11. Kap Verden

Kap Verden

Sao Vincente, Marina Mindelo

Gestern um genau 09.50 lokale Zeit sind wir vor Mindelo über die Ziellinie gefahren! Wir hatten uns in den letzten Tagen so richtig an den Rythmus gewöhnt und die Zeit genossen. Immer mehr entdeckten wir bessere Segeleinstellungen um auch bei wenig Wind gut voranzukommen. Kim stellte sich vor, dass wir die Strecke über den Atlantik mit den beiden ausgebaumten Genuas, segeln werden. Wir haben ja nun in Gibraltar einen zweiten Baum organisiert und einen Schlitten um den am Mast befestigen zu können. Stück für Stück sind wir nun für dieses Segeln organisiert. Doch für diese Strecke, haben wir gedacht, reicht die eine Genua weil wir den Wind immer mehr seitlich erwarteten, so haben wir die zweite Genua mal im Sack gelassen. Doch immer mehr kamen wir mit dem Grosssegel, beim Papillonsegeln, in den Klinsch. Der Wind kommt immer wieder von der falschen Seite hinein und lässt die Segel schlagen. Immer mehr dachten wir, wie gut es wäre wenn wir die beiden gleich geschnittenen Vorsegel hätten….doch die Idee, die beiden Segel unterwegs aufzuziehen, im Geschaukel der Wellen und im Wind machte mich aber gar nicht an! Das sind zwei riesige Teile und ich befürchtete dass wir auf Deck keinen Platz haben und wir den Wind darin abkriegen! Aber es liess uns keine Ruhe und so wagten wir dann den Versuch: Es muss das eine Segel runter und dann, an der gleichen Schiene und mit dem gleiche Fall (Seil das vom Mast herunter kommt), gleichzeitig zusammen hinaufgezogen werden. Kim und ich waren vorne an Deck und haben die Segel geordnet und Lenja hatte den Knopf zum hinaufziehen bedient. So schafften wir das ziemlich gut zusammen! Von da an war es einfach nur einen Traum zu segeln. Wir konnten den leisesten Windhauch auffangen und machten gute Fahrt, ohne immer genau auf den Windwinkel schauen zu müssen. Es war toll, dass wir nun auf dieser Fahrt hierher, diese gute Erfahrung machen konnten. Es gibt uns ein gutes Gefühl für die Weiterfahrt!

Die vorletzte Nacht haben Kim und ich noch draussen im Cockpit, bei stockdunkler Nacht mit dem Laptop und der Boombox einen Film geschaut, während wir die Wellen hinter uns brausen hörten! Das war ein ganz spezielles Gefühl und wirklich ganz einzigartig. Kein Schiff weit und breit sichtbar, nur wir und die dunkle Nacht und das vorbeiziehende Meer!

Die letzte Nacht war dann wieder aufregender. Auf einmal waren überall kleine Lichtlein am Nachthimmel auszumachen – vor uns, hinter uns, neben uns! Die Ziellinie ist schon nahe und so kommen alle wieder an den selben Punkt zurück! So hatten wir immer etwas zu schauen und die Nacht war kurzweilig. Am Morgen kam dann die Spannende Zeit, immer über Funk zu hören wer nun gerade vor der Ziellinie ist! Wir kannten nun die Schiffsnamen unterdessen! 

Nun sind wir 24h hier und ein paar Schiffe sind immer noch unterwegs. Dabei auch ein Schwedenpäärchen, Camilla und Novak, das wir sehr gut mögen. Das andere Schweizer Schiff – lustigerweise genau das Gleiche wie unseres (selbe Grösse auch!) ist nun vor einer Stunde in den Hafen geschleppt worden. Sie hatten unterwegs einen Motorschaden und waren somit auch sehr knapp mit der Stromversorgung. Sie mussten ihren Kurs nach möglichst vielen Umdrehungen vom Windgenerator auswählen, damit ihnen nicht noch der Strom ausgeht! Heute Nacht um zwei waren sie vor Ort und mussten noch bis um 10 Uhr ausharren und Kreisen, bis sie dann abgeschleppt wurden. So ziemlich kaputt und erledigt aber dankbar hier zu sein, sind sie nun! Aber so kann es halt auch gehen, es ist wirklich ein Abenteuer. 

Die Ankunft ist dann gestern auch wieder ziemlich gefeiert worden. Die Zeit auf dem Ozean wird auf den meisten Booten ohne Alkohol verbracht und nach der nachgelassenen Anspannung und der Freude wieder am Land zu sein, die anderen Mitsegler wieder zu treffen – da entstehen spontane Partys auf den Schiffen, einfach herrlich!

