16. Panama – Las Perlas

Panama City

5. – 9. März 2016

Am nächsten Morgen nach unserer Ankunft auf der Pazifikseite nahmen wir ein Taxi nach Panama City. Der Taxifahrer liess uns im alten Teil von Panama City raus und wir spazierten durch den sicheren, touristischen Teil und dann dem Meer entlang Richtung der Skyline vom neuen Stadtteil. Wir sahen viele Kunafrauen hinter Marktständen stehen und Molas verkaufen. Es war eigenartig sie hier in der Stadt wiederzusehen, in den San Blas haben sie besser ins Bild gepasst! Später sahen wir viele Kunas in ihrer farbigen Tracht auch in den Shoppingmeilen, wohl gibt es unterdessen viele Kunas die in die Stadt gezogen sind.
Nach dem touristischen Teil entdeckten wir noch eine tolle Strasse. Zunächst waren nicht ganz sicher, ob wir nun schon in dem Teil der Stadt sind, von dem uns wegen Kriminalität abgeraten worden ist. Es war eine kunterbunte Strasse mit Einkaufsläden aller Art und Strassenstände davor. Es war die Strasse wo die Einheimischen sich günstig mit Kleidern, Schuhen, Stoff und Esswaren versorgten. Es hatte richtig Spass gemacht zu stöbern. Für Neele gabs ein neues Kleidchen für ein paar Dollar und Lenja erstand neue Badeshorts, die sie so gerne mag.

 

Provisioning

Ich habe bereits erwähnt, dass Panama für Segler und Yachten nicht viel Service bietet. Das hat sich auch auf der anderen Seite, bei Panama City, bestätigt. Auch hier ist es nicht wirklich leicht, etwas am Boot machen zu lassen oder das Provisioning (Beschaffung der Verpflegung). Es muss alles teuer mit dem Taxi hergefahren werden und mit dem Dinghi zum Boot gebracht werden. (Nicht wie in Las Palmas, wo man praktisch zu Fuss einkaufen gehen kann und das ganze Material bis vors Schiff geliefert worden ist!) Viele Segler tauschen rege Tips und Erfahrungen aus, wo man was bekommen kann…
Der Taxifahrer fuhr uns zuerst zum städtischen Frischgemüse-Markt. Dort kaufen auch die Restaurants und Läden ihr Gemüse und die Früchte ein. Das waren zig aneinander gereihte Hüttenabteile mit Tischen und Regalen die bis oben hin gefüllt waren, mit zum Beispiel Yamswurzeln oder Papaya. Daneben gabs aber auch Stände mit gemischtem Gemüse, sogar Lauch und Randen war zu haben! Wir deckten uns voller Freude mit dem frischen Gemüse ein und obendrein kauften wir noch eine grüne Bananenstaude, mit ca. 80 Bananen für 4$. Der Taxifahrer liess uns danach beim Supermarkt raus und liess uns durch die Regale irren, während er draussen wartete. Mit vielen Taschen beladen, gefüllt mit weiteren Lebensmittel für die nächsten Wochen/Monate, fuhr er uns wieder zum Dinghisteg zurück. Einen Tag zuvor war die Crew von einem anderen Schiff mit ihren Einkäufen auf dem Dinghisteg: Davon plumpste ihnen eine ganze Kiste ins tiefe Hafenwasser! Wir schafften es aber alles heil an Bord zu bringen und auch zu verstauen. Unterdessen sind auch alle freien Bilgenstauräume mit Wein, Olivenöl, Säfte, Kaffee usw. besetzt! Survivalboot!

