13. Karibikinseln

 

St. Lucia

Ankommen in St. Lucia,  30.11. 2015 – 9. 12. 2015

Am Montag 30.11.15, ca. 19 Uhr lokale Zeit, (wir haben minus vier Stunden Zeitzonen durchsegelt), überfuhren wir die Ziellinie in St. Lucia. Wir hatten gehofft, noch bei Tageslicht auf der Insel anzukommen, doch hier in der Karibik ist es um 6 Uhr morgens hell und um 19 Uhr bereits dunkel. Ein bisschen knifflig war es schon, in der Dunkelheit neben all den geankerten Booten die schmale Hafeneinfahrt zu finden und es hatte viele irritierende Lichter. Im Hafen gab es dann bei unserer Einfahrt ein riesen Hupkonzert! Ein grosses «Herzlich Willkommen» von den Booten die bereits da waren – toll! Nach dem Festmachen des Schiffes wurden wir mit einem typisch Karibischen Getränk, einem Rumpunsch, von Einheimischen und dem ARC Team begrüsst! Durch diese herzliche Begrüssung war unser Ankommen gerade doppelt so schön! Es ist schon so ein besonderes Gefühl, nach einer  Überfahrt wieder am Land anzukommen. Ringsum wurden wir von den Leuten beglückwünscht mit den Worten «well done!».

Am nächsten Tag haben wir dann herausgefungen, dass wir als 20igstes Boot von 75 in St. Lucia angekommen sind und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 7.7 Kn hatten. Das war unglaublich! (Wir erfuhren auch erst später, dass wir im Internet auf dem Fleet Viewer auf Platz 3 in unserer Division markiert waren). Wir waren stolz auf uns und auf unser Schiff. Wir hatten bei unserer Überfahrt überhaupt keine Renn-Absichten gehabt, da uns gesagt wurde, wir seien nicht mehr im Rennen, weil wir in Mindelo nicht zur Zeit an der Startlinie waren. Wir waren einfach so zügig wie möglich gesegelt und durch unsere beiden ausgebaumten Vorsegel hatten wir eine grosse, stabile Segelfläche. Diese konnten wir auch gut alleine zBsp. bei Nachtwache bei einem Squall gut bedienen. Das gab uns ein tolles Gefühl und alle waren mächtig stolz und auch dankbar, dieses grosse Ziel so grossartig geschafft zu haben!

In der Marina.

Am nächsten Tag mussten wir die Formalitäten erledigen. Einklarieren. Die Umgebung kam uns bekannt vor, wir waren vor einigen Jahren schon mal hier um einzuklarieren als wir hier Charterferien machten. Dann wollten wir noch die hiesigen Boots-Werkstätten aufsuchen, um unser AIS schlussendlich noch richtig zum laufen zu bringen und unsere Batterien zu testen. Es war ein kleines, überfülltes Büro mit einer Sekretärin die uns berichtete, wir sollen in drei Wochen nochmals vorbei kommen, sie hätten so viel zu tun! Ihr Chef, ein Engländer, sass hinter einer Wand hinter einem Stapel Papier und seinem Computer und machte bei unseren Fragen immer kurze Bemerkungen, ohne hinter seiner Wand hervorzukommen! Wir liessen dann doch noch ein Reparaturauftrag erstellen und machten uns ohne Hoffnungen auf, wieder zurück zum Schiff. Wir hatten zusammen zur zuvor bereits besprochen, dass wir nach der ARC nach Martinique fahren um dort die Schiffsarbeiten machen zu lassen. Da Martinique Frankreich ist, sollte das mehr dem europäischen Standart entsprechen und ev. auch günstiger sein.

Die nächsten Tage genossen wir die Ruhe des stillstehenden Schiffes, putzten, füllten Wasser nach, liessen die Kleider waschen und erfreuten uns an der karibischen Wärme und Atmosphäre! Nach und nach kamen weiter Boote herein und wir halfen mit, diese gebührend zu Begrüssen! Wir hatten die lauteste und schönste Hupe weit und breit! Viele Schiffe hatten Schäden nach nach der Überfahrt vorzuweisen. Die meisten waren passiert, als diejenigen von Squalls (Gewitterwolken) überrascht worden sind. Es wurden einige Spinnakerbäume gebrochen, Haken für den Parasailor aus dem Polyester ausgerissen, Vorstag gebrochen, oder auch Wassereinbrüche durch das Ruder, Motorenprobleme und Probleme mit dem Autopiloten. Ein ganzes Sammelsurium an Dingen die bei Booten so kaputt gehen können! Wir mussten zum Glück nur ein durchgescheuertes Seil ersetzen. Und doch ist es auch gut zu sehen was so alles passieren kann. Es gibt uns die Erfahrung, vorzusorgen und aufzupassen.

Der Techniker für das AIS und die Batterien ist dann doch erstaunlicherweise noch gekommen. Das Batterietest-Gerät hatte er dabei doch das Testgerät für das AIS hätte er nicht gefunden, meinte er. Am nächsten Tag um neun wäre er wieder hier, mit dem Gerät. Kim legte die Decke frei und schraubte alle Teile ab, die nötig waren um an die Verkabelung heranzukommen, dass der Mann dann am Morgen gut arbeiten kann. Als ich mit Lenja am Morgen um halb elf (!) am Gemüse- und Früchtemarkt war, sprach mich dieser Mann, gerade am Kokosnüsse aufschlagen, an, er hätte das Testgerät nicht gefunden, ich soll das doch bitte Kim ausrichten! Karibikstyle 😉 So schraubt halt Kim alles wieder zu und die Decke wieder an. Für dieses Rendevouz mit dem Techniker hatte die Firma dann zwei volle Arbeitsstunden verlangt. 

Als wir dann mit den Arbeiten im Hafen fertig waren, machten wir uns auf die Umgebung auszukundschaften. Wir probierten zum ersten Mal unseren grossen Dinghimotor aus. Dieser ist enorm schwer und wir müssen uns gut überlegen wie wir diesen in die Hände nehmen. Aber wenn er mal montiert ist, können wir so richtig schnell und weit fahren! Wir fahren aus dem Hafen heraus und an das hinterste Ende des langen Sandstrandes. Dort ist eine kleine Hütte, eine Strandbar mit einer ältern dicken Mama, der Miss Marie, hinter der Theke. Und das klassische Bild mit dem Baum am Ufer und den Einheimischen die darunter sitzen. Gemütlich! Wir kommen mir den Gästen ins Gespräch, mit Einheimischen und Touristen, probieren Miss Maries Erdnussrum  und essen das von ihr auf dem Feuer frisch gebackene Brot mit Käse gefüllt. Lenja ist mit Neele solidarisch und spielt mit ihr im Sand, anstatt ins Wasser zu gehen und wir schwimmen endlich im warmen, karibischen Wasser! Am nächsten und übernächsten Tag machten wir uns nochmals zu diesem einheimischen Strandabschnitt auf. Der Rest des Strandes ist mit Restaurants und Hotels verbaut. Wir probierten Miss Maries auf dem Feuer gekochtes Mittagessen: Gebratene Pouletstücke mit Reis, Kochbananen und Brotfrucht. Dazu eine scharfe, süssaure Sauce. Nach ca. einer Stunde Wartezeit mit knurrendem Magen war diese Mahlzeit besonders gut! Und irgendwie war es auch gut zu sehen wie da in einer Seelenruhe gewerkelt wird, ohne Hektik, ohne Eile. 

Eine Karibische Eigenschaft! Und es gibt auch Geschäftliche Erfolgsstories von Einheimischen St. Lucianern. Eine junge dunkle Frau, schick angezogen mit grosser Halskette, kam mit uns ins Gespräch. Sie erzählte uns dass sie es liebt, in den Schweizer Bergen Ski zu fahren. Dass sie mindestens zweimal jährlich eine grosse Reise mache, nach Spanien, Frankreich ect. Sie hätte mehrere Schönheitssalons hier in Rodney Bay und hätte ihre Angestellten, so könne sie ruhig in der Strandbar sitzen! 

Beim Zurückfahren mit unserem schnellen Beiboot trafen wir auf das in Las Palmas angetroffene Familienboot «Blue Raven», ganz zufällig, sie lagen seit einigen Stunden in der Bucht vor Anker. Die Neuseeländische Familie, ich habs schon geschrieben, hat zwei Mädels mit denen sich Lenja und Neele sich so gut verstehen. Die Wiedersehensfreude war gross und wir kamen in den Genuss den Film anzuschauen, den die Kinder in Mindelo zusammen aufgenommen hatten.

 Am nächsten Tag trafen sich die Familie der «Kiwi Beanz», der «Blue Raven» das Schwedenpaar vom «Sea Quark» und wir am Einheimischen Strand und es wurde stundenlang mit einem Rugbyball im Meer gespielt. Schlussendlich kamen noch dunkle Kinder hinzu die auch mitspielen wollten und das Spiel hiess dann: Kinder gegen Erwachsene! Es war ein Riesenspass, mit so vielen Leuten.

