9. Las Palmas de Gran Canaria

 

Dienstag 13. Oktober 2015

Las Palmas de Cran Canaria


Lange ist es am Morgen noch ruhig am Officesteg. Gegen halb zehn gabs dann mal einen grösseren Menschauflauf und wir packten unsere Pässe und Unterlagen, um das immerwiederkehrende Prozedere der Anmeldung, über uns ergehen zu lassen. Wir sehen im ganzen Hafen verteilt viele Schiffe mit der ARC Flagge, es sind also schon einige bereits da! Ein kleiner Katamaran mit Kanus und Spielzeug darauf fällt uns auf. Könnte das die Familie mit den drei Jungs aus Jersey, sein? Wir werden mit dem Gummiboot zu unserem Hafenplatz begleitet, ja, tatsächlich, da springen Kinder auf dem Steg herum!

Wir haben mit der Familie mal ganz kurz gemailt. Keine Ahnung ob wir uns dann auch sympathisch sind! Schnell gehen wir nach dem Festmachen kurz rüber und sagen Hallo. Und bleiben sofort, in einem Haufen angeregten Gesprächen über «Schule», und tausend anderen Fragen, auf dem Steg stehen. Sarah und Gavin heissen die Beiden und schnell sind wir auf ihrem Schiff, die Kinder tollen umher, spielen UNO und wir trinken Bier dazu. Es passt perfekt, wir sind uns auf Anhieb sympathisch! Verstehen tun wir uns auch erstaunlicherweise recht gut, bald sind wir drin im Englisch reden und ich denke für unser beiden Kinder war es ein besonderer Moment. So werden sie wohl ganz schnell sich auf Englisch unterhalten lernen! (Beide sind kleine Patrioten, es geht nichts über Schweizerdeutsch!)

Später gingen wir dann alle wieder unseren Belangen nach, die KIWI BEANZ, so heisst ihr Katamaran (Gavin ist Neuseeländer) hat ein Problem mit dem Batterielader und wir machen uns, wieder einmal mehr, drum unsere fehlenden ARC Sicherheitsausrüstungen zuammenzutragen und abzuhaken. Das Fehlende listen wir hoffentlich zum letzen Mal auf und Kim und ich machen uns auf zu den jeweiligen Läden im Hafen. Lenja und Neele wollten bei der neuen Bekanntschaft bleiben!

Unser Organisationstrip zum Segelmacher, zum Motorenhändler und Nauticshop hier war überwältigend und ein voller Erfolg. Noch nie vorher sahen wir alles was ein Seglerherz begehrt in dieser Fülle, alles an einem Ort. Es gab ALLES! Man könnte mit einem unausgerüstetem Schiff hierherkommen und es hier vollkommen ausrüsten. Die Läden hatten sogar Rettungsinseln paarweise an Lager, normalerweise muss man diese Bestellen. Gigantisch! (Wir hatten so einen Stress vorher und kämpften um jede Kleinigkeit es zu bekommen, wenn wir das gewusst hätten! Das heisst eigentlich haben wir es gewusst, aber doch nicht ganz vertraut!) Wir finden alles was wir noch brauchten und es war ein grosses Vergnügen, noch zu stöbern. Da gabs noch Bücher über Segelgebiete im Pazifik oder um Panama. Leider wissen wir zur Zeit noch nicht welchen Weg wir einschlagen wollen – durch den Panamakanal oder wieder nördlich über den Atlantik zurück. Kim organisierte dann noch Dinge zum Fischen und brachten das Segel zum reparieren. Zufrieden machten wir uns wieder zum Schiff zurück und sahen die beiden Girls schon von weitem bei den Anderen auf dem Katamaran! Schon bald darauf gabs dann für uns Erwachsene einen Drink zusammen, die Stunden vergingen mit weiterhin angeregten Gesprächen und Gelächter und es wurde langsam dunkel, Zeit um die hungrige Kinderschar zu füttern. Eigentlich wollten unsere Nachbarn auswärts essen gehen! Ich kochte dann für die Schar original italienische «Oricchiette» mit Tomatensauce, Quark und scharfem Knoblauchöl. So hatten wir einen glücklichen, erquickten Tag verbracht. Irgendwie hat hier etwas Neues begonnen, wir sind auf Weltreise! Bisher war es hintergründig immer das Ziel gewesen, rechtzeitig in Las Palmas, anzukommen. 

