23. Tonga

Tonga

Die Überfahrt nach Tonga, 2200sm in 11 Tagen, die viel Aufmerksamkeit forderte
Der Zeitpunkt für die Überfahrt schien gut zu sein. Wir haben über das Wettervorkommen dieser Passage einiges gelesen, der Startzeitpunkt ist zu Beginn eines Tiefs. Wir haben uns auch beim wöchentlichen Newsletter eines Neuseeländischen Wettergurus eingeschrieben, auch der meinte, für alle Segler die nach Tonga reisen wollten, sei momentan der richtige Zeitpunkt und der nächste gute erst in zwei Wochen wieder. Na dann, also los!

Schwacher Wind – Schönwetter – perfektes Segeln – Squalls – Starkwind auf die Nase
Etwa in dieser Reihenfolge fand unser Törn statt. Zu Beginn wunderschönes Wetter und wir tuckerten gemütlich, langsam, vor uns hin. (Die erste Nacht mit sehr hohen Wellen und 20-25kn Wind hab ich vergessen zu erwähnen…) 🙂 Es war so schön, wieder auf den Weiten des Meeres zu sein! Die Liebe dazu wird bei mir immer grösser, war es doch zu Beginn mehr ein notwendiges Übel, um vorwärts zu kommen. Doch nun geniessen wir alle die Ruhe und Zeitlosigkeit die sich während den langen Überfahrten einstellt. Wir wussten, dass wir nicht konstanten Wind haben werden und waren gespannt wie sich die Fahrt entwickeln wird. Danach kamen mal die ersten Störungen, doch nicht der Rede wert, wir kamen schön auf unserem Kurs voran, wohl nicht so schnell aber stetig. Die unangenehmeren Momente waren die letzten 300sm – der Wind drehte einmal um 360 Grad, also drehte er vom üblichen Südostwind gegen Norden und dann gegen West, welches direkt in unsere Fahrtrichtung ist. Wir blieben unter intensivem Segeln, sozusagen am selben Fleck: Wir mussten mit viel Wind aufkreuzen, das heisst, im ZickZack hart am Wind und gegen die Wellen fahren. Wir legten in dieser Zeit fast keine Distanz zurück und brauchten einiges an Geduld, das Schiff preschte gegen die Wellen – unser Ziel schien in unerreichbarer Ferne! Doch langsam, immer innerhalb 24h drehte der Wind wieder ein wenig und wir konnten unseren Kurs korrigieren. So waren wir immer mehr oder weniger mit dem Korrigieren des Kurses beschäftigt, auch während den Nachtwachen – bis wir dann schlussendlich wieder auf unsere Inselgruppe Tonga zuhalten konnten. Der Wind hielt uns auf Trab bis zum Schluss. 

Schulzeit

 

Freitag 15. Juli 2016
Die Ankunft nach 11 Tagen mit Überraschung
Unsere Ankunft planten wir sorgfältig auf den Freitag, denn am Wochenende kann man nicht einklarieren. Es passte wunderbar, am vermeintlichen Freitag um zehn Uhr morgens kamen wir in Nejafu, der Hauptstadt von Vava’u, der mittleren Inselgruppe von Tonga, an. Wir versuchten die Küstenwache per Funk anzurufen, doch wir erhielten keine Antwort. So machten wir halt mal an einer Mooringboje fest, mit unserer gelben Quarantäne-Fahne oben… Wiederholten unseren Funkruf und erhielten endlich Antwort: Von einem anderen Segler. Nun, meinte die Frau von einem Boot, dessen Namen ich leider nicht mehr weiss, am Samstag würden wir keine Antwort von der Coastguard erhalten. Samstag? Uns dämmerte langsam, dass wir, ohne es gemerkt zu haben die Datumsgrenze übersegelt hatten! Natürlich wussten wir, dass diese hier irgendwo zwischen Tonga und Fiji war… Sie kam dann kurz mit ihrem Beiboot bei uns längsseits und sie fragte uns netterweise, ob sie uns frisches Brot und Gemüse besorgen könne, die Regel ist nämlich – wenn man nicht einklariert ist, darf man nicht von Bord und auch nicht auf ein anderes Boot! Das nervte – nochmals zwei Tage nicht die Beine vertreten, wir wollten doch schauen wo wir hier gelandet sind!

