22. Society Islands

Moorea

Ein Katzensprung
Mitte Juni 2016

Die kurze Strecke von Tahiti nach Moorea legten wir mit dem Motor zurück. Der Wind verfolgte uns mit jeder Drehung um die Insel von vorne. Doch Moorea liegt in Sichtweite von Tahiti und so kümmerte es uns nicht allzusehr, ausserdem hat das Motoren den Vorteil dass die Batterien wieder voll geladen werden und wir «Wasser machen» können. Moorea hat zwei fast identische, tiefe Einschnitte wo man gut ankern kann. Doch nachdem wir zuhinterst angekommen sind, gefällt uns der Ankerplatz überhaupt nicht. Es ist zwar wohl sehr ruhig und der Ankergrund ist auch perfekt, doch wir wissen, dass es auf auf Moorea das helle, türkisblaue Wasser gibt, was wollen wir denn da in diesem trübbraunem Fjordende? Also Anker auf und wieder zurück. Es gibt einen anderen Ankerplatz am Anfang des Einschnittes, auf Sand – ohne Korallenköpfe mit türkisblauem Wasser. Wir sind nicht ganz alleine an diesem Ankerplatz, weiter draussen liegt noch ein anderes Segelboot in noch hellerem Wasser. Das sieht für uns immer verlockend aus, im seichten, klaren Wasser Ankern zu können, doch für uns wird die Wassertiefe wohl doch zu knapp, also ankern wir auf 18m Tiefe. Das ist ein weiteres Merkmal für das Reisen in der Südsee – oftmals sind die Wassertiefen bis an das Ufer sehr tief. Dafür ist es direkt hinter dem der Insel umgebenden Riffs, sehr seicht. Die Südseeinseln sind für mich immer wieder ein landschaftliches Phänomen. Doch wir sind glücklich mit unserem Ankerplatz und können unser Ankommen mit einem Drink geniessen! 

 

Der schöne Ankerplatz und die Rochen
Am nächsten Tag zieht es uns dann aber schon wieder weiter, zum nächsten Einschnitt. Diesmal ankern wir aber direkt am äusseren Ende, mit einigen anderen Booten, an einem wunderbaren Platz vor dem Strand. Wir können vom Schiff aus Schnorcheln und zum Strand schwimmen. Was wollen wir mehr. Nach einem kurzen Spaziergang der Strasse entlang, hatte Kim die gute Idee, mal zwei Scooter zu mieten. Das haben wir bisher noch nie gemacht und ich bin es auch nicht so gewohnt damit herumzufahren, dazu noch mit einem Kind hintendrauf. Doch ich bin von der Idee begeistert, Moorea auf diese Weise entdecken zu können. Doch zunächst hatten wir keinen Erfolg, eine Vermietung zu finden.
Wir montierten am nächsten Tag unseren grossen Dinghimotor, mit welchem wir grössere Strecken zurücklegen können. Unser Ziel war eine Stelle zu finden, wo die Rochen für die Touristen gefüttert werden. Die Rochen soll man dann auch berühren können! Nach zirka zwanzig Minuten Fahrzeit haben wir dann die Stelle mit den paar Bojen zum festmachen gefunden. Das Wasser ist über dem weissen Sandgrund so klar, dass es eine Augenweide ist und bis in die tiefste Seele guttut! Zudem waren wir erquickt, schon direkt nach dem Ankommen die vielen Tiere zu entdecken. Als erstes sahen wir die ein Meter langen Haie zusammen mit den Rochen zirkulieren. Kaum war ich im Wasser, kamen auch schon die Rochen direkt an meinen Bauch geschwommen und begannen mich anzuknabbern, jedenfalls kam es mir so vor! Ein bisschen unheimlich war das schön, doch dann näherten wir uns einem sympathischen Touristenführer der uns dann die Scheu vor den Tieren nahm und uns zeigte wie und wo man die Rochen berühren kann. Das war ein unvergessliches Gefühl! Die Rochen sind weich und samtig anzufühlen. Auch die Kinder waren hingerissen und man wollte es immer wieder tun. Einfach einzigartig. Dadurch dass die Rochen gefüttert werden, waren eben auch die Haie da und auch viele andere grössere Fische. Das Geschehen unter Wasser war so spannend, dass ich kaum wusste wohin ich blicken sollte. Zum Glück hatte ich die Kamera die das Ganze für mich auch noch speicherte!
Nach diesem erfüllendem Erlebnis kurvten wir noch ein wenig in den Korallen herum und kamen zu einem schönen Inselchen, doch der Wind frischte auf und es war schon später am Nachmittag, also war es besser uns auf den Rückweg zu machen. Das Gute war, dass wir noch kurz an einem kleinen Hafen anhielten und sich dort eine Scootervermietung befand. So konnten wir dies organisieren und uns auf den morgigen Tag, auf unsere Scooter-Inselrundfahrt freuen!

 

 

Inseltour auf zwei Rädern
Punkt acht Uhr wartete der Scootervermieter mit seinem weissen Transporter auf uns, die beiden Scooter vorne dran. Nun werde ich doch ein bisschen nervös, ob ich dieses Ding dann auch wirklich im Griff haben werde! Nachdem es dann soweit ist und wir unterschrieben und bezahlt hatten, wagte ich mal einen Versuch ohne Mitfahrer und das klappte wunderbar. Die Begeisterung liess auch nicht lange warten, es war toll damit zu fahren und wir fuhren dann auch gerade die kurvenreiche Strasse bis zum höchsten Punkt der Insel, dem Belvedere, hoch. Von da oben konnte man den bizarren Zapfenfelsen und die beiden tiefen Einschnitte der Insel bewundern. Die Strassen waren in sehr gutem Zustand, so war es auch sehr gut zum fahren, auch hatte es kaum Verkehr. Wir schlugen dann mal den Weg Richtung Inneres der Insel, ein, zu einem Wasserfall. Da wurden erst die Fahrkünste gefragt! Der Weg wurde nämlich so holperig, über Stock und Stein, dass wir fast vom Scooter abgeworfen wurden. Irgend einmal war dann auch wirklich fertig mit Weg und wir liefen zu Fuss weiter. Der Fussweg zum Wasserfall war wieder spannend und schön, durch die so üppige Vegetation zu laufen. Immer findet man im Wald die harten, knallroten Samen mit denen die Einheimischen Schmuck gestalteten. Vom Wasserfall waren wir dann ein bisschen enttäuscht – wir hatten schon tollere gesehen! Doch das Füttern der Aale, die da im flachen Becken schwammen, war lustig: Die auch vorhandenen Garnelen wanderten nämlich mit dem Futter davon, so dass wir überall unter der Wasseroberfläche, Teigwarenstückchen bewegen sahen! Uns gefiel das Unterwegssein mit dem Scooter, es war ein toller Tag und bald waren wir dann auch wieder zurück am Ausgangspunkt. 