 

14. – 21. Oktober 2015

Las Palmas de Cran Canaria

Seit eineinhalb Wochen sind wir nun in der Marina und haben uns unterdessen ans Hafenleben gewöhnt! Am ersten Tag erkundeten wir zu Fuss die doch recht grosse Stadt hinauf bis zu den höchsten Hügeln, wo die schnuckligen, farbigen, verschachtelten Häusern die mir so gut gefallen. Wir sind auf diese Weise einige Kilometer gelaufen! Die Stadt hat viele Gesichter: Verschnörkelte Kolonialbauten, die farbigen, arabisch anmutenden verschachtelten kleinen Häuser die wie Bienennester an den Hügeln kleben und die moderne Stadt, welche einen grossen Teil von Las Palmas, einnimmt. Den Tag darauf machten wir uns auf, den nördlichen Teil der Stadt, zu erkunden. Bei der fast kreisrunden Insel Gran Canaria gibt es im Nordosten ein kleines, auch wieder fast kreisrundes Halbinselchen das mit der Mutterinsel mit einem dünnen Landstreifen verbunden ist. Wir wussten dass auf der Westseite des dünnen Landstreifens einen langen Sandstrand gibt, den wollten wir aufsuchen. Mit Badetasche, Schnorchel und Taucherbrille liefen wir wieder quer durch die Stadt, der Nase nach. Entweder mit Lenja Arm im Arm oder mit Neele an der Hand, ergeben sich auf diesen «Wanderungen» immer wieder tolle Gespräche mit den beiden. Da tauchen Fragen auf über dies und das, folgend aus Beobachtungen oder auch einfach so. Ich erfahre Dinge von zu Hause, Situationen die sie erlebt haben von denen ich nichts wusste, einfach weil wir Zeit haben und unterwegs sind – in Bewegung sind! Das sind Momente über die ich mich innerlich so richtig freuen kann und eine schöne Innigkeit beinhalten! 

 

 

Wir entdecken dann zwischen den Häusern einen blauweissen Meerestreifen und wissen dass wir nun eben an diesem schmalsten Punkt zwischen dem Halbinselchen und der Insel, sind. Dann eröffnet sich uns einen Blick auf einen wunderschönen Sandstrand. Das Meer ist wild und es hat recht grosse Wellen, nur wenige Leute sind am Baden. Weiter draussen gibt es ein Riff und die Wellen brechen mit weissen Schaum. Wir sind recht vorsichtig beim Finden von einer geeigneten Stelle zum einsteigen, die Wellen wühlen am Ufer den Sand zu einem braunen Berg, auf! Als ich mich in untrüberes Wasser vorgekämpft habe und voller Freude die ersten Fischchen mit der Taucherbrille am entdecken war, pfiff mich Kim zurück! Aufmerksam meinte er, dass wir vorsichtig sein sollten und aufpassen sollten, weil uns vielleicht die Wellen ins Meer hinaus ziehen könnten…an das hatte ich in diesem Moment nicht gedacht. Es trieb uns schlussendlich nicht ab, aber die Entdeckungslust war ein bisschen getrübt und so stiegen wir wieder aus dem tobendenden Nass, aus. Die Kinder stiegen gar nicht erst ein! Beim Zurücklaufen entdeckten wir wieder ein einheimisches Fastfoodlokal das einfach toll war: Eine Hamburgeria! Wir assen für kein Geld wie die Götter, bestellten für Lenja eine Megaplatte Pommesfrites. Darauf waren noch Würstchen, Käse, Salat, und drei verschiedenfarbige Saucen! Im Restaurant waren nur Einheimische und das Personal verstand kein Englisch, die Kunden mussten übersetzen. Daneben war der Fussballplatz und der Sohn der einen Mitarbeiterin kam auch kurz nach dem Fussballspiel seinen Hamburger essen… Das sind schöne Reise-Momente!

