wurden wieder wach. Kaum zu glauben – was wir in den letzten fast drei Jahren alles erlebt hatten! Der langersehnte Wind machte uns super zufrieden. Wir genossen das fantastische Gefühl, mit solcher Kraft und trotzdem mit Leichtigkeit voranzukommen. Am Abend nach drei Tagen erreichten wir den Hafen von Massawa, Eritrea. 


Wir haben endlich Wind und düsen mit sieben Knoten durch den Golf von Aden! 


Die Wellen sind merklich höher geworden, es ist ein schneller Ritt nach Norden


Die Segel sind gerefft, volle Fahrt!

Segel checken – am frühen Morgen! Der Wind bläst immer noch perfekt!







 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s