 

Abschied von der ARC+

So langsam trudelten die ersten normalen ARC Schiffe ein. (Das erste Racingboot vom Volvo Ocean Reacing Team der ARC kam schon vor uns an, sie machten einen neuen Rekord von 8 Tagen von Las Palmas. Diese sind aber gerade einen Tag später wieder zurückgesegelt! Das sind Profisegler und ist für sie Training und hat nichts mehr mit unsereins zu tun!) Die ARC+ Wellcome Party war auch gleichzeitig für die ARC Schiffe die schon in St. Lucia angekommen sind. Ein langsames durchmischen von bekannten und weniger bekannten Gesichtern aber ein wunderbarer Anlass alle bekannten nochmals versammelt anzutreffen. Wir hatten mit einigen unterwegs Funkkontakt gehabt und so war es lustig sich noch persönlich zu treffen, diejenigen die wir noch nicht so gut kannten. Schon einige der ARC+ Boote waren aber unterdessen den eigene Plänen gefolgt. Einige müssen nach zwei drei Wochen nach Hause fliegen und lassen das Boot hier, andere sind weitergezogen aber der grösste Teil hat noch den Priceing-Anlass der ARC+ abgewartet. Wir auch, wir waren doch gespannt! 

 

3. Platz im ARC+ Rally, Mindelo-ST. Lucia, in der Kategorie B

Natürlich war es ein Highlight, vorallem für die Kinder, auf die Bühne gehen zu können und den Preis entgegenzunehmen! Und die Komplimente und Gratulationen von allen Seiten waren schön, vorallem weil wir diese als Familienschiff mit nur zwei Erwachsenen in einem mittelgrossen Schiff entgegennehmen durften! Dementsprechend genossen wir alle zusammen den Abend und die Musik der professionellen Steelband, die wunderbar energievolle Musik machte. Tauschten noch EMail Adressen aus und vorallem die weiteren Pläne. Wer weiss, vielleicht treffen wir auf unserer Weiterreise einige derjenigen nochmals wieder. Alles in Allem waren wir überrascht und glücklich wie viele humorvolle und gute Leute wir durch die ARC kennengelernt haben. 

 

Reisepläne

Als sich die Leute zu Beginn unserer Ankunft über unsere Reisepläne erkundigt haben, waren wir noch ziemlich unschlüssig. Das eine grosse Ziel über den Atlantik zu segeln, war erreicht! Nun brauchten wir wieder ein bisschen Zeit um neue Ziele zu fassen: Sollten wir hier in der Karibik einfach mal ankommen und eine Saison verbringen? Zuerst nördlich fahren Richtung Kuba und Bahamas und dann während der Hurricanzeit im Süden auf einer der Inseln die Zeit abwarten, um dann allenfalls nächstes Jahr zum Panamakanal aufzubrechen? Doch die horrenden (Touristen-) Preise hier in der Karibik und auch das Gefühl, dass es einfach eine zulange Zeit ist hier, liess und dann beschliessen, noch in dieser Saison, das heisst im Februar, durch den Panamakanal zu fahren. 

 

Abenteuer Hospital in St. Lucia

Am 9. 12. 2015 sind genau sechs Wochen vergangen seit Neeles Unfall. Eine Dame der ARC Crew die aus St. Lucia stammt, hat für uns Abklärungen gemacht, in welchem Spital Neele am besten den Gips entfernen kann. Übrig blieb nur das St. Victoria Hospital, eines der älteren Spitälern und ein Staatliches, da die anderen Privatspitäler nur weiche Verbände und keine Hart-Verbände, wie Neele einen hatte, entfernen könnten. Jedenfalls wurde so uns gesagt. Wir sollten am Morgen um 8 bei der Notaufnahme erscheinen, mit den Unterlagen, Röntgenbilder ect. Mir war dieser Termin die ganze Zeit ein Dorn im Auge und ich hatte so meine Befürchtungen. 

Ich fragte unsere Schwedische Freundin Camilla von der «Sea Quark» ob sie mich und Neele ins Spital begleiten möchte, zur Auflockerung und Unterstützung! Danach wollten wir uns mit den Männern und Lenja in der Stadt treffen und ein bisschen umherschauen und geniessen. 

Die Organisation des Spitals funktonierte so: Zuerst steht man in einer Schlange und muss 20 USDollar bezahlen. Dann kann man sitzen und warten bis man aufgerufen wird. Als wir dann nach natürlich längerer Wartezeit aufgerufen werden, stellt sich heraus dass heute kein Arzt im Spital ist der Neeles Gips entfernen könnte und dass wir in ein anderes Gebäude, ins «Nurses House» gehen müssen. Tomorrow. Um wirklich sicher zu sein ob da wirklich kein Arzt ist, gehen wir mal vorsorglich zu diesem Nurses House. Und es war tatsächlich so. Und was wir da gesehen haben, entsprach in keiner Art und Weise dem wie wir es uns von Gesundheitseinrichtungen gewöhnt sind. Ein langer Gang in einem maroden Gebäude, mit mindestens 30 Menschen die nach Nummern auf ihren Termin warten. Oh weh, kommt das gut hier…? Und welch Enttäuschung für Neele! Sie wollte nur noch zurück aufs Schiff! Wir wollten uns aufheitern, etwas essen und trinken gehen und machten uns zu Fuss zurück in die Stadt. Doch sogar dieser Spaziergang war dann schlussendlich noch abenteuerlich: Wir drei Frauen kamen in die Slum-Strasse von der uns der Taxifahrer gewarnt hatte. Wo – nicht allzuschlimm aber doch unangenehm uns Männer anquatschten und zwei ältere Frauen, die gerade vor ihrer Hütte gegärtnert hatten, warnten, wir sollten vorsichtig sein, war mir nicht mehr wohl. Ich fragte die nette Frau aus einer Reaktion heraus, ob sie uns nicht kurz bis zur Hauptstrasse begleiten möchte, was sie dann auch tat und schlussendlich eine gute und schöne Begegnung war. Wenn man weiss, wie mit den Menschen hier in der Karibik umzugehen, kann man viele gute Erfahrungen machen. Die meisten Menschen sind sehr freundlich und wohlwollend, oftmals ist es einfach für uns ungewohnt und man hat gewisse Berührungsängste. Wenn wir so zusammen mit der Familie unterwegs sind, versuchen wir immer uns auf den gleichen Level der Menschlichkeit und Interresse zu setzen und nicht wie Voyeure durch die Gegend zu laufen. Das Schöne ist, dass wir uns immer wieder auf unserem Schiff zurückziehen können, wenn wir uns nach Ruhe sehnen!

Am nächsten Tag gehen wir im Familienpack nochmals zum «Nurses House» und holten uns eine Nummer, nach der wir dann vom «Bone Doktor» nach vier Stunden Wartezeit aufgerufen wurden. Wieder war der lange Gang voll von Menschen die auf Hilfe warteten. (Jemand sagte uns später, wir Weissen warten vier Stunden und die Einheimischen warten acht Stunden, bis sie dran sind – mit demütiger Dankbarkeit dass sie für sich Hilfe erwarten können). Der Arzt war ein Kubaner, wie viele der Ärzte hier auf den Karibischen Inseln. Somit sprach er auch spanisch und konnte Neeles spanische Spitaldokumente lesen. Seine Arbeit war dann auch absolut professionell und wir waren sehr dankbar und erleichtert darüber. Nach anfänglichem Misstrauen mussten wir anerkennen, dass diese Art medizinische Versorgung für nur 20 USDollar pro Fall (!) für die vielen armen Menschen die einzige Möglichkeit für medizinische Hilfe ist. Und dafür nehmen sie gerne lange Wartezeiten in Kauf. Auch wir haben schlussendlich nicht mehr als die 20 USD bezahlt.

 

Dominica

Weiterreise nach Dominica, 11.-15. 12. 2015

Sogar unsere neue Schraube, die wir nachgeliefert bekommen haben, kommt mit einem Katamaran der ARC noch rechtzeitig in St. Lucia an, so können wir (endlich) wieder weiterreisen. Alle im Schiffsbewohner im Hafen finden es wunderbar, nach längerer Zeit im Hafen endlich wieder mal zu segeln oder friedlich am Anker zu liegen. Umgekehrt ist es natürlich genauso! Nach dem Mittag haben wir uns von der Rodney Bay-Marina losgerissen und Richtung Dominica Kurs gelegt. 

Wieder eine Nacht lang durchsegeln, dann sind wir am Morgen bei Tagesanbruch im Norden von Dominica, im Portsmouth. Diesmal mussten wir unsere Geschwindigkeit auf 2-3 Knoten drosseln, damit wir bei Tageslicht ankommen werden. Mal eine andere Erfahrung als nur Schnelligkeit! Beim ersten Tageslicht konnten wir dann den Anker werfen und legten uns nochmals aufs Ohr.

Wir haben geplant maximal drei Nächte auf Dominica zu verbringen. Gut war auch, dass man sich hier nicht wieder aufklarieren muss, man kann ein- und ausklarieren in einmal erledigen. Da es Samstag war war das Büro geschlossen. Wir machten die Papierarbeiten bei einem Sekretär privat in seiner Junggesellenwohnung, was sehr interessant war, was da so alles herumlag: Diverse Schnäpse, Eier, Ketchupflaschen, Geschirr, Zeitungen ect. (Ich muss mich immer sehr beherrschen, dass ich nicht heimlich die Kamera hervornehme um diese faszinierenden Stilleben festzuhalten!)