Nejafu 

Wir finden ein paar Mängel
Doch die Zeit verging eigentlich recht schnell. Wir freuten uns über die gebrachte frische Ananas, die Tomaten, Gurken und das frische Brot und starteten eine Schiffsaufräumaktion. Die Kinder leerten ihre Kabinen und legten die Matratzen an die Sonne. Ich begann eine grosse Handwäsche, wusch die Leintücher und anderes grösseres Material. Wir hatten nämlich festgestellt, dass unsere Wassertankts bis zum Überlaufen voll waren! (Unsere angewöhnte Verhaltensweise, sehr sparsam mit dem Süsswasser umzugehen und nicht nach jedem Baden abzuduschen, funktionierte wohl, Zudem liessen wir während den langen Motorenstunden den Wassermacher laufen, der das fehlende Wasser wieder nachfüllte.
Dass unsere Wassertankts so voll waren, merkten wir als wir zum überprüfen die Bilgenpumpe starteten, welche dann überraschenderweise viel Wasser abzupumpen hatte! Das erzeugt immer ein mulmiges Gefühl, woher kommt das Wasser, ist es ein Leck wo Salzwasser reinkommt oder kommt es aus einem der Tanks? Zuerst schlossen wir eben auf die vollen Tanks, dass wohl der Überlauf verstopft war. Nach weiteren Nachforschungen, stellte Kim aber fest, dass es Salzwasser war und entdeckte ein Ventil, das lose war. Das hiess, hier ein neues Ventil auftreiben und es ersetzen. (Uff – mir wird mulmig bei dem Gedanken! Im Wasser liegend ein Ventil ersetzen zu müssen! Bubb blubb blubb….) Aber OK, Ursache gefunden, nun Motorencheck. Unerfreulicherweise entdeckten wir dass unsere Impellerpume, die wir in den Galapagos glücklicherweise flicken konnten, wieder leckte. Schon wieder tropfte Salzwassser ungehindert über den Motor und lässt ihn rosten. Wir mussten das Teil ausbauen und versuchen, neue Dichtungen dafür zu kriegen. Wir sahen nämlich, das die Spiraldichtung total korridiert war.
Somit waren wir ohne laufenden Motor an der Boje und konnten am Montag nicht am Dock anlegen, wo mehrere Behörden an Bord kommen, um uns einzuklarieren. 

 

«Trouble in Paradise», der geschäftige Montag und Kims Geburtstag
So hatten wir eine schöne Liste beisammen, mit Dingen die wir zu erledigen hatten. Zuerst mussten wir mit den Customs Kontakt aufnehmen und fragen wie wir das mit dem Einklarieren machen. Die Antwort war: Boot flicken und dann an den Steg kommen. Na gut, also spazierten wir duch Nejafu, mit den Augen offen für die neue Gegend und vorallem Augen für die gesuchten Ersatzteile.
Wir bemerkten sofort, dies hier ist wieder anders als Französisch Polynesien. Vorallem schon beim Anblick der Zollbeamten, die in ihrem Uniformhemd und dem traditionellen, geflochtenem langen Bastrock da standen. (Die Kinder meinten, sie können diese «Polizisten» nicht so recht ernst nehmen, das seien ja Männer in Röcken!) Wohl wahr. Auch die Jungs der High School trugen lange blaue Wickelröcke als ihre Schuluniform.
Wir fanden bald einen Hardwareshop, der ein Ventil in unser gesuchten Grösse hatte, super. Und es gab am Hafen einen Handwerker, der mit Motoren arbeitete. Es ist ein alter Segler, der sich hier noch ein kleines (aber wichtiges!) Business aufgebaut hatte. Sein Geschäft hiess «Trouble in Paradise»! Welch ein passender Name, der viele Segler schmunzeln lässt! Also, Ian von «Trouble in Paradise» hat unsere Impellerpume ein paar Stunden später wieder mit einer neuen Dichtung versetzt, mit einer Reservedichtung beiliegend. (Die Dichtung, die in den Galapagos eingebaut wurde, war für Süsswasser gedacht, kein Wunder dass sie rostete! Jedenfalls hatte sie wieder bis hierher gehalten!) 🙂
So war doch nun alles wieder gut eingefädelt und Kim feierte ja seinen Geburtstag! Einen hausgemachten Hamburger in der Hafenkneipe und ein Bier – mit Aussicht auf die Segelschiffe in der Bucht – das war doch das Richtige für diesen Moment! 