Huahine Iti

19. Juni 2016, ca. 90sm

Fürchterliche Squallnacht und ein Boot auf dem Riff
Diese kurze Überfahrt von einer Nacht und einem halben Tag hatte es zum ersten Mal für uns richtig in sich! Die ganze Nacht hindurch war es ein Spektakel, ein starker Squall nach dem andern kam über uns hernieder. Das schlimmste waren aber die ca fünfzig Knoten Wind, die uns wie eine Ohrfeige trafen – vom einen Moment auf den andern. (Da waren wir zum ersten Mal richtig dankbar um unsere elektrische Winsch, mit der wir dann die Segel schnell einholen konnten.) Es regnete in Strömen, blitzte und donnerte zum Fürchten. Doch gegen Sonnenaufgang beruhigte sich das Wetter langsam wieder und wir konnten aus unserer, zum ersten Mal getragenen Schwerwetterkluft, aussteigen. Zaghaft begann dann auch die Sonne wieder hinter den Wolken hindurch zu scheinen. Unsere Strecke führte uns dann dem Aussenriff entlang nach Nordwesten, zum Pass. Was wir nach dieser gefürchteten Nacht am Morgen erblickten, tat unseren Herzen weh… Da steckte eine grosse, schöne Yacht auf dem Riff fest und wurde dauernd von den riesigen, drei bis vier Meter hohen Wellen, überrollt. Scheinbar kam das Boot zu nahe ans äussere Riff und wurde dann noch von den Wellen darauf getragen. Das ist nun das zweite Boot das wir mitbekommen hatten, das so endete. Doch uns wurde von nochmals zweien aufgelaufenen Booten berichtet, was uns dazu ermahnt, immer gut aufzupassen und nicht unachtsam zu werden!

Friedlicher Ankerplatz – Lots of Sand and no Coralls!
Unser Ankerplatz war dann am untersten Zipfel der Insel und wir motorten die gut markierte Strecke im Inneren des Riffs wieder zurück, bis zu einer grossen Bucht mit einer kleinen Hotelanlage. Im Führer stand: «Lots of Sand and no Coralls» und nach unserer Erfahrung in den Tuamotos tönt das nach perfektem Ankerplatz. Schon als wir noch draussen waren, entdeckten wir über das AIS-System unsere Stegnachbarn von Las Palmas auf dem Bildschirm, die «KIWI-Beans»! So freuten wir uns umso mehr, diese mit unserer Ankunft zu überraschen. Wir hatten die Englisch-Neuseeländische Familie mit den drei kleinen Jungs vier Wochen in Las Palmas und dann in St.Lucia wieder, getroffen und nun hier in der Südsee, auf Huahine. Da gab es einiges zu berichten. Die Familie ist auf dem Weg, in Neuseeland eine neue Bleibe aufzubauen und sind parallel zum Reisen auch schon mit Dingen beschäftigt, wie zum Beispiel Schulen anzuschauen und einen Hafenplatz für ihren Katamaran zu finden. 

 

Das meist gehütete Geheimnis über das Segeln im Südpazifik
Die Bucht war wunderbar. Blaues klares Wasser und einen Steg wo man toll schnorcheln konnte. Dass Bier in der gemütlichen, unkomplizierten Ferienanlage war zwar teuer aber schmeckte in dieser Umgebung und aus dem Glas, umso besser. Luxus! Luxus war auch das WiFi derjenigen Anlage, dies reichte nämlich bis zu uns zum Schiff und wir konnten wieder mal so richtig auf allen Geräten die Updates herunterladen, inklusive neu Spiele und Lern-Apps!
Das Internet war dann auch das Hindernis, dass wir am geplanten Abreisetag Verspätung hatten, wollte ich doch noch «schnell» die Website aktualisieren! Danach wars zu spät zum Weiterreisen und das Wetter spielte wieder verrückt! Es regnete in Strömen über Stunden bis das Wasser in der ganzen Bucht nicht mehr türkis war, sondern nur noch braun! Das war auch der Moment, wo wir irgendwo den Satz über das meist gehütete Geheimnis im Südpazifik lasen… Das meist gehütete Geheimnis über das Segeln im Südpazifik ist: Das oftmals schlechte Wetter. 

Die Erkenntnis
Es ist nicht so wie man sich es zuhause auf dem Sofa erträumt: Immer schön moderate Passatwinde und viel Sonnenschein. Es gibt im Südpazifik zwei Arten von Wetter, das Hoch mit Sonnenschein, wo kein Wind ist und die Segel flappen und das Tief, das alle zwei Wochen von Neuseeland her kommt, mit Starkwind, Regen und Squalls. Also heisst es während dem Tief segeln und durch das Hoch motoren Was noch eine Schwierigkeit mehr ausmacht, sind die Konvergenzzonen die hier grossen Einfluss auf das Wetter haben. Die Südpazifische Konvergenzzone und die Innertropische Konvergenzzone. Diese Zonen sind immer in Bewegung und bescheren viel unstetes Wetter, was wir vorallem auch auf unserer Überfahrt zu den Marquesas mitbekommen haben.
Seit unserer Ankunft in Tahiti wissen wir nun ein bisschen mehr und haben dazugelernt.