Wir haben dann unser Schiff noch ein bisschen weiter nördlich der Bucht, an ein schönerers Plätzchen, versetzt. Leider war wieder mal die ganze Bucht mit Seegras bewachsen – sehr schlecht für unser Anker. Doch Kim hat unter Wasser ein Loch gebuddelt und da zogen wir unseren Anker dann vorsichtig ein, was schlussendlich perfekt geklappt hatte. So konnten wir das Schiff entspannt vor Anker lassen und uns auf eine Entdeckungstour der Insel machen. Jemand von unserem Bekanntenkreis hatte mal sehr von der Schönheit dieser Insel geschwärmt, von der reichen Pflanzen- und Tierwelt, und so war ich sehr gespannt darauf. Wir fanden einen privaten Busfahrer der uns in ein paar Stunden wunderbare Flecken der nördlichen Insel zeigte. Wir konnten einen steilen Pfad durch den Urwald zu einem Fluss herunterklettern und dort im Wasserfall baden. Entdeckten Papageien, Geckos und spezielle Blumen und Pflanzen auf dem Weg und Krebse im Wasser. Wir hätten den ganzen Tag da verbringen können! Danach fuhr er uns noch zu einem Kap mit einem grossen, roten Sandsteinfelsen der vom Wasser rund ausgewaschen war und in einem der Spalten ein Rastafarai eine Gebetshöhle errichtet hatte – für mich wars ein wenig wie der Ayersrock in Australien!

Die nächsten zwei Halte in Dominica machen wir in der Mitte der Insel und am Südlichen Ende. Lustig war dass unser Busfahrer, der eh scheinbar alle Inselbewohner zu kennen schien, uns hier nochmals über den Weg läuft bzw. fährt! Er machte uns noch viele Vorschläge was wir alles auf der Insel noch anschauen könnten, doch wir hatten uns entschieden die Ortschaften noch ein wenig auf eigene Faust entdecken zu gehen.

Dominica ist die unabhängigste und ursprünglichste und regenreichste Insel der Karibik. Dominica wird eigenständig regiert und hat keine europäischen Schirmherren mehr seit den siebziger Jahren. Hier gibt es noch ein Reservat der Kariben, dem Volk das vor Kolumbus Zeiten hier gelebt hatte. Dieses Volk wurde, weil sie scheinbar räuberisch und kanibalisch waren, nach Kolumus Entdeckung fast vollständig ausgerottet. Danach kam die Zeit der Sklaverei und macht die heutige Bevölkerung der Karibik aus. Dominica hat zu 95% Schwarze Bevölkerung und fast kein Tourismus, ausser die Kreuzfahrtschiffe die regelmässig da festmachen. Gemäss Angaben von unserem einheimischen Busfahrer gibt es auch fast keine Kriminalität und es geht den Menschen gut. Jeder kann sich die Grundnahrungsmittel leisten, auch wenn nicht viel mehr drin ist. Viele leben in extrem einfachen Behausungen, zum Teil einfache Wellblech-Holzverschläge doch da es immer warm ist, lässt es sich so leben. Wir sahen schöne Bilder, wie Menschen zusammen vor den Häusern sassen, umgeben von der üppig grünen Vegetation. Natürlich sahen wir auch viel Dreck und Abfall doch es war uns wohl, es war eine gute Stimmung unter den Menschen auf Dominica.

 

MARTINIQUE

Ausrüsten in Martinique, 16.-19. 12. 2015

Wir nehmen die Möglichkeit wahr, in Martinique nochmals nach Europäischem Standard einkaufen zu können. Vorallem Schiffszubehör und Arbeiten am Schiff können wir hier gut besorgen. Der letzte Ort vor dem Pazifik wird dann allenfalls noch die niederländischen ABC-Inseln sein, wo wir noch Besorgungen machen können. Verwöhnt, immer zu allem Gewünschten jederzeit Zugang zu haben, ist es für mich ein besonderes Gefühl, mich an Orten zu bewegen, wo es davon nichts mehr gibt. Doch nun haben wir nochmals die Chance, zu bunkern was uns wichtig ist und was wir brauchen.

Wir laufen zuerst im Norden von Martinique, in der Bucht St. Pierre, ein und Ankern vor dem davorliegenden Strand. Es ist ein kleines, verschlafenes Dörfchen und noch sehr karibisch. Es ist noch nicht viel vom französischen Mutterland zu spüren, ausser dass es viel mehr Weisse auf den Strassen hat. Schon um 17 Uhr sind alle Läden geschlossen und es ist nichts mehr los auf der Strasse. So gehen wir nach unserem Erkundungsspaziergang dann wieder zum Schiff zurück.

Die nächste Etappe ist dann Le Marin, ganz im Süden der Insel. Es ist der grösste Yachthafen der Insel und hat viele Werkstätten und Ausrüstungsläden. Unser Ziel ist es, dort endlich mal unser nicht richtig funktionierendes AIS, Schiffserkennunsgerät, reparieren zu lassen. Wir bekommen einen Platz ganz zuhinterst in der Marina, dort wo das Wasser langsam seicht wird, nahe den Mangroven. Die grosse Bucht von Le Marin ist voll von Booten. Es ist die grösste Ankerbucht die wir je gesehen haben. Leider kann man dadurch nicht mehr baden, die Wasserqualität ist nicht mehr gut, auch weil in der Lagune das Wasser zuwenig zirkuliert.

Am nächsten Morgen nach unserer Ankunft, beginnt unsere Wasserpumpe komisch zu tönen und streikt dann ganz. Lustigerweise im richtigen Moment. So baut Kim sie aus und wir nehmen sie unter anderem mit auf unser Rundgang, Dinge fürs Schiff zu organisieren. Wir kaufen Ersatzseile, Kabel um das Dinghi anzuketten und eine neue Wasserpumpe. Unterdessen wissen wir dass beim AIS der Splitter defekt ist, doch dieser ist in diversen Läden gerade ausverkauft und da es vor Weihnachten ist, bekommen sie den erst in zwei Wochen wieder! Das hiess, wir müssen nach Fort de France fahren, der Hauptstadt von Martinique und dort dieses kleine Gerät organisieren. Wir mieten ein Auto und kommen dadurch zu einem schönen Inselausflug auf eigene Faust. Glücklicherweise finden wir in einer der Werften in Fort de France schnell unser fehlendes Gerätchen und so machen wir uns auf, quer über die Insel an die Atlantikküste wo es Korallenriffe hat. Wir haben Schnorchel und Taucherbrillen dabei und hofften einen schönen Strand zum Schnorcheln zu finden. Wir fuhren viele kleine Strässchen hinunter zum Meer, entdeckten spannende, einsame Fischerbuchten doch zum Schnorcheln war es ungeeignet, zuviel Seegras und vorallem viel zu seicht oder es waren Mangroven am Ufer. An einem Strand konnte man sehr weit ins Meer hinauslaufen und es hatte eine Menge Kitssurfer mit ihren farbigen Schirmen. Den schönsten Strand fanden wir zu guter Letzt dann ganz nahe bei unserem Hafen, kurz vor Sonnenuntergang. Ein langer mit palmenbestückter Sandstrand, wunderbar. Das lustige da war, als es anfing dunkel zu werden, kamen hunderte von roten Sandkrebsen, die durch den Tag in Löchern stecken, aus ihren Höhlen heraus und fingen an herumzuwandern und Dinge mit ihren Zangen durch die Gegend zu tragen! Das war ein Spektakel und so lustig zuzuschauen!

In der Marina trafen wir eine schweizer Familie mit drei Kindern, die auch seit dem Sommer auf einem wunderschönen, alten Holzschiff, der Paloma, unterwegs sind. Sie stecken im Hafen von Le Marin für einige Wochen fest, da sie etwas in den Propeller bekommen hatten und nun die Welle gebrochen war. Um dies zu flicken musste das Schiff aus dem Wasser gehoben werden um es  auszumessen und wieder zurück ins Wasser gebracht, werden. In der Zeit wird dann das Teil gefertigt und danach muss es wieder aus dem Wasser, um es zu montieren – einen riesen Aufwand. So war es auch verständlich, dass der Kapitän der Paloma ein bisschen frustriert war. Eigentlich wollte er mit seiner Familie für vier Jahre unterwegs sein, doch nun sind sie am überlegen, ob sie daraus nur ein Jahr machen und wieder zurücksegeln wollen! Auch ein junges Päärchen aus England, die wir von der ARC kennen und hier in Le Marin wiedergetroffen haben, haben mit ihrem Schiff, der Odysse, immer wieder Probleme. Das kann schon an das Vertauen gehen und vorallem auch ans Geld! Nach drei Nächten in der Marina, Einkaufen und das Hafenleben geniessen, machen wir uns wieder auf, zur unserer nächsten Karibikinsel in Richtung Süden, St. Vincent.

 

ST. VINCENT AND THE GRENADINES

Obwohl auch wir noch nicht wirklich wissen. ob unsere Reise Richtung Panama und Südsee oder wieder Richtung Norden zurück über Kuba, Bahamas und Bermuda und den Atlantik nach Europa geht, fahren wir mal südwärts. Falls wir uns entschliessen, die kürzere Variante unserer Reise zu machen, wären wir, so wie wir jetzt segelnd unterwegs sind, in ein paar Tagen und Nächten schnell wieder im Norden.