Wieder am nächsten Tag hatte ich das Gefühl mal wissen zu wollen, wie die Insel auf der wir sind, im Landesinnern aussieht. Ich war gesättigt von der Stadt und sehnte mich nach Landschaft! Naheliegend war es, einer der Busse zu nehmen und einfach mal darauf los zu fahren, landeinwärts. Die Bushaltestelle war auch wieder einen rechten Fussmarsch entfernt und wir mussten dann feststellen, dass das das städtische Busnetz war. Aber an der Endstation waren noch weitere Busse auf dem Fahrplan eingezeichnet, die dann wohl in die anderen Orte der Inseln fuhren. Die Stimmung ist leicht gestresst, es ist schon Anfangs Nachmittag als wir dann den Bus namen. Der Bus fuhr dann der Küste entlang in städtische Vororte von Las Palmas und immer mehr Leute stiegen aus dem Bus aus. Einen Hoffnungsschimmer haben wir, als wir einen Vater mit zwei Söhnen mit einem Sonnenschirm und Badetasche in den Bus steigen sehen. Der geht sicher zu einem Strand, also ihn im Auge behalten! An der Endstation steigen wir aus und der Mann mit der Badetasche entschwindet unseren Augen! Wir entdecken dann die Busstation mit den Inselbussen, sie kommen in kurzen Abständen. Einer führt nach Laspalomas, die Stadt mit den riesigen Sanddünen am südlichsten Ende der Insel. Aber unterdessen ist schon spät und es lohnt sich nicht mehr, wir könnten nur gerade hin und wieder zurück fahren! Ratlos stehen wir dann mit unserer Badetasche an der Busendstation, die uns durch eine stark befahrene Autostrasse vom Meer trennt. Und nirgens eine Überführung und das Meer sieht nicht nach Baden aus. Da kommt ein Taxi daher und Kim beschliesst, uns von dem Taxi an einen Strand fahren zu lassen! Der Taxifahrer schaute uns, die im Vorort gestrandete Touristen, erstaunt an, und fuhr uns direkt zurück nach Las Palmas, an den langen Sandstrand wo wir am Vortag waren! (Es sei der schönste Strand!) OK, ist auch gut! Das Meer ist an diesem Tag auch ruhiger, die Sonne scheint und wir können baden. Es ist wirklich ein schöner, extrem langer Sandstrand an der Promenade mit vielen Strandbars, Cafeterias und Tapasrestaurants. Am Abend entdecken wir noch eine tolle Pizzaria in der nur Einheimische assen, langsam entwickeln wir einen Blick für solche Speiselokale. Von aussen meistens unscheinbar aussehend, mit unattraktiven Beschriftung, aber innen gut besucht von ausschliesslich spanisch sprechenden Leuten. Und wenn sogar die Polizei und die Feuerwehr dort isst, ist immer gut!

Jetzt haben wir die Erfahrung, wo die Busse fahren und so nehmen wir den Bus um halb Elf nach Laspalomas, zu den Sanddünen. Wir fahren ca. Dreiviertelstunde der Küste entlang im Schnelltempo, eigentlich recht gemütlich, so im Bus zu sitzen und sich chauffieren zu lassen. (Wir waren nur überrascht wie viel wir dafür bezahlt haben, 30 Euro für uns vier für eine Fahrt! Ein Auto zu mieten kostet 22 Euro pro Tag, haben wir später erfahren!) Wir baden in hohen Wellen am Dünenstrand mit vielen anderen Menschen, lassen uns vom Regen überraschen und flüchten ins Wasser – nass ist nass! Kurz darauf schmilzt uns die Glacé wieder vom Stängel, so heiss und windig ist es, und dann wieder Regen. Herbst in Gran Canaria? Am Abend schicke ich meiner Mutter Bilder von den Sanddünen von Laspalomas aufs Handy. Sie schreibt mit zurück und mein im Juli verstorbener Vater kam auf diese Weise kurz bei uns vorbei: Auf der CD, die er mit seinen Musikkollegen aufgenommen hatte, ist an erster Stelle das Lied «Am Strand von Laspalomas, von Gran Canaria»! Meine Mutter meinte darauf, jetzt wisse sie wie schön es dort sei und wir hören zusammen das Lied übers Telefon. So ergeben sich tröstliche Verbindungen!