Raiatea
Huahine nach Raiatea, einen Tagessprung, Juni 2016

Nicht aller Tage Sonnenschein
Raiatea ist eine der stark bevölkerten Inseln der Societys und wir haben nur einen kurzen Stop eingeplant – Einkaufen war vorallem das Ziel. Raiatea ist zusammen mit ihrer Nachbarsinsel Tahaa mit dem selben Riff umgeben. Auf der Karte sieht es dann aus wie ein Schlüsselloch und man kann gut im Innern um die Insel Tahaa segeln, was sehr schön sein soll. Doch wir wussten dass wir wieder kurz vor einem Tief waren und es war in den nächsten Tagen viel Wind angesagt. Den hatten wir auch schon in diesem Moment, wo wir an der Kaimauer vor dem Städtchen, den Supermarkt direkt davor, festmachen wollten. Unser Skipper blies das Manöver ab und wir fuhren weiter.
Ankerplätze sind rar in Raiatea, da es überall zu tief ist. Es gibt wohl zwei Marinas und Bojen wo man festmachen kann, doch irgendwie erschienen uns diese Möglichkeiten alle nicht besonders erquickend. Landen taten wir schliesslich an diesem Abend an einer Boje vor einer Werft, die am Abend ihre Tore schloss. Es gab nicht viel zu sehen, an diesem Niemandsort. Doch zum Glück bekamen wir von einem Segler, der sein Boot in der Werft hatte, den Tip für ein einheimisches Essenslokal. Das Lokal wurde von einer Familie geführt und alle halfen mit. Die Söhne und Schwiegertöchter; Die Eine eine wahre Südseeschönheit, mit Blume im Haar… Die extrem füllige Mama sass am Tisch, kassierte ein und überblickte das Geschehen. Es war unterhaltsam und das Essen fein. Zum Glück war dann auch das Tor zur Werft noch offen – wir rechneten schon damit, über den Zaun zu klettern! Noch am selben Abend beschlossen wir, am nächsten Morgen zurück zu der Mole vor der Stadt zu fahren und dort einzukaufen, entweder mit unserem Dinghi oder mit dem Boot…
Da waren wir wieder, nun war der Regen noch heftiger als am Tag zuvor und der Wind blies übel. Doch nun gab es kein Zurück mehr, nur noch möglichst schnell das Einkaufen erledigen und dann wieder weg. Das war jedoch nur eine von zwei Ideen…
Unsere zuvor schwelende Uneinigkeit und Unzufriedenheit kam dann, nach zum Glück zuvor erfolgreichem Einkauf, zum Ausdruck.
Wir legten dann von der Kaimauer ab und eine wortkarge Fahrt ging Richtung Tahaa, in eine der wenigen Ankerbuchten. Dort fanden wir uns wieder, zuhinterst in einem Fjord, von Stille umgeben. Fast keine Häuser ringsum, nur Ufer und Bäume. Die Stille wurde dann in den nächsten zwei Tagen nur von den heftigen Windböen durchbrochen, die unser Schiff an der Ankerkette zerren liess: Der besagte Starkwind war gekommen. Am anderen Tag immer noch Starkwind und dann aber zum Glück Sonnenschein. Draussen im inneren Riff fahren ab und zu Schiffe vorbei, doch wir bleiben alleine in der Bucht.
Zwei Tage verbrachten wir in dieser Einsamkeit, jeder mit sich selber beschäftigt. Die Kinder sind sich zum Glück unterdessen lange Zeiten gewohnt und vertrieben sich die Zeit mit Hörbüchern und Schularbeiten. Tag drei war dann wieder Aufbruch – Richtung Bora Bora. Mit dabei die Hoffnung, dass das helltürkisblaue Wasser der Lagune in Bora Bora, wieder Licht in unsere Seelen bringt!

Bora Bora
27. Juni 2016

Der Name verspricht was er sagt
Wir freuten uns auf Bora Bora. Die Fahrt war wieder nur einen Katzensprung und es gab schöner Wind und Sonnenschein. Wir waren alle froh, aus dem langweiligen, von Böen geschüttelten und trüben Fjord entkommen zu sein.
Bora Bora, wird es wirklich das superklare, helltürkise Wasser haben? Die EInfahrt in die Insel war leicht, keine grosse Strömung, ein Kinderspiel. Danach sahen wir schon den tollen, alles überragenden Berg in der Mitte der Insel, umgeben von dem in allen Tönen leuchtenden, blauen Wassers. Kim fuhr durch einen engen, gut markierten Pass, vorbei an einer Sandbank wo das Wasser fast die selbe Farbe hatte wie der helle darunterliegende Sand. Die dort geankerten Katamarane (diese können viel seichter ankern, als wir es mit unserer Monohull können), sahen aus als ob sie fliegen würden, so transparent war das Wasser. Wir kamen in eine grosse, weite blaue Bucht. Eine Traumbucht – die wohl schönste Bucht in der wir bisher geankert hatten.
An den Mädels liess es sich auch bemerken dass es ihnen gefiel: Sie waren stundenlang im türkis Wasser, spielten und waren nicht mehr hinaus zu kriegen! Die Sonne schien und wir waren im Paradies!