Der Nachttörn nach St. Vincent war sehr anstrengend da die Windverhältnisse sehr stark änderten. Im Lee der Küsten war der Wind böenhaft bis kein Wind und das Wasser flach und zwischen den Inseln kamen die grossen Wellen des Atlantiks und meistens auch viel Wind. Einige Male haben wir hin und her diskutiert, ob wir gerade weiterfahren wollen nach Bequia, um dort einzuklarieren. Wir mussten auch unser Tempo drosseln, um nicht bei Dunkelheit in der Bucht von St. Vincent anzukommen, was wir dann auch taten. Das heisst, wir hatten keine Segel mehr (und auch kein Motor!) und fuhren noch ganze 3-4 Knoten schnell, soviel Wind hatten wir!

Die Entscheidung die Bucht Wallilabou anzulaufen, hatte sich vollkommen gelohnt. Für mich war es ein langersehnter Ort wo ich meine Seele auftanken konnte! Eine wildromantische, kleine Bucht wo übrigens gefilmt wurde für den Film Pirates of the Carribien! Die gezackten, vulkanisch-tropischen Hügeln im Hintergrund waren einfach fantastisch! Und das grösste – wir konnten vom Schiff aus Schnorcheln, was ich einfach liebe! Sogar in der Nacht waren wir mal mit der Tauchlampe unterwegs und wollten die am Tage entdeckten Langusten wandern sehen!

Auch der Spaziergang ins Dorf war phantastisch. Unser Ziel war den Custom, den Zoll zu finden. Da wir den in der Bucht nicht finden konnten (er war schlussendlich vor unserer Nase!) wanderten wir wie gesagt zum nächsten Dorf. Dort schickten uns die sehr netten Menschen zur Polizei, welche nochmals weiter weg war. Wir vier wurden überall freundlich gegrüsst und durften dann sogar noch gratis mit einem Taxi ein Stück weit mitfahren um zur Polizeistation zu kommen. Wir waren die einzigen Weissen und scheinbar kommen die Segler von der Bucht wohl nur selten ins Dorf – was sich aber sehr gelohnt hatte!

Warum auch immer, aber am nächsten Morgen verliessen wir die tolle Bucht schon wieder, ohne die weiteren Schnorchelplätze links und rechts in der Bucht entdeckt zu haben. Ein bisschen Wehmut kommt auf bei mir – wäre schön gewesen hier! Doch wir haben die Vorstellung, Weihnachen in der Nähe von den Tobago Kays zu verbringen. Irgenwo, wo es weissen Sandstrand, Palmen und ein türkisblaues Meer hat! Also weiter!

BEQUIA

Der nächste Stopp war dann in Bequia, in einem grossen Hafenbecken wo sich wieder sehr viele Segler tummeln. Der Buchladen, den es hier geben soll mit Karten und Segelbücher, reizt mich, und Gemüse und Früchte kaufen… Aber es ist ein sehr touristischer Ort, den ich dann auch sofort wiedererkannte, da wir hier schon mal mit Kims Vater, demjenigen Bruder und meinem Bruder waren. Damals hatte es uns da sehr wohl gefallen, doch nun interessieren uns weniger touristische Orte mehr. Wieder einmal war es ein guter Zufall, unsere Entscheidung nach Bequia in die Admirality Bay zu gehen. In unserer tollen Bucht in St. Vincent begann unsere Ankerwinsch nämlich zu spinnen. Mal ging sie, mal wieder nicht. Wir dachten an einen Wackelkontakt oder ein bisschen korridierte Kabel, da nach dem Rütteln der Kabel die Winsch wieder funktionierte! Aber als wir in der Admirality Bay den Anker runterlassen wollten, ging der natürlich wieder nicht mehr. Zum Verzweifeln! Das Thema Ankerwinsch war bei uns abgeschlossen. Wir hatten diese schon in Kroatien auseinander genommen gehabt und mit viel Aufwand reviediert…. Wir durften zuvorderst an einer Boje festmachen und es wurde für uns ein Mechaniker für die Winsch organisiert, der solle in einer Stunde bei uns auf dem Boot sein. Erstaunlicherweise war diese Stunde wirklich eine Stunde, keine karibische und ein geschäftiger Mechaniker mit seinem Gehilfen schraubte die Winsch mit Kims Werkzeug los und namen sie mit in die Werkstatt. Kurz darauf kam er damit wieder zurück. Es sei einen Haufen Schmutz um die Magnete herum gewesen, den den Kontakt verhindert habe. Alles klar. Somit war alles wieder geregelt und gekostet hatte es auch nicht so viel. Wenn nur alle Dinge so effizient gelöst werden könnten!

CANOUAN

Der nächst Kurztrip führt uns in die Charleston Bay in Canouan. Das ist eine grosse Bucht mit (vermeintlich) sicherem Sandgrund, perfekt zum Ankern. Es hat einige Bojen die aber von einer Charterfirma vermietet werden und ein paar, aber nur ein paar Boote vor Anker. Ich bin eigentlich von der Bucht nicht so begeistert, ein bisschen langweilig kommt es mir vor. Nichts zum schnorcheln, das Wasser ist trüb vom Sand. Doch für eine Nacht spielt es keine Rolle. Wir machen einen kleine Ausflug ans Land. Wir wollen über den schmalen Pass auf die andere Seite der Insel wandern um dort ev. schnorcheln zu können. Unterwegs sahen wir freilebende Schildkröten in den Gärten und kläffende Hunde und ein trockenes Fussballfeld. Wie nun meistens erlebt, war die Atlantikseite sehr seicht und vom Pflanzen verschmutzt. Also wieder zurück. Auf unserer Seite gibt es zuhinterst, nach den Touristischen Hotelanlagen, wieder ein kleines Strandbeizchen der Einheimischen Bevölkerung. Der davon liegende Betonpier wird von spielenden Kindern und Jugendlichen als Sprungturm benutzt. Es herrschte ein fröhliches Treiben und mittendrinn zwei blonde Mädels! Lustig war auch zu beobachten wie die kleineren Kindern von den ältern Geschwistern betreut wurden – zum Teil sehr unsentimental aber trotzdem herzlich! Als ein kleines Mädchen einem kleinen Jungen, der immer in wehrloses Weinen ausbrach wenn jemand ihm Sand anwarf, diesem Jungen zum Ärgern wieder mit Sand bewarf, musste auch eine Mutter, die wie ich dem Treiben amüsiert zuschaute, Schmunzeln, wir waren uns einig: Es ist überall das Selbe, Kinder – Menschen!

Später assen wir dann zufrieden Znacht, es gab Geschnetzeltes an Weissweinsauce mit Teigwaren, während ich mich immer wieder mal auf die Position der herumliegenden Schiffe achtete. Nicht dass ich unserem Anker nicht getraut hätte, doch Achtsamkeit ist besser… Kim hörte noch ein bisschen Musik als wir alle schon im Bett lagen. Ich fragte mich warum er dann plötzlich den Motor startete, will er mehr Kette herunterlassen? Doch das geht auch ohne Motor. Als ich nach draussen komme, merkte ich warum. Die zuvor beobachteten Boote sind ganz woanders – beziehungsweise – wir sind ganz woanders! Mist! Es gibt nichts ärgerliches als einen Anker der nicht hält. Wir haben gemäss Nautikbüchern einen der besten Anker –  für Sand, Kies und Geröll. Nicht für Seegras, das wissen wir (aus Erfahrung!) Wir setzen also den Anker neu, im Nachthemd (!) und unterdessen blasen starke Fallböen von 30 und mehr Knoten zwischen den Inselhügeln hinunter. Wir können aber auf dem Navigationsplotter sehen dass unser Schiff mit 0.5 Kn wandert. Was sollen wir tun? Der Wind ist so stark und der Anker hält nicht. Weiterfahren? Geht auch nicht, keine geschütze Bucht oder Hafen in Sicht. Oder an eine Boje? Zu gefählich bei den Windböen und in der Dunkelheit so nahe an den anderen Schiffen vorbeizufahren. Zudem müsste uns jemand helfen die Seile an der Boje zu befestigen. Zum Glück ist die Bucht so gross und wir können weit draussen wo keine Schiffe sind und viel Platz zum «wandern» ist, den Anker wieder runterlassen. Zur Unterstützung lassen wir noch einen Zweitanker von der Seite hinunter, der halten sollte, falls der andere es wieder nicht tut. Wir konfigurieren einen Ankeralarm am Plotter und ich, ich kann eh nicht mehr ruhig schlafen, mache Ankerwache und schlafe an Deck. Uff. Wie gesagt, ärgerlich – alle andern bleiben seelenruhig an ihrem Ort, nur wir nicht! Unterdessen mussten wir feststellen, das hier in diesem Segelgebiet durch den zum Teil sehr harten Korallensand, eher spitzige Pfluganker verbreitet sind. Unseren müssen wir wohl durch einen solchen ersetzen. Wieder eine Erfahrung gemacht!

Am Morgen erfuhren wir den nächsten Schreck! Unser Dingi liegt verkehrt im Wasser! Samt Motor. Der Dinghianker auf dem Meeresgrund, sowie ein Schwamm und das eine Ruder hatte sich in der Stömung und dem Wind auf und davon gemacht. Ein Mist kommt selten allein, kommt mir in den Sinn. Glücklicherweise kann Kim den Dinghianker auf dem Meeresgrund wieder finden. Der Motor, so hoffen wir, sollte das Meerwasserbad überstehen können, da er überall Dicht sein sollte… Haben ihn noch nicht ausprobiert. Das Ruder ist definitv fort.