Geburtstag

 

Endlich Einklarieren und «Blue Raven» taucht auf
Nun war schon der vierte Tag angebrochen, seit wir hier in Nejafu angekommen waren, Zeit um endlich «offiziell» angekommen zu sein. Das Einklarieren ist wie oft eine Geduldsprobe. Zettel um Zettel muss ausgefüllt werden, mit den immergleichen Angaben. Dazu kommen mehrere Behörden aufs Boot, die dann geduldig nebendran sitzen, bis wir fertig ausgefüllt haben. Das nennt man einen netten Job!
Wieder zurück an unserer Boje, entdecken wir das Boot von «Blue Raven» auf dem AIS. Sie waren, wie wir per Mail wussten, ein paar Tage später als wir aus Bora Bora abgefahren. Auch sie hatten eine anstrengende Überfahrt. Sie meinten, sie hätten einen neuen Rekord aufgestellt: Den Rekord, der am wenigsten zurückgelegten Seemeilen in 24h. 🙂 Die Hallberg Rassy 53 hatte auch gegen Wind und Wellen zu kämpfen!

Tauchen in Tonga
Wir hatten wieder mal Lust zu tauchen und hatten für Mittwoch einen Tauchgang gebucht. Wir würden in zwei kleine Höhlen tauchen gehen und dort Haie sehen. Es war schon wieder eine Zeitlang her, seit wir das letzte Mal das Tauchequipment trugen, genauer gesagt, es war in Guadeloupe im Cousteau Reservat, wo wir das letzte Mal unter Wasser waren. Also war ich gespannt darauf, wie es mir ergehen würde!
Schon kurz nach dem ersten Abtauchen bewegten wir uns schon in die unter Wasser liegende Felseinbuchtung. Ups! Einen kurzen Moment lang wurde es mir unheimlich bei dem Gedanken, dass ich hier nicht einfach wieder auftauchen kann! Doch meine Aufmerksamkeit wurde zum Glück schnell wieder auf die spannende Unterwasserwelt gelenkt. Die Unterwasserwelt wurde erst durch eine starke Lampe so richtig schön farbig. Es gab viele kleine Dinge zu entdecken aber das schönste für mich waren die «Seafences», die Meerzäune. Das sind Pflanzen die ganz flach wachsen und so eine Art Zaun bilden. Korallen gab es nicht so viele, weil wir ja an einer Felseninsel tauchten und nicht am Riff. In der zweiten Höhle sahen wir wie gesagt die kleinen Schwarzspitzenhaie, die da im Dunkeln ihre Kreise zogen. Das sah recht eindrücklich aus!
Einen kurzen Schnorchelstop legten wir dann noch bei einer grösseren und einer kleineren, über dem Wasser liegenden, Höhle ein. Wow, das war schön und still da drinnen! Wie in einer Kathedrale! In der Mitte gegen den Himmel offen, von Bäumen und Pflanzen überwachsen. Wunderbar!
Unterdessen waren wir recht am Zittern und am Schlottern – das Wasser hier in Tonga ist um diese Jahreszeit recht kühl. Wir freuten uns über den servierten heissen Tee und über die wärmenden Sonnenstrahlen. 