 

Wir treffen «Kristiane» wieder
Es liegen nur genau drei Boote mit uns in unserer näheren Umgebung: Ein verlassenes und eines das wir kennen! Es war die «Kristiane» mit dem australischen pensionierten Päärchen Paddy und Carolyn. Wie lernten sie auf den Galapagos kennen und trafen sie dann, auf dem riesigen Pazifik auf der Überfahrt, mit einer ausserordentlich zufälligen Distanz von eineinhalb Seemeilen zueinander, wieder. (Wenn man dies planen würde, würde man es nicht schaffen!) Das Besondere war dann auch, dass ihr Vorstag gebrochen war und wir ihnen so auch eventuell hätten helfen können, was dann aber zum Glück nicht nötig war. Sie waren danach mit sehr langsamer Geschwindigkeit weiter gesegelt, Richtung Nuku Hiva auf den Marquesas und wir verlohren sie aus den Augen.
Es war toll, zu berichten was unterdessen geschehen war, und wir hatten einen wunderbar geselligen Abend zusammen auf der «Kristiane»! 

Kleiner Einblick
Von der Insel Bora Bora konnten wir sonst nicht viel mehr entdecken – die Scooter Miete die wir in Betracht zogen, war einfach viel zu teuer – Bora Bora ist ein Tourisenort! Wir spazierten so ein wenig im Ort herum, kauften im grossen China-Einkaufsladen ein und tranken ein teures Bier in der kleinen Marina. Es gab überall teure Shops mit Perlenschmuck. Das Besondere in der Zeit wo wir in Bora Bora waren, war die «Heiva». Dies ist ein Tanz-Festival das nur alle paar Jahre durchgeführt wird. Es ist ein Tanz und Trommel-Wettkampf der verschiedenen Dörfern von Bora Bora, die gegeneinander antreten. Diese «Heiva» findet auf allen Inseln statt! Es wurde dafür eine ganze Hüttenstadt mit Restaurants und Bars dafür aufgestellt. Alle superschön mit Bambus gefertigt und mit Sandböden. Die Hütten waren dann innen mit vielen Blumentüchern und Muschelketten geschmückt. Leider waren wir ein paar Tage zu früh, die Tänze fanden erst ein paar Tage später statt, leider!
Am nächsten Tag wollten wir mit dem Dinghi und dem grossen Motor auf Entdeckungstour. Wir kommen so recht weit und können auch an Orten hindurch fahren, wo wir mit dem Schiff nicht durchkommen. Als erstes hielten wir im seichten, glasklaren Wasser an wo wir vermuteten, dass die Rochen gefüttert werden. Wir hatten extra unsere alten abgelaufenen Crackers dabei! Wir hatten alle noch das unvergessliche Erlebnis von den Rochen in Moorea im Hinterkopt. Es war so toll diese Tiere anzufassen! Doch da waren weit und breit keine Rochen zu sehen, und die die da waren, schwammen weg. Die kleinen Rifffischchen, die bei einer der ganz wenigen kleinen Korallenblöcken schwammen, freuten sich dann umso mehr über die Crackerflöckchen!
Weiter fanden wir ein Riff, das mit Bojen versehen war, um die Kleinboote daran festzumachen. Da musste es schön sein! Wir stürzten uns mit Vorfreude ins Wasser. Die Unterwasserwelt war nicht so üppig, viele Korallenblöcke tot, aber dafür gab es viele Fische. Die Mädels hatten unsere alten Crackers dabei und verfütterten diese da an die Fische. Es war unglaublich! Wir waren alle umringt von gierigen kleinen Rifffischen! Ein paar verwechselten dann sogar das Futter mit uns und knabberten uns Haaren und Händen an! Es war ein aufgeregtes, farbiges Gewimmel um uns herum und die Fische schwammen zentimeternahe an der Taucherbrille vorbei! 

Marina

 

 

Maupiti
30. Juni 2016

Eine unvergessliche Südseeinsel


Maupiti liegt in Sichtweite von Bora Bora entfernt, man kann sogar noch gut den grossen Berg der Insel erkennen. Maupiti kann nur angelaufen werden, wenn die Bedingungen stimmen. Das heisst, Wind unter 20kn und Wellenhöhe unter drei Meter. Die Einfahrt ins Riff ist sehr schmal und seicht und hat immer einen nach aussen strömenden Strom. Wie wir schon oft auf dieser Reise erfahren haben kriegt man nichts geschenkt. Umso grösser das Risiko – umso wunderbarer das Erlebnis. Nun, wir hatten uns bisher nicht mit viel Risiko umgeben – im Gegenteil – doch diese Insel wollten wir nur zu gerne anlaufen! DIe Hoffnung war gross, dass die Bedingungen für uns beim Passeingang stimmen werden. Wir kamen zu einem Zeitpunkt an, wo Wellenhöhe und Wind am abflauen waren, doch immer noch recht intensiv waren. Es ist nur ein kurzer Moment in der Einfahrt, wo es kritisch ist: Zu Beginn von den grossen Wellen oder vom Strom erfasst und aufs Riff gedrückt zu werden. Doch Kim steuerte das Boot (mit starken Korrekturbewegungen) am kritischen Punkt vorbei und dahinter war alles ruhig. Im Nautikführer steht: «After you pass this point, the show ist over!». Tatsächlich. Wir tuckerten auf dem stillen, wieder unglaublich türkisblauen Wasser der markieren Strecke entlang, in die Lagune von Maupiti, bis vor die Kirche. Dort gab es eine Mooringboje an der wir festmachen konnten. Maupiti ist hübsch. Die Insel hat auch wieder einen hohen Berg mit zwei herausragenden Felszapfen. Die sind auch das Symbol der Insel und werden, grafisch vereinfacht, «PENU» genannt und werden von den Einheimischen auch in Stein geformt.

