10. Überfahrt Gran Canaria – Kap Verden

10. November 2015

Rallystart und Überfahrt zu den Kap Verden, 850sm

Am Sonntagmorgen vom 8. November, lag eine prickelnde Spannung vor der bevorstehenden Abreise und Rallystart, in der Luft. Den Tag zuvor bekamen alle Skipper plus Co-Skipper noch ein ausführliches Briefing, wie der Rallystart ablaufen wird. Ca. 75 Schiffe werden mehr oder weniger gleichzeitig den Hafen verlassen und vor der, mit Bojen markierten Startlinie, kreisen. Wir haben schlussendlich doch auf unsere Verkleidung verzichtet – wir dachten es sei dann mehr etwas zum Einlaufen in Mindelo! Aber es wurde fleissig gehupt, gewunken und gepfiffen, als das eine um das andere Schiff an der, mit vielen Zuschauern besetzte Hafenmauer vorbei, hinaus ins offene Meer fuhr. Es war eine tolle, aufgeregte Stimmung und die Vorstellung dass schon bald wieder eine grosse Stille um uns sein wird, ein wenig komisch, nach all der Aufregung!

Die Schiffe haben sich dann vor der Startlinie gut verteilt. In den letzten fünf Minuten vor dem Startschuss brachten wir die ELAS unter Segeln Richtung Startlinie. Ca. eine halbe Stunde später kam dann von der Rallyorganisation den Bescheid, dass nun alle Rallyboote über die Ziellinie wären! Für uns war ja nie das Rennen das Ziel, aber ein wenig ist dann doch ein bisschen Geschwindigkeits-Optimierungslust aufgekommen! Vorallem die Kinder wollten natürlich unter den Ersten sein!

 

Überfahrt, Tag 1

Schon nach den ersten paar Seemeilen frischte der Wind wir vorhergesagt, auf. Trotzdem haben beim Start viele Boote ihre Spinnaker aufgezogen. Schon bald waren viele davon ausser Sichtweite. Als wir langsam aus der Inselzone heraus und auf unseren Kurs kamen, baumten wir die Genua aus und das Gross zogen wir auf die andere Seite. So konnten wir den Rückenwind von bis zu 25 Knoten perfekt auffangen. Die Wellen wurden höher und wir brausten immer über 7 Knoten. Die Wellenberge surften wir dann bis über 8 Knoten hinunter! Der erste Tag und die Nacht waren unter diesen intensiven Bedingungen, fordernd! Es war nicht viel an Schlaf zu denken!

Noch bei Tageshelle und noch in der Nähe der Inseln, probierte Kim sein neu erworbenes Angelzeug aus. Schon bald war eine schöne Goldmakrele dran, die wahnsinnig schön farbig war! Doch die Freude währte kurz, der schlaue Fisch konnte sich beim Einziehen vom Angelhaken herunterzappeln! So gab es Dörrbohnen zum Znacht – ohne frischen Fisch!

Überfahrt, Tag 2

Nach den ersten 24 Stunden segeln machten wir ein unglaubliches Etmal von 167 sm. Das sind durchschnittlich 7 Knoten Geschwindigkeit über die ganze Zeit. Lustig war auch, auf dem AIS (Schiffsortung) zu sehen wer sich alles in unserer Nähe befindet. Natürlich waren auch ein paar Schiffe dabei die wir kannten. Wir sind die ganze Zeit über Funk gegenseitig erreichbar. Der Haufen Schiffe auf dem Display nam aber dann immer wie mehr ab, diese verteilten sich mit der Zeit, da alle ein bisschen einen anderen Kurs fuhren. Dummerweise hatten wir dann gegen Abend gar kein einziges Schiff mehr auf dem AIS, nur noch unser eigenes! Aber nicht weil alle aus unserer Reichweite waren, sonder weil das Gerät ausgestiegen war! (Schon einmal hatten wir das Problem, aber es funktionierte dann plötzlich wieder.)  Das heisst in dem Fall, wir müssen uns mehr auf unsere Augen verlassen und immer gut Ausguck halten und auf den Kap Verden schauen ob wir es flicken lassen können. Die zweite Nacht verlief recht ruhig. Wir hatten gleichmässigen Wind und fuhren nur mit der ausgebaumten Genua.