 

In der Ankerbucht Port Maurelle mit einem Lagerfeuer
Am nächsten Tag war es dann wirklich Zeit, aufzubrechen. Glücklicherweise war auch «Blue Raven» bereit und so trafen wir uns in der Ankerbucht Port Maurelle, einer ruhigen, weiten Bucht mit goldgelbem Sandstrand und doch einigen geankerten Schiffen, wieder.
Bei der Einfahrt in die Bucht, beobachteten wir mehrere kleine Wal-Beobachtungsboote. Sie waren dabei, den Walen zu folgen und die Menschen sprangen ins Wasser, um diese faszinierenden Tiere schwimmen zu sehen. Wir zogen es auch kurz in Erwägung, mal mit einem solchen Boot mitzufahren und mit den Walen zu tauchen (Schnorcheln). Doch es war so teuer, für alle von uns über 800 chf, das war einfach zu viel. Wir machten mit der «Elas» einen Bogen um ihnen nicht in die Quere zu kommen. Doch es war toll, den Blas der Wale zu verfolgen. Wir hofften, die Wale dann mal später, wenn wir unterwegs waren, beobachten zu können.
Die Kinder hatten Lust, wieder mal ein Feuer am Strand zu machen und Würstchen zu braten! Das bot sich hier richtig gut an weil der Strand unbewohnt war. Wir starteten das Feuer schon recht früh und so gesellten sich nach und nach noch andere Segler mit ihrem Picknick dazu! Unter anderem ein Segler aus Neuseeland der seine erwachsenen Kinder zu Besuch hatte (und Unmengen von Fleisch auf den Grill warf!) und eine Familie mit zwei Kindern aus Australien, die mit ihrem Katamaran «Yollata» unterwegs waren. So verbrachten wir, Kinder und Erwachsene, einen netten Abend mit vielen Gesprächen und Verstecken spielen.

 

Genug social life, wir wollen weiter und eine neue Bekanntschaft
Die Bucht leerte sich am nächsten Tag mehr und mehr, schon bald wären wir eines der letzten Boote in der zuvor sehr gefüllten Bucht. Doch auch wir wollen weiter, noch mehr entdecken. Wir fanden einen spannenden Ankerplatz vor einem Riff, zwischen zwei Inseln die mit einem bei Niedrigwasser vorhandenen Sandstreifen verbunden war. Bei Hochwasser verschwindet der Strand dann wieder im Wasser.
Ein einziges anderes Schiff war schon geankert, viel mehr Platz bot es nicht. Am Ufer konnten wir die Crew des anderen Schiffes beobachen – die zwei kleinen Kinder rannten wie junge Hunde am Strand entlang. Wir ankerten unser Dinghi auch und schon kurz darauf machten wir mit der sympathischen französischen Familie Bekanntschaft, die mit ihren zwei grossen Kindern (14 und 16J.) und den beiden Kleineren (7 und 9 J.) seit fünf (!) Jahren unterwegs waren. Die Begegnung war ganz leicht und unbekümmert, wie wir uns schon bereits kennen würden. Sofort entstanden wieder gute Gespräche und wir erfuhren wieder Einiges. Immer wieder sind auch wichtige Informationen darunter, wenn wir mit anderen Seglern ins Gespräch kommen. So erfuhren wir von ihnen, wie sie bei ihrer Jeanneau 45 den Ruderschaft gewechselt hatten, das haben wir nämlich auch noch vor. Zudem sprang der Funken der Leidenschaft fürs Kite-Surven sofort auf Kim über, als er die beiden älteren Kinder und den Papa Kitesurfen sah! Diese hatten alle drei zusammen in Tahiti einen dreitägigen Kurs absolviert und waren nun leidenschaftlich dabei, zu üben und nach guten Plätzen dafür Ausschau zu halten! Nun ist klar, dass Kim beim nächstbesten Ort sich auch dieses Können aneignen will – im Gegensatz zum Windsurfen – was er früher oft gemacht hatte, braucht dieser Sport viel weniger Material. Und so verschwand der Sandstreifen langsam wieder im Wasser, ohne dass wir viel von dem Inselchen, welches wir eigentlich umrunden wollten, gesehen hatten. Doch wir hatten eine nette Bekanntschaft gemacht und unsere Kinder hatten auch ihre Scheu verlohren und neckten und spielten miteinander fröhlich im Wasser. 