Nach dieser halblustigen Nacht machen wir uns wieder auf den Weg. Die Kinder sind voll fröhlich und aufgeregt – es ist der 24. Dezember – Weihnachten!

 

Mayreau

Weihnachtsbucht

Salt Whistle Bay in Mayreau

Wir laufen bei immer noch viel Wind aus, es ist ein bewölkter Tag mit vielen Squalls. Ein solcher tobt sich auch gerade über uns aus, als wir uns kurz vor unserer ausgewählten Bucht befinden. Bei diesem starken Regenguss können wir kaum ein paar Meter weit sehen, also wenden wir und fahren wieder ein Stück zurück. Doch glücklicherweise sind diese Squall-Ungeheuer immer wieder schnell vorbei und so können wir es kurz darauf doch wagen, in die Bucht hineinzufahren. Das Meer ist recht unruhig und es hat auch hier wie überall in der Karibik, einige Untiefen. Aber wir wollen unbedingt in die Bucht hineinfahren – es sieht so verheissungsvoll aus! Eine Bucht wie von einer Postkarte und die perfekte Weihnachtsbucht! Nach unserem Ankerabenteuer sind wir auch froh um die Boje, an der wir dann festmachen konnten. Unterdessen schien auch wieder die Sonne und die Palmenbestückte Traumbucht erschien in ihrer vollsten Schönheit! Es gibt einen hellgelben Muschelsandstrand, ein schmales Stück grün bewachsene Fläche und dahinter sah man das blau-türkisfarbene Meer, mit den weissen Schaumkronen der Wellen von der Atlantikseite. Prächtig. Somit war die Kulisse für den Weihnachtsabend perfekt und unsere Nerven konnten sich wieder beruhigen 🙂

Der Abend wurde dann von den Kindern als «die schönsten Weihnachten überhaupt» bezeichnet. Und es war wirklich schön: Wir hatten einen Weihnachtsbaum (ganz kreativ von Kim aus Seilen und einem Fender gebaut!) hörten eine Weihnachtsgeschichte, assen Fondue (!) mit gegrillten Würstchen und lauwarmer Schokoladekuchen zum Dessert. Die Kinder bekamen beide ein grosses Bodysurfbrett, welche wir erstaunlicherweise so verstecken konnten, dass die Beiden diese nicht vorher entdeckten! So war die Überraschung gross! Die Kinder hatten sich auch ins Zeug gelegt, uns ein Weihnachtsgeschenk zu basteln. So bekam ich von Lenja ein selbstgeknüpftes Glücksband in den Regenbogenfarben und Kim auch ein geknüpftes Band mit Korkenstücke daran, als unsinkbarer Schlüsselanhänger! Sehr praktisch! Neele hatte aus meinem Schrank ein T-Shirt stibizt 🙂 dass sie dann bemalte und dazu ein Kärtchen geschrieben und gezeichnet. Das haben sie gut gemacht und hat uns gefreut! So hatten wir wirklich einen schöne, einzigartigen Weihnachtsabend verbracht.

Am nächsten Tag, wir hatten die Boje für zwei Tage bezahlt, genossen wir den Strand und die Kinder probierten ihre neuen Bretter aus. Ein besonders schöner Moment war für mich der Morgen: Ich bin um halb fünf Uhr wach geworden und, wie nun gerade auch, nutzte ich diese Zeit um in aller Ruhe meinen Blog zu schreiben. Alle schlafen und es ist angenehm mild draussen und so geniesse ich es, auf dieses Art Revue passieren zu lassen… Jedenfalls wurde es plötzlich hell und danach begann die Sonne aufzugehen. Bei den Nachbarschiffen begann es auch, lebendig zu werden nur bei uns ist es um halb sieben noch totenstill. So dachte ich mir, ich geh mal ins Wasser und schwimme zum Ufer. Die Frühmorgenliche Stille war überwältigend schön. Ich überquerte wieder den schmalen Landstreifen und blickte auf das Meer mit den vielen Riffen der Atlantikseite. Der warme Wind blies mir stark ins Gesicht. Wie um das schon perfekte Bild, das meine Augen erblickten noch perfekter zu machen, kam hinter dem roten Felsenhügel noch ein wunderschöner, grosser Dreimaster mit offenen Segeln, hervor den ich noch lange verfolgen konnte. Die Pelikane, die über mir Kreise zogen, schossen vor mir ins Wasser, um zu fischen. Später schwamm ich dann wieder zum Schiff zurück, unterdessen waren die Kinder wach doch mich hat niemand vermisst, sie dachten ich sei noch am Schlafen!

Später wanderten wir noch die einzige Strasse der Insel hinauf und ins Dorf hinunter. Dort stellten wir fest dass wir schon mal da waren, einfach in der gegenüberliegenden Bucht. Damals waren wir die andere Richtung gewandert, doch es war wieder wie damals: Viele Leute und Kinder auf der Strasse, laute Musik aus einem der farbigen Häuser und Menschen die zusammen auf der Veranda oder vor dem Haus sitzen. Hunde die irgendwo zufrieden zusammengerollt ruhen oder Ziegen die am Strassenrand ein Stück Gras abfressen. Und überall wo man hinschaut ist es grün und hat Blumen an den Büschen. Die Häuser sind alle in den schönsten Farbkombinationen bemalt und sogar die einfachen Wellblechhütten haben ihren eigenen Charme. Es gibt viel zu Entdecken, wie überall wo wir nun schon waren. Auf dem Nachhauseweg fanden die Kinder noch Parasitenpflanzen, die auf andern Bäumen wachsen und sich nur von der Luftfeuchtigkeit und dem Regen ernähren. Manchmal findet man diese bei uns in der Schweiz in Floristikläden, auf ein Stück Holz geklebt…

Wieder zurück an unserem Strand angekommen, besuchten wir noch eines der lustigen Strandhütten Restaurants um einen Rumpunsch zu trinken. Daraus wurden dann mindestens drei, weil wir noch eine nette Bekanntschaft einer älteren Französin, die bei einer Einheimischen Familie zu Besuch war, machten und eine ARC Mitarbeiterin mit ihrem Freund hier wieder trafen. Die Kinder hatten da das Highlight, einen in einem Meerbecken gefangenen Schlafhai anfassen zu können.

 

Union Island

Palm Island, 26.Dezember 2015

Unser nächster Ankerplatz war dann auf Palm Island, einer vorgelagerten kleinen Insel vor Union Island. Die kleine Insel beherbergt ein Resort und hat eine eigene Geschichte. Sie wurde von einem dort schiffbrüchigen Segler später wieder aufgesucht und dieser begann dort mit einer Frau viele Kokospalmen zu setzen. Nun heisst die Insel also Palmisland. Es war für uns wieder schwierig zu Ankern da überall recht harter Grund war, doch wir fanden einen Fleck weichen Korallensand in dem sich unser Anker perfekt eingrub. Diese Fleck war vor dem weissen Sandstrand des Resorts und das Wasser da war da von dunkelblau bis zum hellsten Türkis – traumhaft! Wir hatten wieder, wie immer in der letzten Zeit, viel Wind, doch wir waren in der Nacht sicher gelegen, mit fast 40m Ankerkette. Der nächste Morgen war trüb. Viele Feriengäste und Segler, die hier ihre Weihnachtszeit verbringen, sind wohl vom momentanen Wetter ein bisschen enttäuscht. Jeden Tag Squalls und viel Wind. Für uns ist es ein guter Moment, zur Ruhe zu kommen und mit den Kindern Schule zu machen.

 

«Sandy Island»

 

27. bis 31. Dezember 2015

Union Island

Der nächste Tagestripp war weniger als eine Stunde entfernt, auf der gegenüberliegenden Insel, Union Island. Das ist der Ausklarierungsort, wenn man weiter südlich will. Die Bucht ist von davorliegenden Riffen vor Wellen geschützt und beherbergt viele Segelschiffe, teils vor Anker und teils an Bojen. Da es überall sehr tief ist, entscheiden wir uns für eine Boje. Wieder einmal ist es das Ziel, hier etwas flicken zu lassen – unseren Dinghimotor, der für ein paar Stunden kopfüber im Salzwasser gelegen hatte. Natürlich kam der, auch nach zig Versuchen nicht mehr zum laufen!

Kim konnte kurz nach dem Festmachen an der Boje, mit dem Boatboy und unserem kleinen 2.3PS Motor an Land fahren, um ihn jemandem zu bringen, den denjenigen auseinander nehmen und wieder zum laufen bringen kann. Ohne Motor und trotz weiter Strecke ans Ufer, nahmen wir vier dann später noch unser Dinghi, um an Land zu fahren und den Ort anzuschauen. Unsere Rückkehr, heftig gegen den Wind rudernd, wurde glücklicherweise durch einen anderen Dinghifahrer (mit Motor) verkürzt, da er uns zur Elas zurück schleppte! Der Motor kam dann kurze Zeit später auch wieder, nur halb repariert, wie wir leider am nächsten Tag feststellen mussten – die Kupplung funktionierte nicht mehr reibungslos. Am Morgen fahren Kim und ich nochmals an Land um beim Flughafen auszuklarieren. Unser nächstes Ziel ist die kleine, vorgelagerte Insel vor Carriacou, Sandy Island.