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Die Wellen strömen über das Riff
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Die Riffpassage

Rund um die Insel
Der Tag war noch jung und so hatten wir schon kurz nach dem Ankommen Zeit, die Insel zu erkunden. Es sollte weniger als eine Stunde dauern, die Insel zu umrunden. Nur, die Frage war: MIt dem Auto, zu Fuss oder per Fahrrad? Wir liefen jedenfalls mal los und es überholten uns auch einige Fahrzeuge. Unter anderem mehrere Pickups, einer mit einer Trommelgruppe hintendrauf, gefolgt vom Pickup mit geschmücktem Brautpaar und die anderen mit Gästen besetzt. Alle passierten uns mit lautem Gehupe! Kim schwang seinen Hut in die Luft – wer weiss – vielleicht werden wir zum Hochzeitsschmaus eingeladen!
Der Weg stieg an und wir erreichten einen Punkt, an dem man einen Teil der Insel überblicken konnte. Die Farben des Meeres waren einfach überwältigend, vorallem in der Kombination des üppigen Grüns ringsum und des Schwarz der Felsen. Wieder unten hatte sich dann der Weg geteilt. Der eine führte zu einem grossen Strand und der andere, weiter der Küstenstrasse der Insel entlang. Wir wollten uns natürlich den Strand nicht entgehen lassen. Wir gelangten an einen stillen Ort mit einer riesigen Lagune mit seichtem, glasklaren Wassers. Es gab eine kleine Snackbar und ein paar Häuser von einem kleinen Resort. Das war alles. Man kann da stundenlang im Wasser waten und zur gegenüberliegenden kleinen Insel, allesamt «Motu xx» genannt, gelangen. Die letzten von uns besuchten Inseln glichen sich in ihrer Topografie: Einen festen Kern mit Fels/Bergformationen, Wasser ringsum und vor dem Riff gibt es kleine Sandinseln mit Palmen bewachsen, die «Motus».
Nach einer kalten Cola, setzten wir unseren Spaziergang fort, wieder zurück an die Küstenstrasse. Es gab noch eine halbe Insel zu umrunden! Doch es gab auf dem Weg einiges zu entdecken. Wir kamen auch an dem Festplatz der «Heiva» von Maupiti vorbei. Und wieder –  viele toll dekorierte Bambushüttern in denen die Festivitäten stattfanden: Restaurants und Räume die mir den farbigen Blumentüchern bespannt waren, wo es Jahrmarktspiele und Süssigkeiten gab. Da hatte es natürlich unsere Kinder hingezogen. Vergnügt spielten sie da, umringt von vielen anderen einheimischen Kindern, eine Runde Tischfussball mit Kim. Lustig zu beobachten, war auch eine Situation, wo eine Gruppe junger Mädels, die eine mit Perlenkette und schönem Kleid, sich an einem «Hau den Lukas» zu schaffen machten. «Zu schaffen» ist wohl der falsche Ausdruck, sie schlugen alle zu, nicht anders als es taffe Jungs gemacht hätten! Wir beschlossen dann, am späteren Abend hier essen zu gehen.
Wir spazierten dann weiter ins Dorf hinein und ich konnte mich wieder einmal nicht sattsehen, wie die Menschen hier leben. Es ist alles gepflegt. Vor den offenen Hauseingängen und den Fenstern hängen farbige Tücher, die im Wind wehen. Viel spielt sich auch draussen vor den Häusern ab, Veranden, Freiluftwerkstätten, Pflanzenkübeln. Die Häuser sind viel offen gebaut und meistens auf Pfählen und mit Wellblech bedeckt. Oftmals dachte ich, wie es wohl in den Häusern ist wenn es richtig stürmt und regnet, was es ja, wie wir nun wissen, hier auch oft tut. Wohl wird es feucht und nass sein währenddessen, doch alles ist auch wieder schnell trocken.

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Die Wanderung «übers» Wasser
Am nächsten Tag erweiterten wir unsere Auskundschaftungen auf die kleine Insel (Motu) hinter uns. Ein paar Meter von unserer Boje entfernt, beginnt das seichte Wasser der grossen Sandbank. Wir können gut rüberschwimmen (aber wir nehmen das Dinghi) und dann von da aus zur Insel waten. Wir sehen im Wasser spannende, spiralengeforme Objekte, die wohl von einem Tier mit Sand und einer Art Leim geformt werden. Sie sind sehr fest aber wenn man daran zieht, fallen sie auseinander. Am mit scharfen Korallen und Muscheln besetzten Strand, stellt Neele fest, dass sie ihre Schuhe vergessen hat. Es ist nicht das erste Mal, dass wir barfuss unterwegs sind und dann im Strandgut zwei Flipflops finden! In den Las Perlas Inseln bei Panama, wo es sehr viel Strandgut gibt, war das schon mal so. Nun, hier in der Südsee gibt es sozusagen keinen Müll am Strand und dadurch wohl auch schwieriger, zwei passende Schuhe zu finden! Doch den Moment als zuerst Kim einen Flipflop in Neeles Grösse findet und dann kurz darauf sie selber den zweiten für den anderen Fuss, war dies für mich ein Sinnbild des Lebens und eine Bestätigung: Alles für was wir die Augen offen halten und wir uns darauf konzentrieren – findet schlussendlich den Weg zu uns. Stolz und zufrieden wanderte Neele danach mit ihren neuen Sohlen über die spitzigen Korallenteile!
Die «Motu» zu umrunden war uns schlussendlich zu weit, so schlugen wir kurzerhand den Weg ein, der in die Mitte der Insel führte. Heraus kamen wir dann erstaunlicherweise in kürzester Zeit wieder auf der anderen Seite, wo wir auf eine neue Siedlung stiessen. Da wurde gerade eine Hochzeit vorbereitet. Die ganzen Waren und auch die Menschen brachten sie mit einer Art grossem Aluminiumfloss mit zwei Aussenbordern, vom Dorf her übers Wasser. Ein gutes System!