Taboga Island

Nach dem Provisioning mussten wir am nächsten Morgen noch Wasser, Diesel und Benzin tanken, bevor wir weiter konnten. Da es grad Niedrigwasser war, konnten die mit den Segelschiffen nicht in den Hafen hineinfahren und mussten bis Mittag warten. Wir waren drei Boote die das selbe vorhatten! So dauert manchmal alles ein bisschen länger als geplant und es ist heiss und windstill – der Schweiss tropft uns nur so runter! Umso schöner ist es danach, das Schiff wieder in Bewegung zu haben, nur eine kurze Strecke zu der kleinen Insel Taboga, die in Sichtweite von Panama City liegt. Da soll das Wasser wieder klarer sein, wurde uns gesagt, und man könne die Schnellfähre nach Panama nehmen, falls man noch etwas von der Stadt braucht.
Die Insel Taboga ist hübsch. Ein winziges Dörfchen mit gepflegten Häusern und Strassen und ein paar Lädelchen, die alle von Chinesen geführt werden, liegen darauf. Die Insel hat eine kleine Schwesterinsel, die bei Hochwasser getrennt ist und bei Niedrigwasser mit einem gewölbtem Sandstrand verbunden ist. Wir lasen eine spannende Geschichte über diese kleine Insel: Auf dieser war in der Vergangenheit (Mitte 18.Jh.) ein wichtiger Hafen stationiert. Die Grosssegler konnten bei Hochwasser auf die Sandbank fahren dann für 6h trockenfallen. So konnten Arbeiten am Unterwasser getätigt werden. Weiter vorne gabs noch einen verfallenen Steg, worauf die Schiffe beladen worden waren. Heutzutage werden am frühen Morgen für die Tagestouristen die farbigen Sonnenschirme und Liegestühle auf der Sandbank aufgestellt, und sechs Stunden später wieder weggeräumt. Die Tide beträgt hier in diesem Gebiet 5 – 6 Meter!
Das Wasser war erfrischend kalt! Die Farbe unterschied sich aber kaum vom braunen Wasser vor Panama City! Wir kamen uns ein bisschen wie an einem Schweizer See vor!
Wir drei Frauen nahmen dann am nächsten Tag die Gelegenheit war, mit der Schnellfähre nochmals in diese tolle Einheimischen-Einkaufsstrasse zu gehen. (Und im Supermarkt noch ein paar Flaschen Schnaps zu kaufen – in französisch Polynesien ist dieser unbezahlbar!) Es war toll mit der Katamaran-Fähre mal mit 20 Knoten übers Wasser zu flitzen! Wir genossen die schnelle Fahrt! Und auch das Flanieren zu dritt durch diese Strasse. Ein paar Stunden später, mit noch einem Kleidchen für Neele, einem schweren Rucksack gefüllt mit weiteren feinen Sachen, Stoff, Faden und schönen Bändern, machten wir uns wieder zurück zur Elas und Kim.

 

Las Perlas Islands

12. März 2016

Frühmorgens segelten wir dann los zum Las Perlas Archipel. Hier mussten wir dann feststellen, dass unser Wunsch und Erwartung nach dunkelblauem Meerwasser wieder nicht Realität wurde: Wir sind in einem ganz anderen Gebiet angekommen – hier im Pazifik schwimmen wir im Wasser des Humboldtstroms. Das ist die kalte Meeresströmung, die von der Antarktis her an der Westküste von Südamerika entlang, nordwärts strömt. Wir hatten noch nie so viel Plankton im Wasser gesehen – deshalb auch die braun/grüne Farbe. In der Nacht kann man das fluoreszierende Leuchten sehen, wenn die Fische jagen. Sogar die Ankerkette leuchtet in der Nacht von der Strömung!

Nun sind wir schon einige Tage im nördlichen Archipel unterwegs. Die Strände der Inseln versinken und tauchen im sechs Stunden Rythmus wieder aus dem Wasser auf. Die Vegetation ist sehr karg, viele blätterlose Bäume und nur wenig Grün bewachsen die Insel. (Diese werden wohl schon bald grüner, da im April dann die Regensaison beginnt.) Das Klima auf der anderen Seite des Kanal ist auch vom Humboldtstrom beeinflusst: Viel weniger Niederschläge da die Luft über dem kalten Wasser weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann. Es ist eindrucksvoll für uns, festzustellen, wie sehr sich unsere Umgebung in der kurzen Distanz verändert hat!

Dafür kommen wir uns schon ein bisschen vor wie auf den Galapagos Inseln. Nur wenige der vielen Inseln des Archipels sind bewohnt und es gibt eine reiche Vogelwelt. Sogar Wale kann man hier beobachten und haben wir von weitem auch gesehen! 