 

David und Wicka und die Einladung zum Essen
Am nächsten Morgen probierten wir den Menschen von dem Boot «Wigwam» zu Funken, doch diese schienen noch zu schlafen, es kam keine Antwort. Wir hatten einen neuen Ankerplatz im Sinn. Das ist das tolle hier in Vava’u, es gibt hunderte von kleinen runden Inseln und somit hunderte von Ankerplätzen, die alle nur einen kurzen Moment auseinanderliegen. Nach einer Stunde waren wir schon da: Eine grosse offene Bucht mit einem goldgelben Sandstrand davor und in der Mitte der Bucht ein riesiger Baum. Wir beobachtenten, wie ein Mann und eine Frau dem Strand entlang spazierten. Der Mann warf ab und zu ein rundes Netz aus. Später sahen wir zwei Frauen im Schlick des Niedrigwassers Muscheln suchen.
Die eine Frau rief uns plötzlich zu, wir sollen an Land kommen. Wir waren ein bisschen skeptisch. Der Mann kam auf uns zu, er war sehr schmutzig und seine Kleider waren sehr alt. Ich sagte zu ihm, die Frau hätte uns gerufen. Daraufhin meinte er, ja, er hätte ihr gesagt sie solle uns rufen, er wolle uns fragen, ob wir heute Abend bei ihm Essen wollen? Da waren wir doch sehr überrascht, immer noch ein bisschen unsicher sagten wir aber dem, unterdessen sehr freundlich wirkenden Mann, zu. Wir würden noch selber etwas mitbringen zum Essen, und natürlich Bier, sagten wir. Der Mann meinte, seine Frau würde dann den Fisch den er zuvor mit dem Netz gefangen hatte, zubereiten. Ok, wunderbar! Zwei Stunden später waren wir wieder am Land und wir wurden herzlich empfangen! Sein Haus war so gebaut, dass es einen langen, gedeckten Platz vor dem Haus hatte. Unter dem ebenso langen, einladenden grossen Holztisch lief ein Schwein umher und zwei schlanke, hellbraune hübsche Hunde wedelten erfreut. Wicka, die Frau die uns gerufen hatte, war in der Küche mit der Zubereitung des Fisches beschäftigt. Die Küche war ein kahler Raum mit einer Spüle, einem Fenster und einer hinter einer Tür vorhandenen Dusche. Dann gab es nur noch zwei Stühle und eine Art Bett, das wohl als Reserve diente, wenn sie Besuch hatten. Wicka schnitt den rohen, weissen Fisch sorgfältig in eine Schüssel. Mir gab sie den Auftrag, sie Süsskartoffeln zu schälen. Es ist so toll, dass wir hier englisch miteinander reden können. So erfuhren wir grad Einiges über das Ehepaar, das hier lebte. Die Beiden hatten elf (!) Kinder, die alle in der Hauptstadt, in Nukualofa, im südlichen Archipel lebten. Die beiden ältesten Kinder sind schon verheiratet und die Jüngeren, um die zwanzig Jahre alten Kinder, schauten zu ihren Geschwistern. Sie lebten zusammen in einem Haus und die Eltern schicken regelmässig Geld zum Leben und telefonieren täglich. Das Jüngste war gerade mal drei Jahre alt und die Eltern vermissten sie und die anderen Kinder sehr. Doch das Jüngste wollte bei ihren Geschwistern sein und diese mussten zur Schule, erst im Dezember gibt es wieder grosse Ferien und die Kinder können heimkommen. Wir erlebten diese Situation, dass die Kinder im Dorf aufwachsen und die Eltern auf den Inseln leben schon in Panama, auf den San Blas Inseln.