 

Carriacou

Sandy Island.

Wie in letzter Zeit machten wir nur einen kleinen Hüpfer zur nächsten Insel. Fast lohnt es sich nicht, die Segel auszurollen und wir können unsere letzte Destination noch von blossem Auge erkennen. Doch das hat auch seinen Reiz. Wir Ankern kurz danach in Carriacou, vor der Hauptstadt Hillsborough um wieder Einzuklarieren. Kurz darauf machten wir unser Schiff vor dem Nationalpark «Sandy Island» an einer Boje fest. Sandy Island ist eine schmale, bananenförmige kleine Sandinsel mit Palmen und das Wasser davor ist türkisblau. Ich sehnte mich nach ein bisschen «Alltag». Ruhe und Zeit um kleine Dinge zu tun auf die ich schon lange Lust hatte, Zeit um Schularbeiten zu machen, Zeit um einfach zu Sein. Hier war der richtige Ort dazu und es war schön. Wir schwammen vom Schiff zum Riff und schnorchelten stundenlang und entdecken an Land grosse Einsiedlerkrebse, die sich in ihren Schneckenäuser über den Sand davon machten. Unter Wasser gab es eine Menge zu sehen, es war ein schönes Riff mit grossen Hirnkorallen.

Der zweite Tag und die Nacht vergingen so im Flug und wir setzten uns am Morgen entspannt wieder mit unserem Schiff in Bewegung. Wir wollten in die grosse Ankerbucht, der Tyrell Bay auf Carriacou. Es ist der 31. Dezember, Silvester 2015!

 

Silvester 2015

Wir hatten Glück. Die Bucht hat weichen Sand als Ankergrund und so wissen wir, dass wir hier seelenruhig vor Anker liegen werden. Am Ufer gibt es ein paar Restaurants und typisch karibische Strandbaren wo man feinen Rumpunsch trinken konnte. Perfekt für Silvester! Wir schlemmten feines, lokales Essen: mit Knoblauchbutter überbackener Hummer und auf dem einfachen Holzgrill gebratenes Fleisch mit Salat. Es war herrlich und mir läuft gerade das Wasser im Munde zusammen, bei der Erinnerung. Allen Freunde und Bekannten zu Hause gratulierten wir schon um 19 Uhr! Und wir selber waren um halb elf schon im Bett – es wird so früh dunkel hier in der Karibik, schon um 18 Uhr, und so schaffen wir es selten, später als um zehn zu Bett zu gehen! Doch so liessen wir das spezielle Jahr 2015 zufrieden vergehen und erwachten dann am nächsten Morgen, wen wunderts, bei warmen tropischen Temparaturen und Sonnenschein und begrüssten still das neue Jahr 2016, in der Hoffnung, dass es uns und allen anderen Gutes bringen wird.

 

Januar 2016

Einen Ausflug zu einem Tagesankerplatz oder die Insel anschauen, waren die beiden Optionen für diesen ersten Tag im neuen Jahr. Wir hatten Lust auf eine Insel-Entdeckungstour. Dass am ersten Januar alles wie ausgestorben ist und keine Busse fahren, war uns nicht ganz bewusst. So ergab sich eigenen, eher einsamen, speziellen Inseltrip, von dem wir dann auch schon bald wieder zurück waren! Es waren, ausser leeren Bier und Schnapsflaschen wirklich keine Menschenseele auf der Strasse! Dafür machten wir später am Ankerplatz noch Bekanntschaft mit einem Schweizer Einhandsegler, einem älteren, zähen Mann der mit seinem Stahlschiff, der Melanie unterwegs ist. Es ist beeindruckend wie er es schafft, ohne Autopiloten nur mit Windsteueranlage, alleine zu reisen. Da braucht es Köpfchen und auch viel Mut und Glück. Oft müsste er an vielen Orten gleichzeitig sein zu können. Wir hatten ein schönes, interessantes Gespräch zusammen mit ihm auf der Melanie. Weiter hin viel Glück und Vergnügen, Jürg!

 

Grenada

Am Morgen des 2. Januar brachen wir wieder auf zur Überfahrt zur nächsten Insel, nach Grenada. Am späteren Nachmittag kamen wir in einer Bucht in der westlichen Mitte der Insel, an. Manchmal sind die Entscheidungen, wo zu bleiben gar nicht so einfach. Bei unserer gemeinsamen Diskussion, weiter zum nächsten Hafen oder nächster Bucht, kommt mir vor wie ein Spielzug in einem Spiel. Es gibt überall einen Haken: Zum Beispiel haben wir nur den grossen, schwer zu händelnden Dinghimotor. Oder der Ankergrund muss Sand oder Schlick sein. Wir wollen einen schönen Ort zum Ankern und nicht allzuviele andere Boote neben uns… Entscheidungen sind oftmals einfach Glückssache. Bei unserer gemeinsamen Entscheidungsfindung kommt ab und an Nervosität auf, Kim geht es zu lange und ich will alles genau für mich innerlich abchecken! Oder es geht um das Durchsetzungsvermögen. So bekommen wir tagtäglich unsere Ration partnerschaftliche Reibung ab! :-O 

Gemäss unserem Führer hat die ausgewählte Bucht am Ende eine Mülldeponie und es wird abgeraten dort zu baden. Doch unser Buch ist schon mehr als zehn Jahre alt und so werfen wir einen Blick in die Bucht, vielleicht ist das ja alles passé. Die Bucht gefällt uns, sie ist sehr romantisch, wir bleiben. Der Ankergrund ist perfekt. Die Mülldeponie entdecken wir erst später! Doch am äusseren Ende der Bucht, um eine kleine Insel herum, entdecken wir den schönsten bisherigen Schnorchelplatz. Wir sehen bunte Fächerkorallen die sich in den Wellen wiegen, grosse leuchtendblaue Fische, viele Hunderte kleine farbige Fische und einen fetten Barracuda! So können wir diesen weitern Ankerplatz mit einem dicken «Plus» unterstreichen.

 

Die Schweizer Marina: Le Phare Bleu

Die Weiterfahrt geht südlich um die Insel herum. Gegen den Wind und vorallem gegen die Atlantikwellen. Unser Motor muss heftig arbeiten und wir kommen wie erwartet schwer voran. Grenada hat im Süden der Insel viele Fjorde die dich beieinander liegen. In einem dieser tiefen  Einschnitte liegt die Schweizer Marina «le Phare bleu». Eine bekannte Fernsehmoderatorin baute diese vor 8 Jahren mit ihrem Partner hier auf und sind immer noch hier. Es gab vor einigen Jahren eine spannende Fernsehdokumentation über den Aufbau, den Kim und ich gemeinsam geschaut hatten. Nun wollten wir uns einen eigenen Augenschein nehmen, wenn wir schon mal hier sind! Das Markenzeichen der Marina ist ein rotes Leuchtturmschiff, dass sie aus dem hohen Norden hierher verschifft hatten. Früher war das Office darin beherbergt, heute gibt es ein kleines Museum und die Duschen darin. Hinter der Marina gibt es ein Resort mit kleine Häuschen. Nirgendwo in der Karibik habe ich einen so schönen, gepflegten tropischen Garten gesehen wie da. Grosse eiserne Kübel mit blühenden Seerosen darin, waren das Highligt. Aber auch die Restaurantanlage war sehr schön gestaltet. Und am Morgen assen wir das feinste, noch warme Brot aus dem Shop! Doch einen Tag ist genug, die Marinas in Grenada sind nicht gerade billig, das Wasser ist aufgetankt und die Batterien voll geladen, das Marina WiFi genutzt um Kindle Bücher herunterzuladen… Wir waren bereit zum Weiterfahren. 

5. Januar 2016

Nicht weit, nein, nur hinein in den nächsten Einschnitt, aber durch grosse Wellen, in die unser Schiff einsticht und das ganze Deck überflutet. Doch je weiter wir vorsichtig in die mit Untiefen gespickte Bucht hineinfahren, desto ruhiger wird das Wasser, bis es schlussendlich fast spiegelglatt ist und sich nur ein leichtes Kräuseln auf der Oberfläche wiederfindet. Wie kurz aufeinander sich die Bedingungen so komplet ändern können! Der Ankergrund ist perfekt da wir uns in einem mit Mangroven bewachsenen Fjord befinden. Rings um uns hat es vereinzelte, schicke Villen. Grenada muss wohl ein eher reicheres Pflaster sein. 

Es wird ein sehr ruhiger Ankerplatz. Zeit um Schule zu machen und das «traute Heim» zu geniessen. Mit Schnorcheln ist nichts – bei den Mangroven ist das Wasser meist trüb, doch die Kinder lassen es sich nicht entgehen, die Ufer mit unserem aufblasbaren Standup-Paddleboard entdecken zu gehen. 