Uns fehlt hier unsere Schnorchelausflüge. Es ist kaum etwas zu sehen unter Wasser! Wir haben die Inseln zu Fuss bei Niedrigwasser umrundet und erkundet. Mit dem Dinghi sind wir in die Kanäle zwischen den Inseln gefahren und haben geheime Ecken entdeckt. Wir sind alleine am Ankerplatz und können den Rochen vom Schiff aus zusehen, wie sie beim auf der Oberfläche schwimmen, elegant ihre Flügelspitzen aus dem Wasser strecken. Es sieht fast aus wie kleine Haifischflossen! Uns wir haben wieder viel Zeit für die Schule…. Doch nun sind wir uns unterdessen wieder mental aufs Weiterreisen vorzubereiten. Wir beobachten das Wetter, beziehungsweise den Wind, der momentan noch überhaupt nicht günstig ist. Die Strecke zu den Galapagos Inseln (diese liegen auf dem Äquator) wird vom ITKZ, der Intertropischen Konvergenzzone beeinflusst. Dort treffen die verschiedenen Wetterlagen der beiden Erdhälften aufeinander. Es wird daher wohl keine stabilen Winde für die ganze Strecke geben. Wir machen uns auf diverse Segelwechsel gefasst und hoffen von zuvielen Flauten oder auch Unwetter verschont zu bleiben! 

Doch vorerst machen wir uns auf, noch die grösste der Perlas Inseln anzusegeln. Die «Isla del Rey». Dort gibt es einen Fluss den man mit dem Dinghi hinauffahren kann, und sich dann langsam mit der Strömung zurücktreiben lassen kann. Das tönt spannend!

 

Isla del Rey

Unterdessen haben wir uns auch ein bisschen an das schlammigtrübe, planktonreiche Wasser gewöhnt. (Unser Wassermacher konnten wir nicht wie gewohnt laufen lassen – nach einem Tag roch das Wasser so richtig faulig! Wir müssen den Filter nun nach jedem Mal herausnehmen und reinigen). Wir haben viele interessante und schöne Buchten auf den absolut einsamen, naturbelassenen Inseln erkundet. Hatten traumhafte Ankerplätze – als einziges Schiff in unberührter Natur und spiegelglatter See. Vorallem das Erwachen frühmorgens ist wunderschön und Ruhe pur. Stille auf dem Wasser, nur die Fischschwärme machen kleine, glitzernde Turbulenzen an der Oberfläche und die Vögel am Ufer geben exotische Töne von sich. So haben wir von den Las Perlas, nach der anfänglichen Enttäuschung, ein positives Bild bekommen. doch nach wie vor – es gibt doch nichts schöneres als ein klares Wasser unter dem Rumpf!

 

 

Isla del Rey, 17.-19. März 2016

Zwei Versuche für frisches Gemüse

Wir sind weiter südlich gefahren Richtung dem kleinen Dorf Esmeralda. Es ist der zweite Versuch, hier auf der Insel, in einem der winzigen Dörfern etwas Frisches und allenfalls Diesel zu bekommen. Der erste Versuch namen wir in San Miguel, im Norden von Isla der Rey, vor. Es war Niedrigwasser und noch immer sinkend. Wir mussten weit draussen ankern und fuhren mit dem Dinghi zum Dorf. Schon von weitem sahen wir alle Böötchen auf dem Trockenen (im Sumpf) liegen und die Menschen, die von der Inselfähre an Land gebracht wurden, stampften durch den Schlamm! So wussten wir dass es bei uns nicht anders sein würde! Da die Touristeninsel Taboga sehr chic und aufgeräumt war, namen wir an, dass es hier auch ähnlich sein würde. Was wir aber erblickten, war ein sehr armes Fischerdorf das von Schwarzen bevölkert wurde. Die typisch mittelamerikanischen Indiogesichter sah man keine. Mit dreckbespritzten Beinen und Füssen erfragten wir uns den Weg zu einem Laden – der dann aber nicht mehr als ein paar Konserven, Öl und Maiskörner zu bieten hatte. Bald darauf verliessen wir den für uns trostlosen Ort wieder: Das Dinghi nun noch weiter draussen auf dem Trockenen im Schlamm! Wir mussten es sicher 50m weit tragen – barfuss weil die Flipflops im Dreck stecken blieben – bis es wieder Wasser unter sich hatte! Alles war über und über verschmiert! Aber zum Glück haben wir ja viel Wasser um uns herum, mit dem wir alles mehr oder weniger wieder putzen konnten!