Hochzeitsgäste

 

 

Eine Schar Südseekinder auf der «ELAS»
Während wir noch mit dem Gummiboot dem «Motu Tiapaa» entlang fuhren, entdeckten uns eine Schar Kinder die im klaren Wasser spielten. Es gibt auf den «Motus», den Sandinseln immer auch Menschen die da ihre «Häuser» haben. Meistens sind es ganz einfache Hütten aus Bambus oder Palmenstämmen die mit Wellblech gedeckt sind. Ein ca sieben jähriges Mädchen mit einem guten Mundwerk 🙂 fragte uns ob es möglich sei, «visité votre voilier!?». Natürlich! So nahmen wir die Rasselbande mit unserem Gummiboot mit, nachdem sie noch das OK eingeholt hatten. Als wir unseren 2.3PS Aussenborder starteten, kicherten alle wie wild darauf los – so ein Lärm für so wenig Geschwindigkeit! Das fanden die alle sehr lustig! Beim Boot angekommen gings los – rund ums Deck, rauf und runter und hin und her und dann wird ins Wasser gesprungen und das Ganze wiederholt sich. Wir hatten noch einen frisch gebackenen Kuchen an Bord, der wurde bei der Besatzung genüsslich verspiesen und die Krümel lustig verteilt! Sie hatten einen Riesenspass. Das Schöne aber war, wir bemerkten bei den Kindern viel Anstand, das war schön und so freuten wir uns auch sehr über ihren Besuch. Ein wenig später kamen dann die Erwachsenen mit dem Boot zu uns rüber, um auch noch einen Augenschein zu nehmen. Der eine Mann war der Vater zweier Mädels, doch die Kinder leben nicht auf der Insel. Wie sich später herausstellte, waren gerade Schulferien und die Kinder verbrachten den Tag auf der «Motu Tiapaa», bei ihrem Vater der dort lebte. Die Kinder hatten weiterhin Spass und wir unterhielten uns mit den drei Männern, hauptsächlich mit dem Vater der beiden Mädchen. Er war ein sehr sympathischer, ruhiger Mensch. Schlussendlich fragte er uns, ob wir am nächsten Tag, es war Sonntag, zu ihnen auf die Insel, zum Mittagessen kommen möchten! Wow, das möchten wir natürlich gerne, und fragten was wir dann mitbringen sollen. Sie wollten nichts. Ein paar Biere, ein paar Mitbringsel aus der Schweiz, Esswaren und Kleider die wir nicht mehr unbedingt brauchen und Mädchenkrimskrams, landeten dann schlussendlich in einer Ikeatasche, zum mitnehmen. Wir freuten uns auf diesen Tag am Strand mit den Menschen von Maupiti.

 

Maupiti – Unsere Herzensinsel

Ein wunderbarer Tag mit wunderbaren Menschen

Als wir am Mittag mit dem Gummiboot Richtung «Motu Tiapaa» fuhren, konnten wir zuerst schwer ausmachen, wo nun genau der Ort war, wo wir gestern gelandet waren. Doch dann sahen wir den rundlichen Mann am Ufer heftig mit den Armen winken – das war der Platz. Als wir landeten, waren gar keine Kinder da, es war ganz komisch, erwarteten wir doch wieder die lustige Kinderschar von gestern. Aber sie führten uns ein wenig das Ufer hoch und in die auf zwei Seiten offene Hütte wo ein gedeckter Tisch mit vier Trinkkokosnüssen auf uns wartete. Es waren noch ein Mann und eine Frau da, die fleissig werkten, die Frau sei die Tante von dem Mann der uns gestern eingeladen hatte und der ander Mann ihr Ehemann. Sie beide wohnen ein paar Meter dem Strand entlang, sie waren also Nachbarn. Hinter der Hütte brannte ein Feuer auf dem ein grosser Fisch grilliert wurde. Ein kleiner Transistorradio hing an einem Pfosten und leicht verzerrte polynesische Musik klang daraus. Die Hütte hatte nur ein schmales Gestell an der einen Wand, wo sich eine Büchse Kaffee, Milchpulver, Öl und eine Dose Corned Beef befand. Daneben gab es einen rostigen Gasherd. Vor der Hütte, gegen das Meer, war ein Chromstal Spülbecken an einem Baum befestigt – natürlich ohne Wasseranschluss! Doch es war wohl doch praktisch zum Geschirr spülen.
Als wir uns fertig umgeblickt hatten, wurden wir gebeten uns doch zu setzen. Ob sie nicht mit uns zusammen essen wollten, fragten wir unsere Gastgeber. Doch sie meinten strikte, dass die dann später essen ürden. Also setzen wir uns und liessen uns überraschen – auch ob das Ganze dann nicht doch noch etwas kosten würde. Wir hatten nämlich nicht damit gerechnet und hatten auch das ganze restliche polynesische Geld ausgegeben. Wir bekamen Spaghetti und Reis serviert, und gegrilltes Poulet und den gegrillten Fisch. Diese Art Fisch hatten wir schon mehrmals unter Wasser beobachtet, er hat eine spezielle Form, vorallem seine Flossen sind sehr markant. Dieser Fisch war unglaublich gut zu essen, sein Fleisch fest, fast wie Hühnchen. Wir waren hingerissen, es hat so gut geschmeckt. Nach dem Essen spazierten wir mit der Tante zu deren Haus. Es liegt wie das Andere auf der Innenseite der Sandinsel, zur Lagune hin. Doch es sind nur ein paar Meter quer durch Gras, Palmen und Büsche, zum anderen Ufer – zur Aussenseite wo man das Riff sehen kann. Die raue Seite, mit den Korallensteinen und dem Wind. Die Frau erzählte uns wie sie wäscht: Es wird ein Loch in den Sand gegraben, das sich dann in kurzer Zeit mit Süsswasser füllt. Es komme immer Wasser meint sie. Doch sie sammeln auch das Regenwasser, vorallem zum duschen. Das Trinkwasser bringen sie in Kanistern vom Dorf, was, wie sie erzählte, viel Arbeit macht.
Als wir wieder zurück sind von unserem Erkundungsgang, kamen gerade die Kinder mit dem Boot an! Das freute uns sehr, es wurde sofort sehr lebendig. Mit dabei waren auch Anthéa, die zwanzigjährige Tochter unseres Gastgebers und ihr Mann, Vainui mit dem einjährigen Bébé, Teavai. (Ihr Name ist eine Mischung der Namen ihrer Eltern!) Die Kinder begannen sich zu verteilen, tobten im Wasser oder spielten im Sand. Wir konnten einfach da sitzen und zuschauen und uns unterhalten. Es war eine tolle Stimmung, unkompliziert und herzlich. Wir waren einfach einen Teil davon und gehörten dazu.