David und Wicka waren sehr fröhliche und herzliche Menschen. Vorallem David mochte den Kontakt mit den Seglern ausserordentlich gerne. Verständlicherweise, weil sonst gibt es ja keine anderen Menschen auf dieser, ihm und seinen Verwandten gehörenden Insel. So hatte er begonnen, diese bei sich zuhause einzuladen. Oder manchmal, wenn er viele Schiffe in der Bucht hat – manchmal sind es bis zu zwanzig Boote – organisiert er ein Fest und dann gibt es Spanferkel.
Ausserdem erfuhren wir spannende Geschichten von ihnen, wie sie mal noch zu früheren Zeiten auf dieser Insel Ferien machen wollten, aber noch kein Boot hatten. So fragten sie einen Bekannten, der sie dahin führen sollte und nach drei Tagen wieder abholen. Doch der Abholdienst versagte und so blieben sie anstatt den drei Tagen, ganze zwei Wochen auf der Insel hängen. Sie ernährten sich nach den drei Tagen nur noch von den Kokosnüssen. Nach den zwei Wochen wurden sie dann mal von einem Boot entdeckt, nachdem sie jede Nacht Feuerwache hielten. David stand pure Ängste aus, weil seine Frau nämlich zudem noch hochschwanger war! Das Kind kam dann drei Tage nach der «Rettung» zur Welt.
Diese Geschichte kam zum Vorschein, weil der Aussenborder von Davids Boot nämlich zur Zeit auch defekt war. Am selben Abend kamen dann auch ein paar junge Bekannte von ihnen, welche sich einen Augenschein vom defekten Motor nahmen und sich danach auch noch herzhaft an unseren Spaghetti und dem wunderbaren rohen Fischsalat mit Zwiebeln und Mayonnaise, den Wicka für uns gemacht hatten, bedienten. Im Nu waren die Schüsseln leer und alles vertilgt und als wir sie darauf ansprachen, lachten die Jungs belustigt lauthals! Kurz darauf war das Problem mit dem Motor David erläutert und sie brachen bei Dunkelheit wieder auf – auf «the tongan way» wie David sagte, keine Angst vor den vielen Untiefen oder auch den Walen, die sich hier in den Gewässern tummeln.
Wir hatten einen wunderbaren Abend zusammen und kamen erfüllt zum Boot zurück. Es war schon fast eine Art Freundschaft geschlossen worden, zwischen den Beiden und uns und so war es klar, dass wir am nächsten Tag David unser Werkzeug vorbeibringen würden, um seinen Motor flicken zu können. Insgesamt waren wir drei Nächte in dieser ruhigen Bucht und hatten noch ein paar Mal Kontakt mit Wicka und David. Einmal trafen wir sie noch an einem kleinen Büchtchen auf ihrer Insel, das wir entdeckt hatten und David machte sich auf den Weg, ein paar Trink-Kokosnüsse für uns herunterzuholen. Später gingen die Kinder noch ganz alleine mit ihrem klapprigen Böötchen, zur Nachbarsinsel mit, wo David seine Kirche hat, er ist nämlich noch Pastor! Sein Motor lief zum Glück und die Kinder kamen nach ein paar Stunden glücklich wieder zurück!
Wicka holte auf der Nachbarsinsel einen grossen Bund Grünzeug, mit dem sie diese Art Schürzen oder Röcke in geduldiger Handarbeit anfertigte. Das ist eine grosse Kunst und sie kann mit dem Verkauf dessen Geld verdienen. 