 

Überfahrt, Tag 3

Langsam sind wir wieder in unserem Segelrythmus angelangt. Wir können die Segel lange stehen lassen und so gibt sich Ruhe und Entspannung. Ein bisschen Schule machen, Hörbücher hören, Schreiben, liegen….Das Wetter hier 150 sm von der Westküste von Afrika entfernt ist warm aber trüb. Der Blick aufs Wasser ist gräulich weiss und die Wellen haben eine diffus graublaue Farbe. Doch wenn die Wellen brechen, strömt von der Rückseite Licht hinein und so leuchtet das Wasser im reinsten türkisblau. Wir sind immer noch mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 6 Knoten unterwegs und so sind wir doch schon bald in der Mitte der Gesamtstrecke!

Überfahrt Tag 4 bis Ankunft in Mindelo

Der Rythmus und das Leben auf dem Schiff auf dem Atlantik zu den Kap Verden, bedeutet:

Das wechselnde Licht auf der immer wechselnden Seeoberfläche, trübe Sonnenaufgänge, diffuses Licht, überall Saharastaub auf den Leinen, wahnsinnig schnelles Segeln, dann plötzlich Windstille, Segel herunternehmen und neu aufziehen auf offener See, mit zwei Genuas Passatwind-Segeln, Klappernde Geräusche, Vibrieren der mitdrehenden Schraube beim Wellensurfen, Knarzen des Rumpfes und gurgelnde Geräusche unter dem Bodenbrettern, hin und her wandernde Tassen und Teller, zweimal selbstgefangener Fisch essen, Kuchen backen, süsse Orangen verzehren und die Schalen ins Meer werfen und zuschauen wohin sie fliegen, Sturmmöven die den Fischköder fressen wollen, und wieder Geschirr das aus dem Schrank hüpft – während man etwas versorgen will, Nachtwache-Abtausch und sich freuen auf drei Stunden Schlaf in der Koje, trotz grossem Lärm doch gut Schlafen können, eine kalte Dusche am Heck, müde und aktive Nachtwachen, Blicke in die Dunkelheit, warmer Wind und feuchte Nächte, kein Kontakt zu den anderen Schiffen ausser ein paar mitgehörten Funksprüchen, Ukulele spielen, Geschichten hören und Nachmittagsschlaf, Zeit für Schularbeiten haben, Fliegenden Fischen zusehen, Logbuch eintragen, Kurs überwachen, Reisezeit berechnen, Windsteueranlage ausprobieren, Stundenlang unabhängig einen gleichmässigen Kurs segeln mit der Windsteueranlage, das neu gelernte anwenden und mit zig diversen Leinen die beiden Genuas ausbaumen, getostete Brote mit geschmolzenem Käse und Tomaten zum Frühstück essen, Schwesternstreit schlichten, sich an den Schlafrythmus gewöhnen, seit Tagen keinem anderen Schiff mehr begegnen, über Satellit-Email von andern Schiffen lesen, die Probleme haben, sich freuen über einen spannenden vergangenen Tag, die Routine die sich ergibt geniessen, keine Seekrankheit bei allen Familienmitgliedern, laut Singen während der Nachtwache, sich über Seelenmomente freuen etwas Lustvolles tun zu können, Schiff aufräumen, ewig die selben Kleider anhaben, grosse Fische die zweimal unseren kleinen Fischköder verschlucken, wütend auf das ewige Geschaukle sein, Streit um den besten Sitzplatz an Deck, die gefangenen Fische bestimmen versuchen, ausgeschlafene Kinder, Flaute zwei Tage vor dem Ziel aber genügend Diesel, immer wieder das spezielle Gefühl sich auf dem kleinen schwimmendem Universum zu befinden inmitten vom Nichts.

Also alles in allem sehr zufrieden 🙂 Das Wichtigste vorallem, das Wetter, meinte es bis anhin sehr gut mit uns. Dankbarkeit für dies.

 

 

 

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Eine Antwort zu “10. Überfahrt Gran Canaria – Kap Verden

  1. HALLO IHR LIEBEN…SUPER 3. PLATZ UND NUN SCHON IN DER KARIBIK…DENKE JEDEN TAG AN EUCH ..UND CLAUDIA DEINE BERICHTE SIND EINFACH GENIAL….ALLES LIEBE ..

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