Der zweite Versuch, eben nun im Dorf «Esmeralda». Wir sahen Kinder in kleinen Holzkanus auf dem Wasser spielen. Es war klar, dass es wohl nicht lange dauern wird, bis sie bei uns beim Schiff waren! Und so war es – wie ein kleiner Wirbelsturm fragten sie alle durcheinander nach Süssigkeiten und Geschenke. Und nachdem wir ihnen etwas gegeben hatten, ging es erst los: Alle wollten etwas und dabei stiessen sie das Kanu um und es schwamm kopfüber unter Wasser! Drei kleine Jungs klammerten sich dann mit den Händen am Schiff fest und standen auf dem umgedrehten Holzkanu. Ob sie wohl gar nicht schwimmen konnten? Wir probierten dann zu helfen, das Kanu wieder umzudrehen. Kim stieg dazu ins Dinghi. So waren plötzlich alle in unserem Dinghi! Doch sie wussten, wie das Kanu wieder umzudrehen und vom Wasser zu befreien. Nachdem wir versprochen hatten, zum Dorf zu kommen und Früchte und Gemüse zu kaufen, zogen sie wieder davon. 

Am Strand angekommen war die gleiche Aufruhr wie zuvor, nur noch mehr Kinder kamen hinzu. Eines davon hatte den Vater mitgebracht. So liefen wir (nur Kim und ich, die Kinder blieben auf dem Schiff) mit dem Mann und den Kindern, in der Menschentraube nach oben, zu den Häusern. Es war Aufregung pur weil jedes Kind uns von sich zuhause etwas verkaufen wollte: Alle fragten durcheinander, «Papaya?», «Mango?», «Verdura?»! Als wir sagten, wir nehmen eine Papaya, rannten drei Kinder los und allesamt kamen mit frisch abgepflückten Papayas in der Hand zurück! Als Gemüse gab es die Yamswurzeln und Platanen (Kochbananen). Sie verkaufen auch Perlen. Ich hätte gerne eine Perle gesehen, doch dann hätten wir auch welche kaufen müssen und das hätte dann nochmals Aufruhr gegeben und war uns definitv zu viel. Wir tranken noch ein Bier in der Dorfknelle mit unserem Helfer. Der kurze Ausflug in dieses Fischerdorf war super spannend: Die Menschen waren alle sehr freundlich und es herrschte eine gute Stimmung untereinander. Das Leben vor und in den Häusern für uns sehr exotisch: Vor jedem Haus war ein Hahn mit einer Fusskette an einem Stein angebunden. (Wahrscheinlich gibt es hier Hahnenkämpfe), der angebrannte Reis landete auf der Strasse und die Hunde liessen es sich schmecken. In einem Käfig wurden zwei Tierchen gehalten, (eine Art grosse Ratte, wir wissen den Namen nicht), die sie aufziehen, um sie später zu verzehren. Überall vor den Häusern wird gekocht, gewaschen oder palavert! Schade war, dass wir die Sprache nicht besser verstehen. So hätten wir uns noch mehr mit ihnen unterhalten können!

 

Mangrovenwald

Am Abend ankerten wir in der grossen Bucht in der Nähe des Dorfes wo dieser Fluss ins Landesinnere führt. Bei Niedrigwasser konnten wir zu Fuss auf dem Sand bis tief hinein wandern und konnten so schön mal einen Augenschein nehmen.

Am nächsten Mittag wagten wir dann mit dem Dinghi über hohe Wellen bei Hochwasser in den Fluss hineinzufahren. Zu Beginn konnten wir auf dem sandigen Grund «Tüpfel»-Rochen schwimmen sehen. Dann wurde das Wasser nach und nach brauner, je weiter wir in die Mangroven hineinfuhren. Auch das Licht wurde immer diffuser und der Flusslauf mystisch enger – bis nur noch ein schmales Stück Weg frei war, durch die gebogenen Mangrovenwurzeln versperrt – und die Bäume über uns zusammenwuchsen. Schliesslich stellten wir den Motor ab und versuchten so leise wie möglich zu rudern, um einige der vielen Vögel beobachten zu können. Doch wir waren viel zu laut und diese flogen schon von Weitem davon! Wir schafften es das Dinghi noch über einen Baumstamm zu hieven, der uns den weiteren Weg versperrte. Es hatte sich gelohnt, der Weg führte uns nämlich noch tiefer und weiter in die Mangroven! 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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