Die Wale und der «Coral Garden» in der «Davids Bay»
Ausser der tollen Begegnung mit den beiden freundlichen Einheimischen gab es hier in der «Davids Bay» noch ein tolles Riff, der «Coral Garden» mit vielen farbigen kleinen Korallen und blauen Seesternen zu bewundern.
Ich erzählte vorhin von dem kleinen Büchtchen, das wir mit dem Dinghi gefunden hatten. Kurz nachdem wir eigentlich zum Boot zurückfahren wollten, hörten wir ganz nahe Wale ausatmen und sahen den Blas! An diesem Nachmittag fuhren wir etwa eine Stunde lang den Walen mehr oder weniger nach und konnten sie so recht nahe und eindrücklich beobachten. Doch sie waren zu schnell unterwegs dass es sich nicht lohnte, hineinzuspringen und sie noch unter Wasser zu sehen. So hatte sich unser Traum vom Wale von nahem Sehen so richtig erfüllt!

Wetterfenster – bleiben oder gehen?
Wieder einmal luden wir ein Wetterfile vom Internet herunter, um zu sehen wie sich das Wetter in der nächsten Zeit verhalten wird. Und wieder einmal gab es ein Tief, das von Neuseeland her heraufzog. Das hiess, entweder noch fast zwei Wochen auf Tonga bleiben oder uns wieder auf die Weiterfahrt vorbereiten! Unser Rythmus war klar, wir hatten nicht die Zeit, hier noch so lange zu bleiben, doch wir wollten auch nicht Tonga fluchtartig verlassen, dazu war es hier einfach zu schön! So beschlossen wir noch weitere vier Tage anzuhängen. Wir überlegten auch hin und her, ob wir Fiji auslassen wollen und direkt nach Neukaledonien segeln wollen, weil wir da planten unser Ruder zu erneuern… Doch nein, wir wollen Fiji nicht auslassen, trotz den harten Einreisebestimmungen. 

Abschiedsmodus und ein Robinson Crusoe Inselchen
Unterdessen war «Blue Raven» auch in die «Davids Bay» gekommen. Sie hatten andere Pläne aber wollten noch mit uns ein oder zwei Ankerplätze mitkommen. Wir waren die ganze Zeit im Abschiedsmodus mit «Blue Raven». Wir hatten das Gefühl dass sich hier unseren Weg auf dem wir uns seit einem halben Jahr immer wieder trafen, hier ein Ende hatte. Die Kinder genossen es nochmals ein paar Nächte auf dem anderen Boot gemeinsam zu Übernachten, zusammen zu Essen und zu Spielen. Auch wir Erwachsenen genossen es, nochmals zuammenzusitzen.
Unser nächster Ankerplatz war wieder ein wenig ausgesetzt, vor einer kleinen unbewohnten Insel.
Nochmals gemeinsam ein Feuer und ein Barbeque am Strand machen, das wäre toll! Lustigerweise kam eine Stunde später das französische Boot «Wigwam» zum selben Ankerplatz gefahren! So waren wir nun drei Familienboote mit insgesamt acht Kindern vor der kleinen Robinson Insel geankert – wie wir das geplant hätten!
Die «Wigwams» haben keine Gefriertruhe auf ihrem Boot. So machte sich Hugues mit der Harpune auf den Weg, ein paar Fische für das Abendessen für seine Familie zu fangen. Wir machten Witze darüber, dass er wohl nicht auftauchen wird (er war schon recht spät), ohne Fische gefangen zu haben. Und richtig, als er wieder zu uns stösst, hatte er vier grosse, türkisblaue Papageienfische gefangen die schon bald darauf im Feuer schmorten! So verbrachten wir alle einen schönen Abend zusammen am Strand.
Am nächsten Tag wollten die Kinder natürlich nochmals zum Strand. Es gab da einen wunderbaren Kletterbaum, bei dem man super eine Hütte bauen konnte. Schlussendlich verbrachten wir alle zusammen den ganzen Tag auf der Insel. Mal wurde wieder etwas zu Essen besorgt, das wir dann zusammen verzehrten, mal ging einer Schnorcheln oder Kim und Hugues versuchten es nochmals gemeinsam mit dem Fischen mit der Harpune. Die Kinder machten Feuer und bauten Hütten und waren nicht zu stoppen. Es war ein wunderbar friedlicher Tag.