Am Abend luden uns unsere Schiffsnachbarn, Sarah und Cavin von der KIWI BEANZ, zum Barbeque ein. Gavin briet Calamares und Garnelen, Zucchetti und viel Fleisch auf seinem Grill. Die Kinder schauten später zusammen einen Film auf Englisch und wir hielten uns die Bäuche vor Lachen, ab den Geschichten die wir uns gegenseitig zu erzählen hatten – natürlich über diverse Hinder- und sonstige Geschehnisse von unserem Seglerleben. Es ergab sich ein unvergesslicher Abend mit (einigen Drinks!) und daraus folgend, war der nächste Tag eine Art «Opfertag», an welchem wir von den KIWI BEANZ humorvoll als «bad neighbors» bezeichnet worden sind und wir noch ein paar mal danach darüber Witze machten!

Wieder den Normalzustand erreicht, planten wir am nächsten Tag ein Auto zu mieten und nun wirklich das Innere der Insel auszukundschaften. 

Schon die ersten Kilometer ins Landesinnere kamen wir märchenhaft vor. Die Strassenränder sind von rotschwarzen Felsen gesäumt und von Sukkulentenarten verschiedensten Grüntönen bewachsen. Wir genossen gigantische Aussichten vom höchsten Kraterberg in der Mitte der Insel und sammelten frische Edelkastanien vom Boden. An diesem Ort entdeckten wir auch zum ersten Mal den wilden kanarischen Hund. Rotbraun wie ein Reh und dünn wie ein Windhund mit einem langen Schwanz, beeindruckte uns dieses wildlebende Geschöpf. (Wir versuchten noch über dieses Tier im Internet zu recherchieren, wurden aber nicht gross fündig, ausser eben «wild dog of the canaries». Jedoch haben wir unterdessen schon das vierte Tier gesehen!) Wir durchquerten  die Insel über steile Haarnadelnkurven und kamen an Stauseen vorbei mit immer wieder tollen Aussichten auf das teilweise in farbigen Schichten aufgebaute Vulkangestein. Am nordwestlichen Ufer fanden wir einen Strand mit schwarzen grossen Kieseln der uns ganz gut gefiel, in seiner Einfachheit und Ursprünglichkeit. Der Weg zurück über die nördliche Küstenstrasse blieb uns verwehrt, da  die Strasse durch Erdrutsche unterbrochen wurde. Wir mussten die ganze Strecke rundherum fahren und sahen so den Süden mit seinen grossen Hotelanlagen und aufgeschütteten Sandstränden. 

 

 

Zwischendurch ergab sich wieder einen Tag mit Erledigungen an welchem wir auf der ELAS blieben. Immer noch gibt es Dinge zu organisieren, sei es eine Online Anmeldung zum Einklarieren in der Karibik, dann haben wir es endlich geschafft einen neuen Propeller zu bestellen. Ein Vierblatt-Propeller anstatt drei und leicht grösser. Wir hoffen mit dem dann mehr Schub und Reaktion zu gewinnen, vorallem im Hafen und falls wir mal gegen die Wellen motoren müssen. Für dies war Kim mindestens sieben mal im Nauticshop! Aber das Gute daran ist, dass wir hier Zeit haben und alles vor Ort ist.

Das Leben hier am Steg ist ein bisschen Alltag geworden. Unterdessen sind noch zwei weitere Schiffe mit Kindern an Bord angekommen. Brian und Nicole aus Minneapolis USA haben mit ihren beiden Mädchen, (8+12J) schon zwei Jahre in einer Marina auf dem Schiff gelebt und den Atlantik bereits einmal überquert, und sind nun hier und auf dem Weg nach Neuseeland um dort zu leben. Dann ist noch eine Familie hier aus Kanada mit einem Knaben (7J) und einem Mädchen gleich alt wie Neele. Durch den Tag sind alle so mit ihren eigenen Programmen beschäftigt aber am Abend kann es gut sein, dass sich ein gemeinsamer Schlummertrunk ergibt! Vorallem aber tauschen wir uns gegenseitig Tips aus, was sehr hilfreich ist!