Der nächste Stop in Grenada ist die Prickly Bay – auch wieder nur so einen Fjord weiter zurück in Richtung Westen. In Prickly Bay gibt es eine Marina und viel Plazt zum freien Ankern. Weiter hat es wieder mal Bootsausrüstungsläden. Wir wollen uns schlau machen für einen neuen Anker. In der grossen Bucht gibt es Gottseidank wieder sandigen Grund und so können wir ankern und uns die Marinagebühren sparen. Unser Ausflug ans Land endet an diesem Tag mit im klimatisierten Marinashop herumzustöbern und im 24h Take Away einen Hamburger zu verspeisen. Während wir noch im Laden sind, machen die Kinder Bekanntschaft mit einer österreichischen Familie mit einem kleinen Mädchen, der Milena. Neele geniesst es mit der Kleinen und schlussendlich trinken wir zusammen mit noch anderen Seglern die vor Ort ankern in der Bar ein Bier. Diese kurze Begegnung war für uns hoch interessant! In der kurzen Zeit erfuhren wir dass in der Bucht ein reges Sozialleben unter den Seglern gibt. Die österreichische Familie ist seit einem Monat in der Prickly Bay und weiss somit was so läuft. Zum Beispiel gibt es jeden Morgen um halb Acht ein Funktreffen, wo die Neuankömmlinge begrüsst werden und diejenigen die weggehen, sich verabschieden können. Es werden Aktivitäten angeboten oder Dinge untereinander verkauft. Wenn Fragen sind wo was zu bekommen ist, werden diese beantwortet. Wir sind ganz erstaunt über so viel seglerisches Gesellschaftsleben, hatten wir doch seit der ARC fast keinen Kontakt mehr zu anderen Seglern. Wir sind wohl einfach immer zu schnell unterwegs, um solche Dinge zu erfahren, immer nur eine Nacht vor Anker! Ein bisschen wurde uns auch klar, dass wir immer noch im mitteleuropäischen Tempo unterwegs sind. Da gibt es ganz andere Lebensrhythmen. Die Österreicher sind seit sechs Jahren zusammen mit ihrem Schiff unterwegs – die Kleine wurde unterwegs geboren. Da heisst es auch irgend eimal einfach Leben und Alltag erleben. Da ist das Reisen und Entdecken nicht mehr immer im Vordergrund – eine spannende Begegnung. Doch jeder hat seinen eigenen Rhytmus und momentan geht’s für uns weiter. Den Tag wollen wir im Landesinnern verbringen und gegen Abend vor dem Dunkelwerden, wollen wir zu der zweitägigen Überfahrt nach Norden – nach Guadeloupe – aufbrechen. Nach noch einmal einem kurzen Treffen mit den Österreichern auf unserem Schiff und den vielen so freundlichen Gesichtern, denen wir in der kurzen Zeit dort begegnet sind, fiel uns der Abschied nicht ganz leicht. Doch das Schöne daran ist, dass wir ja in Guadeloupe Camilla und Nowak treffen werden. Den Tag hatten wir noch mit einem wunderbaren Ausflug mit den öffentlichen Bussen, zu einem Wasserfall im tropischen Wald verbracht. Das hat uns sehr gefallen und die Kinder liebten es unter dem Wasserfall zu baden oder ins Becken hineinzuspringen – wieder mal erfrischendes Süsswasser! Übrigens, unser Eindruck von Grenada war teilweise schon richtig – es ist ein teures Pflaster. Doch die Gärten und Strassen sind teilweise so gepflegt und gepützelt wie in der Schweiz und das ist für die Karibik doch eher ungewöhnlich. Aber weiter im Landesinnern entdeckten wir das typisch karibische Leben, wie wir es auf den andern Inseln gesehen haben wieder.

 

9. Januar 2016

Überfahrt Grenada – Guadeloupe

Wieder mal einen längeren Schlag segeln…

Wir habe durch unsere langen Segelschläge nach Gibraltar, Kap Verden, über den Atlantik eine Art Freiheit gewonnen. Es ist für uns kein Problem mehr grössere Strecken zurückzulegen. Wir können wenn wir wollen, die Antillen so oft rauf und runter segeln wie wir wollen! Das Segeln ist im Gegenteil sogar ein bisschen zu einem Ruhepol geworden – natürlich je nach Kurs und Begebenheiten auf See. So haben wir es jedenfalls wieder auf dieser zwei Tage und zwei Nächte langen Überfahrt erlebt. Ruhe und Zeit. Seit der Atlantiküberquerung ist meine Ukulele und meine Häkelnadel wieder still geblieben… Wenn wir fast jede Nacht an einem andern Ort verbringen nimmt das Reisen viel Zeit in Anspruch. So hatten wir mit relativ wenig Wind und Wellen eine entspannte Fahrt in den Norden – nach Guadeloupe.

Wir kommen nach mehrmaligem Nachrechnen unserer Soll-Geschwindigkeit bei gutem Tageslicht in unserer geplanten Bucht an. Wir wurden von Camilla von «Sea Quark» zu Nowaks fünfzigsten Geburtstag eingeladen. (Kim scherzte mit ihm, noch nie hätte er einen 48-stündigen Weg zu einer Geburtstagsfeier auf sich genommen!) Doch die beiden waren es uns wert und wir hatten so noch einmal die Gelegenheit für gutes Boatequipment. Doch fehlte das Boot «Sea Quark» als wir in die Bucht einfuhren! Aber es war auch klar dass sie uns nicht ins Leere laufen liessen. Und am nächsten Morgen tönte es auch aus unserem Funkgerät: «Elas, Elas, Elas! This is Sea Quark! (Übrigens, der Name «Sea Quark» hat also nichts mit Käse zu tun – es hat geht um das kleinste Teilchen in der Quantenphysik!) 

Wir liegen nun also in der schönen Ankerbucht vor einer kleinen, mit Riffen umgebenen Insel mit einem hübschen Leuchtturm, Ilet Gosier. Nowaks Geburtstagsfeier war dann am Abend klein und fein und ganz privat auf der Insel, mit Fisch- und Fleisch Barbeque! Dabei war dann auch Silke von der «Ocean Maiden», eine Deutsch/Südafrikanische Einhandseglerin.

Wir planen nun so ca. Zwei Wochen hier auf Guadeloupe zu verbringen. Wir wollen die Insel entdecken und dann aber noch das Schiff aus dem Wasser nehmen. Das Unterwasser neu streichen und den Motorservice machen – vor unserem grossen Schritt – in den Pazifik aufzubrechen! Wir haben uns nun nach langem hin und her, definiv dazu entschieden. Die Befürchtungen haben sich gelegt und nun machen wir das, was eigentlich immer in unseren Köpfen war. 

 

 

 10.- 17. Januar 2016

Guadeloupe

Sea Quark verlässt uns am nächsten Morgen. Sie haben ihre erwachsenen Kinder an Bord und wollen ihnen etwas von der Insel zeigen. Wenig weiter nördlich an der Westküste gibt es das «Cousteau» Naturreservat. Wir waren vor einigen Jahren schon mal dort vor Anker und hatten den schönsten Schnorchelplatz von der ganzen Karibik genossen. Einen Tag später trafen wir auch dort ein. Das Dreierpack «Sea Quark», «Ocean Maiden» und «Elas» war somit wieder komplet! Wir vier «Elas» Bewohner wollten an dem nächsten Tag ein Auto mieten und ins Innere der Insel fahren. Doch aus dem Auto wurde nichts, dafür hatten wir einen super spannenden Autostopp-Ausflug. Zuerst mit dem öffentlichen Bus auf der Transitstrasse durch den Urwald mit Stop beim Wasserfall. Baden im Wasserfallbecken und uns danach auf den Steinen im Fluss wieder aufwärmen… Dann zurück auf die Strasse und Daumen raus! Keine Chance mit dem öffentlichen Bus weiter zu kommen! Wir sind schnell erfolgreich und fahren ein kleines Stück zurück zum «Maison de La Foret». Dort machen wir einen kleinen Dschungelrundgang, studierten die riesigen Bäume und die besonderen Pflanzen. War sehr spannend und wunderbar, im kühlen feuchten Wald zu laufen. Dann wieder Daumen raus. Wieder ein Stück zurück gab es einen Zoo, mitten im Urwald. Das war auch ein Highlight. Der Zoo war toll angelegt und gepflegt. Die Kinder meinten es sei der schönste Zoo den sie je gesehen hatten. Viele einheimische Tiere, lustige Affen und auch Raubkatzen bekamen wir zu sehen. Zum Schluss liefen wir noch über wackelige, 20 Meter hohe Hängebrücken, mitten in den Baumkronen und sahen die Tiere noch von Oben. Sehr toll! Dann hiess es wieder zurück zum Schiff. Der letzte Autofahrer der uns mitnahm, war auch wie all die andern kurzen Begegnungen, wieder sehr interessant: Ein Bauunternehmer aus Guadeloupe, der uns bis zum Supermarkt fuhr da wir noch einkaufen wollten. Camilla von «Sea Quark» hatte am nächsten Tag Geburtstag und wir hatten vor am Strand ein Feuer zu machen und zu grillen. So hatten wir einiges an Gepäck zu tragen. Lustigerweise hielt Nowak von «Sea Quark» mit dem Auto vis a vis an, gerade als wir am zurückwandern waren. Ist doch viel schöner so ohne schwere Taschen zu laufen! Also ein richtig spannender und erfolgreicher Ausflugtag!