 

Muscheltauchen und Speerfischen
Die Zeit war unwichtig und wir genossen jeden Moment. Dazu gehörte auch dass Kim, Lenja und Vainui zusammen zum Muschelntauchen gingen. Es gibt hier diese tollen, farbigen «Lippenmuscheln», welche sie mit Genuss verzehren. Anthéa beschrieb mir unterdessen leidenschaftlich, wie fein diese seinen, «avec un peux de citron!». Sie kamen zurück mit einem Plastiksack voller zirka zehn Zentimeter grossen Muscheln, welche sie dann ins seichte Wasser leerten. Sie begannen dann diese mit dem Messer zu öffnen und schnitten die ungeniessbaren Teile weg. Dann holte eines der Kinder eine Glasschüssel und eine Zitrone. Noch im Wasser stehend, wurden die Muscheln mit Zitronensaft getränkt und wir durften probieren. Alle griffen zu, auch die Kleinsten steckten grosse Muschelstücke in den Mund. Für unseren Geschmack waren sie ein bisschen zu gummig und der Geschmack nichtssagend, doch es war schön zu sehen, wie sie diese alle mit Begeisterung verschlangen.
Als Kim, der gut französisch spricht, beim Muscheltauchen war, war für mich eine lustige Herausvorderung, mich mit meinen zwei drei französischen Wörtern, die ich noch von der Schule her kannte, zu unterhalten. Es gelang mit der Zeit immer besser, obwohl ich wohl ziemlich Kauderwelsch von mir gegeben haben musste! Doch es war so toll, vorallem mit Anthéa zu plaudern. Wir hatten von Frau zu Frau einige Gemeinsamkeiten: Das Kinder haben und das Handwerken. Sie erzählte mir, dass sie einen kleinen Laden mit Muschelketten im Dorf betreibt. Dass dies eine ihrer Hauptbeschäftigungen ist, zusammen mit ihrer Mutter und Schwester. Sie wolle mir am nächsten Tag eine als Geschenk für mich vorbeibringen! Ich habe an diesem Tag meine selbstgemachte, umhäkelte Regenbogenmuschelkette getragen, diese hatte ihr sehr gut gefallen. (Ich wollte ihr unbedingt auch noch eine solche Kette anfertigen, die ich ihr schenken konnte. Diese «Regenbogenmuscheln» kommen von Kroatien, vom anderen Ende der Welt und es ist ein schönes Symbol für sie, eine solche zu besitzen. Gerade weil sie mit den Südseemuscheln arbeitet.)
Kim unterhielt sich mit Vainui übers Fischen, im speziellen übers Harpunenfischen. Er hatte sich in der Karibik einen Harpune gekauft, aber diese noch kaum gebraucht. So schlug Vainui Kim vor, noch mit ihm im Pass mit der Harpune fischen zu gehen. Diesmal war Neele mit von der Partie und sie tuckerten mit dem Aluminiumboot davon, mal zuerst Richtung Elas, um Kims Harpune zu holen. Als sie wieder zurückkamen, hatten sie einen Kanister voll mit kleinen Rifffischen, den Roten, die sich gerne im Dunkeln verstecken. Kim erzählte belustigt, dass er vorallem gut auf Felsbrocken schiessen könne! (Sein Pfeil ging tief in einer Höhle zwischen die Steine und er bekam ihn nicht mehr heraus. Also tauchte er hinein – ein/zwei/dreimal um ihn wieder rauszukriegen. Als Vainui dies mitbekam, meinte Vainui, dass er da nicht hineinschwimmen solle, wegen den Moränen und zog am Seil um ihn wieder herauszuziehen aber das Seil riss! Und Kim war ja unterdessen schon einige Male drin gewesen! Beherzt beschloss Kim dann, seinen Pfeil doch noch zu retten und schwamm zum letzten Mal – diesmal mit Erfolg – hinein, ohne einer bösen Moräne zu begegnen – Gottseidank!) Danach gelang es, ein paar Rifffische mit der Harpune zu erwischen!

Abendessen
Es wurde langsam Abend. Die Kinder waren hungrig und die Erwachsenen wärmten die Teigwaren und den Reis vom Mittag auf. Zudem bereiteten sie mit Öl und Zwiebeln die Dose «Corned Beef» in einer Bratpfanne zu, das sie dann zum Reis assen. Wieder wollten sie dass wir zuerst essen sollen und deckten den Tisch mit den vier Tellern. Aber das wollten wir nicht mehr, wir wollten zusammen essen und wir verstanden nicht so recht warum sie das so handhabten. War es ihre Kultur, machen sie das immer so mit Gästen? Später wurde uns klar, dass sie nur vier Teller, Gläser und Besteckt bei der Hütte hatten! Somit wurde gestaffelt gegessen und die Frage war geklärt!
So verklang dieser wunderbare, erfüllte Tag. Unterdessen war es dunkel geworden. Wir verabschiedeten uns mit den Versprechungen von ihnen, uns am Morgen noch Früchte zum Boot zu bringen und Anthéa die Kette. Am selben Abend, zuück bei der «Elas», begann ich noch ein Bändchen für Anthéa zu fertigen und häkelte eine kleine Regenbogenmuschel ein…