 

22. – 28. Oktober 2015

Neeles Unfall, Las Palmas de Gran Canaria

Die letzte Woche hatten wir den Grossvater hier zu Besuch! Wir haben mit ihm entspannte Tage erlebt, haben ein paar Tage ein Auto gemietet und nochmals mit ihm die Insel erkundet. Da und dort uns ein Tapas und ein Bier genemigt! Er nahm zufrieden und anspruchslos an unserem Hafenleben teil, erlebte unsere Themen und lernte die Schiffsnachbarn kennen. Wir haben mit ihm schon einige Segeltörns erlebt, so war er in dieser Zeit ein gewohntes Crewmitglied! Die Woche verflog nur so und den Tag vor seiner Abreise wollten wir noch gemeinsam am Strand verbringen. Das heisst, eigenlich mussten wir ihn heftig überzeugen – er wäre lieber im Hafen(restaurant) geblieben! Im Nachhinein hätten wir das auch besser gemacht! Als wir nämlich noch nicht mal alle fertig umgezogen waren um ins Wasser zu gehen, hörte ich Lenja verzweifelt schreien, dass Neele sich den Arm gebrochen hätte. Die Beiden waren voller Freude in die Wellen gesprungen (wie wir das nun schon einige Male zuvor gemacht hatten!) doch diese erste Welle hatte Neele so unglücklich erwischt, dass diese sie umgeworfen hatte. Dabei wurde ihren Ellenbogen nach hinten gedrückt auf welchen sie dann gefallen war und gebrochen hatte. So ein Pech und Schreckensmoment! Das Positive an der Geschichte ist, dass es an einem bewachten Strand passiert war, mit naher Erste Hilfe-Station. Die übernamen die Versorgung von der über und über mit Sand behafteten, kreideweissen Neele und der Santiätswagen kam dann auch in annehmbarer Zeit. Neele war die ganze Zeit die Tapferkeit in Person – unglaublich. Das Glück war auch dass es in Las Palmas sogar ein Kinderspital gibt, indem Neele nun versorgt wird. Zu diesem Zeitpunkt ist sie gerade die zweite Nacht im Spital und es geht ihr soweit gut, die ganze Zeit immer noch grossartig tapfer! Erstaunlich ist auch, wie viel Sand in Haaren und am Körper haften kann: Die Pflegerinnen machten Witze, dass sie schon den ganzen Strand von Laspalomas aus Neeles Bett gekehrt hätten! Neele hinterliess im ganzen Spital eine Sandspur 🙂 Morgen können wir zusammen Heim auf die ELAS. Die ungewissen Momente über die konkrete Verletzung sind zum Glück vorbei, die Ärzte konnten nach ihren Angaben den Bruch gut operieren und sollte auch gut heilen. Und das hoffen wir nun! Natürlich sind unsere Pläne von der Abfahrt am 8.November mit der ARC+ so nicht mehr möglich. Zum jetztigen Zeitpunkt wissen wir nur, dass Neele nun in 2 Wochen wieder ein Röntgenbild machen muss und in 4 Wochen die Stifte herausgenommen werden können. Danach muss sie dann nochmals 2 Wochen den Gips haben. Wir werden sehen was wir weiter tun und was möglich sein wird. So ist das Leben, nie weiss man genau was kommt! Es zeigt mir hiermit, jeden Moment so wie er ist, trotz all seiner scheinbaren Unvollkommenheit und etwelchen Schwierigkeiten, noch mehr zu geniessen! 

 

 30. Oktober 2015

Las Palmas De Gran Canaria

Drei düstere, sehr düstere Tage sind  nun vorbei. Gestern morgen sind wir vom Spital wieder zurück aufs Schiff gekehrt. Die zwei Tage im Spital waren einen Erfahrung für sich – nicht schlecht, es war alles sehr gut organisiert, professionell und alle waren unheimlich freundlich. Das spezielle war, dass niemand Englisch sprach, weder die Besucher noch die Pfleger und Pflegerinnen! Ich tauchte wohl oder übel in die spanische Welt ein und es mochte mich ein wenig, dass ich so wenig von der Sprache verstand! (Kaum zurück hab ich mir ein App mit spanischen Umgangsformen heruntergeladen!) Zum guten Glück sprachen die Ärzte englisch, so konnte ich wenigstens verstehen wie es um Neeles Arm stand!