Am Tag zuvor buchten Kim und ich einen Tauchgang und Kim freute sich sehr darauf. Am Nachmittag wollten wir dann für das Camillas Geburtstagsfeier ein paar Leckereien vorbereiten. Der Tauchgang war perfekt und wir genossen es sehr. Die Unterwasserwelt an diesem besonderen Ort ist wirklich toll. Und mir gelang das mühelose Unter-Wasser-Schweben, ohne mit den Armen zu rudern oder die ganze Zeit Luft ins Jacket ein- und auszulassen, perfekt. Toll – mir kam es vor als hätte ich Geburtstag!

Nach dem wunderbaren Abend mit Silke, Camilla Nowak und ihren Kindern am Strand trennten wir uns wieder. «Sea Quark» fuhr nordwärts und Silke und wir wieder südwärts zu den «Illes les Saintes», einer Inselgruppe südlich von Guadeloupe. Wir genossen da Silkes angenehme Gesellschaft. Wanderten ins Dorf zusammen und zur nächsten Bucht und assen am Abend zusammen auf der «Elas» Couscous-Plätzchen. 

 

18.- 26. Januar 2016

Marina Bas du Fort, Guadeloupe

Nun sagten wir Silke adieu und segelten zurück Richtung Pointe a Pitre, in die Marina Bas du Fort. Nach dieser längeren Zeit am Anker und unterwegs, gefiel uns das Marinaleben nun gar nicht mehr so gut wie auch schon! Wir fühlten uns unfrei, doch natürlich genossen wir auch die frische Wäsche zu der wir dort kamen, das Wasser das wir wieder tanken konnten und Internet zu haben ist auch nicht zu verachten! Doch das wichtigste Projekt war, ein neuer Anker aufzutreiben. Dazu mieteten wir ein Auto und konnten somit Nützliches mit Schönem verbinden. In der Industriezone von Point a Pitre gab es zwei riesige Bootsausrüstungsläden. Wir können uns immer wieder lange verweilen darin; doch unseren Anker finden wir nicht dort. Doch in einer der Marina Shops gibt es einen «Delta 2», der bei den Internet-Tests auch sehr gut abgeschnitten hatte – dieser wird nun definitiv unser neuer Anker, mit welchem wir uns danach hoffentlich an jedem Ankerplatz sicher fühlen werden! 

Der Ausflug danach war auch ganz schön. Wir entschieden uns die flachere Seite des Guadeloupe-Schmettelingsflügels (die Form der Insel ist wie ein Schmetterling) zu erforschen. Das Highlight war die Nord-östlichste Spitze der Insel, zum Atlantik hin. Normalerweise weht da ein strenger Wind, doch an diesem Nachmittag ist es mild und warm und wir können den kleinen, schmalen Fussweg bis ganz an die Spitze wandern. Dort gibt es eine wunderbare Aussicht auf die Klippen und auf den Atlantik. 

Zwei Tage warteten wir dann noch in der Marina für den Termin, das Schiff auszuwassern. Wir wollen unser Unter-Wasser neu streichen – bereitmachen für den Pazifik!

Waschtag!

Am Freitag 22. Januar war es dann soweit, am Nachmittag um 15 Uhr konnten wir das Schiff herausnehmen. Es war ziemlich aufregend und auch eigenartig unser «Haus» plötzlich fliegend und in einer so ganz atypischen Umgebung wahrzunehmen. Die Arbeiten gingen gut und schnell voran, wir schafften es noch am selben Abend die Grobreinigung mit dem Kärcher vorzunehmen. Kaum waren wir damit fertig, bemerkten wir uns zwei ganz bekannte Gesichter, die über den grossen Platz der Werft, strahlend auf uns zu kamen… Camilla und Nowak von «Sea Quark». Sie wollten unseren Aufenthalt in der Werft mit angenehmer Gesellschaft verschönern! Die Überraschung war gelungen, hatten wir uns doch von ihnen verabschiedet und nicht mehr mit Ihnen gerechnet! So war unser Aufenthalt in der Werft super kurzweilig, gespickt mit kurzen Besuchen von den Beiden bei uns oder einem feinen Schwedischen Nachtessen bei Ihnen auf dem Boot. Als wir dann fertig waren, freuten wir uns aber wieder umso mehr, die «Elas» wieder zu Wasser zu lassen. Es war nämlich besonders, da oben zu leben… Kein Wasser, keine Toilette und immer aufpassen damit niemand runter fällt… Aber spannend war es alleweil!

Wir machten mit «Sea Quark» ab, noch ein paar Tage vor Anker zu gehen, bevor wir dann Richtung Panama aufbrechen. Wir trafen uns am uns bekannten Ankerplatz in Illes de Gosier wieder und hatten da nocheinmal so richtig eine innig gute Zeit zusammen! Die Kinder genossen ihre Gesellschaft auch und lernten mit Ihnen richtig gut Englisch sprechen. Camilla fungierte an zwei Tagen auch als Lehrerin – am liebsten hätten wir sie behalten! Nach vielen «Jokes» (Witzen) zwischen Nowak und Kim, der letzte war eine grosse Muschel die Kim in einer nächtlichen Tauchaktion an Nowaks Schiff am Anker befestigt hatte – nahmen wir dann am 28. Januar definitv für mehrere Jahre von den beiden Abschied. Sie werden noch ihre Zeit in der Karibik geniessen und dann wieder nordwärts segeln. Und wir namen an diesem Mittag Kurs nach Panama!

 

28. Januar 2016

Überfahrt Karibisches Meer

Guadeloupe nach Panama, ca 1100nm

Die Wetterkarte sieht gut aus. Regelmässiger, nicht zu starker Wind aus Osten. In vielen Segelführern von uns steht, dass diese Etappe eine der härtesten gewesen war, die die Weltumseger-Buchautoren in ihrer Karriere gesegelt waren. So waren wir gewarnt. Vorallem einen Punkt der Küste von Kolumbien hat einen dauerhaften Starkwind und wohl auch sehr hohe Wellen. Um diesen Punkt haben wir vor, eine Bogen zu machen.

Wir freuen uns alle auf die Überfahrt. Wir freuen uns auf die ruhige, mussevolle Zeit die es hoffentlich gibt, mit Spiele machen, lesen, häkeln, Ukulele spielen… Und natürlich Schule machen.

Wir starteten wieder mit unseren bewährten Passatsegeln und regelmässigem Wind. Nur leider ein bisschen zu wenig und die Wellen lassen unser Schiff hin und her schaukeln, so dass die Segel schlagen. Das tut uns jedesmal in unseren Herzen weh und birgt auch immer die Gefahr, dass etwas kaputt geht! Wir machen die Segel kleiner und kommen somit halt nur noch langsam aber stetig, voran. Auch haben wir wieder einen blinden Passagier: Einen schwarzen Vogel reitet mit uns mit. Er sieht aus wie eine Möwe aber schwarz mit einem hellgrauen Kopf. Er lässt sich auch kaum aus der Ruhe bringen – für ihn ist unser Taxidienst wohl sehr wichtig!

Die weiteren Tage dieser Überfahrt verbrachten wir super entspannt. Wir hatten regelmässige 20-25 Knoten Wind die uns wieder so toll voranbrachten, wie bei der Überfahrt über den Atlantik. Die Wellen kamen auch wieder so gigantisch von hinten, doch die ELAS, beziehungsweise unser super Autopilot, bewältigte diese ohne Probleme und es war einfach nur spannend zuzusehen, wie wir uns auf den grossen Wasserbergen mit hoher Geschwindigkeit, auf- und ab bewegten! Und dies bei warmen Themperaturen und Sonnenschein – und in der Nacht bei Sternenhimmel: Wir wissen dass es auch anders sein könnte – so haben wir unsere tolle Überfahrt umso mehr genossen! Es ist auch immer eine ganz spezielle Familienzeit, ohne äusserliche Ablenkungungen!

 

 

Unterdessen, 1169nm weiter, sind wir vor Panama und haben in einer grossen, idyllischen Mangrovenbucht die Nacht verbracht. Es war uns zu riskant in die viel frequentierte Bucht von Colon, vor der Einfahrt des Kanals, bei Nacht hineinzufahren. So sind wir nun unterwegs zum Kanal, werden noch ein paar Tage in der Marina verbringen und die Durchfahrt vorbereiten. Dazu werden wir wohl einen Agenten beauftragen, der die Formalitäten für uns erledigt. Für die Überfahrt muss man immer eine Wartezeit einrechnen, diese wollen wir dann in den wunderschönen San Blas Inseln verbringen. Aber vorher sind wir nun sehr gespannt auf das Treiben des so spannenden Ortes, PANAMA, der für uns wieder ein Meilenstein bedeutet! Die Stimmung ist freudig gespannt und alle sind ein wenig mit Stolz erfüllt, dass wir nun hier sind!

 

Ankommen in Panama

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5 Antworten zu “13. Karibikinseln

  1. wie immer, die Berichte sind super!! Gruss Roli (mit Beinbruch 2.Jan, nicht mal vom Skifahren, Glatteis, Skisaison zu Ende) Gopf

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  2. Wirklich spannend, euer Reisebericht! Gar mein alter Knaur-Atlas kommt wieder zu seinen Ehren… Gut‘ Vorbereitung für die Pazific-Reise. Herzlich Jolanda

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