Am nächsten Tag, viele Geschenke
Das war gut so! Denn schon recht früh am Morgen, die Sonne war noch hoch am Himmel, hörten wir ein Boot auf uns zu kommen. Alle ausser mir waren noch am Schlafen und ich war nur schon auf, weil ich die Kette fertigstellen wollte. Vainui und Anthéa waren auf dem Weg zu uns. Als erstes packten sie ein grosses Haifischmaul-Skellet aus und übergaben es den Kindern! (Lenja wollte immer einen Haifischzahn am Strand finden, aus dem sie dann eine Kette machen wollte. Doch das einzige was die Kinder mal fanden, war ein Hundegebiss! Vielleicht hätten die Einheimischen ja Haifischzähne, meinte Kim und die Kinder fragten. Damit erfuhren wir die Geschichte von Anthéas Grossvater, der viele grosse Haie in Maupiti gejagt hatte – scheinbar bis es keine mehr gegeben habe. Und nun, an diesem frühen Morgen, kamen Anthéa und Vainui mit diesem ganzen Haigebiss daher! Ein bisschen gruselig find ich das Teil schon, aber auch etwas Grossartiges!
Danach packten die Beiden Kette um Kette aus. Ketten aus Muscheln zum Dekorieren, für jeden von uns eine und für mich ganz besonders eine Kette die eine Blume darstellt, aus violetten, aufgeschnittenen Muscheln und den passenden Ring dazu. Neele war davon ganz hingerissen und nahm sie gerade an sich! Unterdessen hatte ich meine Kette für Anthéa fertiggemacht. Sie passte perfekt auf ihrer brauenden Haut und zu ihrem Kleid – perfekt! Die Freude war gross – beiderseits.

Hai.jpg

Oder doch einen Tag frei?
Anthéa und Vainui waren eigentlich auf dem Weg auf die «Motu Auira» eine andere Sandinsel mit Palmen die Verwandten gehört. Eine der einzigen und wichtigen Einnahmequelle – neben dem Fischen – ist überall auf den Südseeinseln die Herstellung von «Kopra». Kopra ist sonnengetrocknetes Kokosnussfleisch, das regelmässig von Schiffen auf den Inseln abgeholt wird und aus dem Kokosfett oder Öl gewonnen wird. Die Beiden waren, wie gesagt, eigentlich auf dem Weg zum Kopra machen, zusammen mit anderen Familienmitgliedern Kokosnüsse sammeln, sie abhäuten, aufschlagen und mit dem Löffel das Kokosfleisch herauspulen. Doch ihre Pläne liessen sie fallen – nach dem Morgenkaffee auf der «Elas» und den Geschenken wollten sie nochmals zuück zum Dorf fahren. Sie hatten die Idee, uns ein Windspiel mit Muscheln und Seeigelstacheln, mitgeben zu wollen. Ich musste noch ins Internet um das aktuelle Wetter zu downloaden, so beschlossen wir, dass wir drei Frauen mit ihnen ins Dorf gehen und Kim unterdessen das Boot zur Abfahrt klar macht – wir wollten nämlich noch an diesem Nachmittag nach Tonga aufbrechen. Dieser kleine Ausflug ins Dorf mit Vainui und Anthéa war für mich, nach dem unvergesslichen Tag mit ihnen am Strand, nochmals eine Vertiefung unseres Kennenlernens. Wir lernten ihre Mutter und ihre Schwestern kennen, die gemeinsam im Haus der Mutter lebten. Im Laden packten sie und  ihre Mutter noch zig Dinge für uns ein, sie konnten nicht aufhören uns mit ihren handgefertigten Kostbarkeiten zu beschenken. Wohl auch, weil Kim seine neue Harpune an Vainui weitergegeben hatte – für sie ist es ein Werkzeug, dass sie zum Leben brauchen – für uns nur ein spannendes Spielzeug, Und so war es gut. Zusammen mit ihrem Baby, machten wir dann noch den Ganz zum Gemeindehaus, wo es Internet gibt. Unterwegs werden wir von ihren vielen Bekannten herzlich gegrüsst, wir fühlten sehr willkommen. Die Jugend von Maupiti ist gleich fortschrittlich wie in vielen Teilen der Welt – sie benützen Facebook und haben Smartphones. Somit bin ich nun mit jemandem vom anderen Ende der Welt auf Facebook befreundet. Schön 😉 

 

 

Nervenkitzel bei der Ausfahrt aus dem Pass von Maupiti
Anthéa und Vainui blieben noch bei uns zum Mittagessen. Schon als wir mit Vainui zum Land fuhren, bemerkte dieser, dass das Wasser am steigen sei. Doch irgendwie konnte ich es noch nicht so ganz nachvollziehen, was er meinte, für mich war klar, wenn das Wasser steigt ist die Flut da… Doch nicht in Maupiti. Wenn das Wasser in Maupiti steigt, heisst das, dass es draussen rauh ist und grosse Wellen übers Riff in die Lagune gespült werden. Ein paar Stunden später war Vainuis Hinweis über das Steigen des Wassers auch bei uns am Ankerplatz gut nachvollziehbar: Es kamen gigantische Wellen übers Riff die unser Schiff am Ankerplatz in ein Schaukelpferd verwandelte. Mir wurde es immer mulmiger bei dem Gedanken, in Bälde durch den Pass zu fahren. Besorgt blickte ich zu Kim, um zu sehen, wie er zu der bevorstehenden Herausvorderung steht. Doch er guckt ganz gelassen und meint, es werde schon gehen und so entspanne ich mich, im Vertrauen dass er das Schiff schon schaukeln wird :-).
Es war dann auch recht furchterregend. Ich betete zuvor, wir mögen doch einen Moment zwischen grossen Wellen erwischen, doch wir hatten «Glück» und erwischten gerade einen Zeitpunkt, wo mitten im Pass – bei mehr als 5kn Strömung nach aussen – eine riesige Welle auf uns zukam. Wir fuhren gegen die Welle, erklammen sie und sausten das Wellental mit 12kn herunter. Es gab einen Zeitpunkt, da sahen wir nur türkisblaues Wasser mit weissen Schaumkronen. Dann spielte sich das Ganze nochmals in abgeschwächter Version ab und wir waren draussen! Juppie – bravo! 

 

 

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