Wieder zurück standen wir vor der grossen Frage, wie es nun weiter geht. Meine Vorstellung war, dass wir nun wohl oder übel die 6 Wochen hier verbringen werden müssen. Im Gespräch mit Kim fand ich dann aber schnell heraus, dass er eine andere Vorstellung hatte! Er wollte weiter. Also Neele und ich fliegen…. Oder Überfahrt mit einem Kreuzfahrtschiff oder Frachter, ist irgendwie naheliegender als mit dem Flieger wieder zurück nach Barcelona und dann nach London und dann in die Karibik. Die Vorstellung reizt mich überhaupt nicht, wo wir doch schon so nah sind! Dann kommt Kim in den Sinn, dass die Überquerung auf einem Katamaran für Neele vielleicht gut sein könnte… und so diskutierten wir heute und gestern zum zweiten Mal hin und her. Die Ärzte hier sagten Neele könne nicht reisen wegen der Infektionsgefahr. Wir selber dachten, es gehe nicht weil das Boot immer in Bewegung ist. Nachdem wir mit unserer Ärztin in der Schweiz telefoniert hatten, sahen wir schon ganz viel klarer! Infekionen kann man mit Antibiotika bekämpfen und die Schiffsbewegungen sind kein Problem, weil Neele den Arm ja noch im Gips hat und der Knochen mit Nägeln fixiert ist! So langsam aber sicher fanden wir zur Idee zurück, wie geplant zu fahren. Einen Tag vor Abfahrt noch die Kontrolle im hiesigen Spital machen und dann die wöchige Überfahrt zu den Kapverdischen Inseln mit der ARC+ zu starten. Je mehr wir darüber nachdachten, desto lichter wurde die Vorstellung und die Stimmung! (Und Neele hatte heute, drei Tage nach der OP, schon den ganzen Tag keine Schmerzmittel mehr, das ist doch ein gutes Zeichen!)

So konnten wir den heutigen Start der ARC+ mit anschliessendem Apero so richtig geniessen. Total sind es ca. 70 Schiffe die gleichzeitig am Sonntag aufbrechen. Darunter sind nun doch schon einige Leute, die wir kennengelernt haben. Wie ich finde, alles sehr spannende, lebenslustige, intelligente Leute, mit denen es sehr viel Spass macht, sich zu unterhalten! 

Morgen früh wird unser Schiff einem Sicherheitscheck unterzogen – dies hat uns einige Stressmomente in der Vorbereitungszeit veranlasst. Nun sind wir aber parat (hoffentlich) und wir werden den Check bestehen. Schlussendlich ist es nur gut für uns, wir würden für alle allfällige Notfälle gerüstet sein! Danach gibt es noch einige Workshops an denen wir uns angemeldet haben, während der letzten Woche. Zum Beispiel über «Tips zum Vorwindsegeln, Verproviantierung, Kommunikation an Bord und noch ein zwei andere Themen… Es ist alles super professionell und sympathisch organisiert, haben wir festgestellt. Und dann gibt es natürlich noch einen Haufen Events für die gute Geselligkeit! (Welche wir normalerweise eher scheuen, aber wir festgestellt haben, dass so viele Gemeinsamkeiten da sind und dies einfach unheimlich verbindet).

 

 

6. November 2015

Endspurt, Las Palmas De Gran Canaria

Der Count Down ist gelaufen und nun sind wir einen Tag vor der Abfahrt nach Capo Verde, Mindelo. Die letzte Woche war voll von Aktivitäten, Terminen und immer wieder neuen Arbeiten, die durch die diversen Checks, auftauchten. Zum Beispiel gab es an unserem neuen, in Kroatien angefertigtem Rigg (alle Kabel was den Mast und den Baum hält) doch noch einige Dinge besser zu befestigen und neu zu trimmen. Aber nun gibt uns nun ein gutes Gefühl, das alles kontrolliert ist! Wir haben die diversen Seminare gemacht, welche uns auch noch viel neue Informationen gaben. Es hat sich auf alle Fälle gelohnt, hierbei, bei der ARC, mitzumachen!