Aufbruch nach Nejafu
Die aus Strassbourg stammende Seglerfamilie war uns sehr sympathisch, so trafen wir uns am Abend noch bei uns auf einen Drink und am nächsten Morgen kam dann die ganze Familie zu unserem Boot, weil wir sie noch in unser Gästebuch schreiben lassen wollten. Die Aussage von Hugues und Silvia waren, dass wir uns leider nur so kurz getroffen hatten und wir wohl noch viel Spass miteinander gehabt hätten – wohl war! Aber so oder so, wir hatten uns sehr über die Begegnung gefreut! Die «Wigwams» haben vor ihre Reise in wenigen Wochen in Neukaledonien (Französisches Überseegebiet) für ein paar Jahre zu unterbrechen. Sie wollten Geld verdienen und die Kinder zur Schule schicken. Vorallem die beiden älteren, Paul und Clémence freuten sich dort ein Sozialleben mit Gleichaltrigen aufbauen zu können und hatten viele Pläne für diverse Sportarten, die sie da ausführen wollten. Die beiden grösseren Kinder standen ja auch vor der Highschool und würden dann allenfalls nach Frankreich zurückkehren, um zu studieren. 

Anmerkung: Die Franzosen haben ja sehr viele Überseegebiete und somit auch viele Familien die da leben oder reisen. Somit hat Frankreich eines der besten Fern-Schulsysteme der Welt. Die Kinder sind in einem Programm eingebettet und es ist ganz klar, was und bis wann sie welchen Schulstoff gelernt haben müssen. Sie müssen Tests absolvieren die per Internet immer Ende Monat gesendet werden. Natürlich ist dieses System für die Eltern sehr zeitintensiv und anspruchsvoll, doch die Kinder haben danach einen ganz normalen Schulabschluss.
Familien aus Deutschland ist es hingegen untersagt, mit den Kindern während ihrer obligaten Schulzeit zu reisen. Wohl gibt es noch mehrere Länder bei denen es so gehandhabt wird. Wir sind glücklich, dass unser Schulsystem da offener ist und diese Reisezeit auch als grosser Lern- und Erfahrungswert für die Kinder angesehen wird!

 

Wieder in Nejafu
Ende Juli 2016
Nach knappen zwei Wochen sind wir wieder zurück in Nejafu. Wir wollen uns noch mit frischem Gemüse eindecken und am nächsten Morgen losfahren. Doch aus dem Morgen wurde Mittag und dann Nachmittag. Der Ausklarierungssteg war fast den ganzen Tag von ankommenden Booten besetzt und so wir verbrachten nochmals auf «Blue Raven» eine nette Zeit bei Kaffee und Kuchen! Es kam uns vor, als würden wir nicht wegkommen! Unterdessen hatten wir auch weiter recherchierten können, wo wir allenfalls unser Ruder machen lassen können. Die Option, dies in Vanuatu machen zu lassen, stellte sich als wohl möglich aber auch als sehr teuer heraus. Auch in Neukaledonien haben wir von der Werft einen rätselhaft teueren Bescheid bekommen, für unsere benötigten Ersatzteile. (Wigwam bezahlte für die selben Teile 70 Euro womit wir hingegen 1000 Euro dafür bezahlen müssten…). Also sind wir immer noch am herausfinden, welches die beste Möglichkeit ist. Eine davon ist allenfalls, die Teile in Fiji anfertigen zu lassen und das Boot da aus dem Wasser zu nehmen. Dann würden wir uns nochmals in Fiji wiedersehen. 

 

 

 

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