Dann haben wir in Gibraltar noch einen Schlitten für den Spinnakerbaum bestellt, der mit einem anderen Segelboot hierher transportiert wurde. Jeden Tag fast waren wir am schauen wo sich dieses Schiff befindet und ob dieses Teil wohl noch rechtzeitig ankommen wird! Unser neuer Vierblatt Propeller ist gestern angekommen, heute bekamen wir einen nigelnagelneuen Raymarine Plotter auf Garantie montiert. (Vielleicht erinnert ihr euch an mein Kampf um das WiFi des Plotters in  Soller in Mallorca!) Nun ist das Gerät ersetzt und es funktioniert! Auch das wieder ein super Service von der ARC, das wir diese Techniker vor Ort waren. Natürlich sind wir nicht die einzigen bei denen die letzte Woche in diesem Stil abgelaufen war. Da gab es kaum ein Schiff, sogar die neuen, tollen Boote, bei denen nicht gewerkt werden musste! Beruhigend!

Die Bugstrahlruderbatterien mussten auch ausgetauscht werden und natürlich geht meistens nichts einfach, Anschlussteile fehlen, Schrauben kommen nicht los, usw. Es wird untereinander gewitzelt, wenn der eine am Bier ist und der andere mit dem Werkzeug unterwegs. Aber einen Moment später ist es dann umgekehrt!

Wie schon erzählt, hatten wir hier an unserem Steg eine tolle Atmosphäre. Da war noch neu ein Schwedenpäärchen hinzugekommen, mit denen wir uns sehr gut verstehen. Sie reisen im zweitkleinstem Segelboot mit. Es gab auch noch die kleinen Aperos, die von der ARC organisiert waren. Die kollegiale Atmosphäre hat sich auch da durchgezogen! Aber das Highlight war auf jeden Fall Halloween. Neben all den Draculas und Hexen waren wir vollständig in knallbunten Ganzkörperanzügen, den Morphsuits, gekleidet, wir waren der absolute Brüller! Es werden sich viele Crews bei der Abfahrt und Ankunft verkleiden – unsere Kostüme sind klar, die Morphsuits!

Heute Morgen ist mir auch ein Stein vom Herzen gefallen. Neele konnte im Spital ihren Arm zeigen und es war alles in Ordnung. Sie hat nun einen neuen Kunststoffgibs der wasserunempfindlich ist, bekommen. Den Termin mit dem Spital auszumachen war aber ein Ding der Unmöglichkeit! Nicht mal das Spital-Sekretariat spricht Englisch! Zum Glück konnten wir auch mit diesem Problem zu den ARC Leuten gehen und bekamen nach zig Anrufen von denen dann den Termin! Zum Glück hatte wenigstens das Spital-Notfallsystem so wunderbar schnell und professionell geklappt gehabt!

Unterdessen freuen sich die meisten Stegbewohner wenn es endlich weitergeht! Viele beklagen sich im Scherz, dass sie genug vom Festen haben! Sie scherzen, dass sie nicht einfach an einem Boot vorbeilaufen können, ohne zu einem Bier eingeladen zu werden! Danach wird es nach dieser geselligen Zeit für viele wieder stiller werden, draussen auf dem Ozean. Ich freue mich jedenfalls wieder auf die Zeit unter uns, auf unserer kleinen, gemütlichen, schwimmenden Insel, wo wir alles haben was wir brauchen!

 

8. November 2015

Überfahrt zu den Kap Verden

Der letzte Tag hier in Las Palmas sollte eigentlich den Tag sein hier noch einmal so richtig alles zu geniessen! Den Strand, die Promenade, die Stadt….

Doch zuerst wollten wir noch den neu erhaltenen und montierten Propeller ausprobieren. Eine kurze Ausfahrt aus dem Hafen, um zu schauen wie er so reagiert. Doch beim Leinen lösen merkten wir dass Vorwärts Rückwärts ist und umgekehrt! Zum «göisse»!! Wir haben einen falsch drehenden Propeller bekommen! Taucher kommt, schraubt der alte wieder dran und zum Glück ist es nicht unser Fehler! Wir werden eine neue Schraube bekommen und diese wird mit einem anderen Schiff nach Saint Lucia transportiert. Es ist einfach immer noch irgenwie einen Haken dran – waren wir doch so glücklich dass alles noch so wunderbar geklappt hatte! Den Abend an der grossen Strandpromenade genossen wir dan trotzdem noch!

Doch heute sind wir parat und bald sind wir wieder unterwegs – zu den Kap Verden! 

 

 

 

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