 

Kap Verden

Sao Vincente, Marina Mindelo

Montag 16. November

Natürlich läuft grad viel hier, Programme und alles wieder klar machen für die Weiterfahrt am Mittwoch. Wir sind nur ganz kurz hier und werden nicht allzuviel von den Inseln und deren Bewohnern mitbekommen. Doch morgen werden wir eine ganztägige Tour machen auf die grosse westliche Nachbarsinsel Sant Antao. Da werden wir sicher einiges zu sehen bekommen und die, die schon da waren, waren begeistert. 

Was wir bisher gesehen war, war für mich «Afrika» und «Karibik» in einem. Heute morgen wollte ich noch unseren Stock an Gemüse und Früchte auffüllen, für die neue, zweiwöchige Überfahrt in zwei Tagen. Der Gemüse- und Früchtemarkt auf der Strasse war abenteuerlich – nicht wirklich frisch alles und die Fliegen kriechen darauf herum – der Supermarkt ein bisschen besser, das Gemüse geküht aber auch nicht wirklich viel frischer! So komm ich mit nur wenigen Dingen zum Schiff zurück, froh dass wir so viel in Las Palmas einkaufen konnten. Doch es war so spannend, umherzulaufen und alles zu beobachen. Frauen mit Gepäck auf dem Kopf, der Fischmarkt mit den riesigen Thunfischen, die gedeckten Plätze wo die Menschen zusammmensassen. Nur einen kurzen Einblick in eine spannende, Fremde Welt.

 
 
Dieser Eindruck konnten wir heute Nachmittag, durch die Inseltour mit dem Bus, verstärken. Somit würde ich sagen, diese Insel hier ist viel Afrika! Die Sprache der Einwohner ist Portugiesisch und  Kreolisch. Der Bus nahm eine abenteuerliche Route bis hoch in die Berge, mit einem tollen Blick zurück in die Hafenbucht. Die Inseln sind vulkanischen Ursprungs wie auch die Kanaren, und haben teilweise eine ähnliche Topografie. Wasser gibt es auf dieser Insel nur in einem einzigen Tal, dort gibt es viele Brunnen die mit Windrädern betrieben werden. Dort wachsen auch die Früchte und das Gemüse der Insel. Das Wasser an den andern Orten wird in einer Fabrik mit Dieselmotoren entsalzen. Sao Vincente kennt nur ganz wenige Regentage im Jahr. Lustigerweise treffen wir gerade auf einen von diesen! Seit wir hier auf den Kap Verden angekommen sind, ist eine starke Bewölkung. Schade um den Eindruck der Farben, aber dafür auch nicht so heiss! Die Ostküste der Insel liegt luftlinienmässig recht nahe an der Sahara. Da gibt es Dünen mit gelbem Saharasand, angrenzend an dem schwarzen Vulkangestein. Der Sand wird duch den Wind über das Meer transportiert. Wir haben es genossen, barfuss durch weichen Sand zu laufen und den überwältigenden Anblick von demspeziellen Strand mit den Augen eingesogen. Die Siedlungen der Menschen, an denen wir so vorbeigekommen sind, wahren anrührend simpel. Steinwüste, ein graues Betonsteinhaus, farbige Wäsche im sandigen Vorgarten, der Hund und Katzen entspannt davor liegend, ein paar Menschen und Kinder, einen Baum, Ziegen…. trockenes Afrika. 
Mindelo hingegen ist das Zentrum. Hier spielt sich das Leben ab. Und es gibt eine Universität. Morgen gehen wir nun noch auf die Nachbarsinsel. (Diese Tour wäre eigentlich heute gewesen. Doch die Fähre war überbucht worden. So mussten wir wohl oder übel wieder abzotteln!) Wir konnten nun wirklich einen guten Einblick gewinnen, trotz der kurzen Zeit von nur vier Tagen. Die Zeit, um all die Reparaturen an den Schiffen hier vorzunehmen ist auch für die hiesigen Arbeiter knapp! Eventuell werden wir morgen ein neues AIS-Gerät bekommen. Nicht gerade erfreulich, wir haben dies noch nicht lange neu eingebaut! Technik,Technik!
 
Kap Verden
Sao Vincente, Marina Mindelo
Montag 18. November
 
Wir sind kurz vor dem offiziellen Start der zweiten Passage der ARC+. Doch wir warten immer noch auf unser neues AIS Gerät und heute morgen streikte der Kühlschrank, somit werden wir erst starten wenn alles in Ordnung ist. Wir werden den offiziellen Start verpassen und nicht mehr am Rennen teilnehmen, (wir wurden übrigens Fünft in unserer Kategorie!!) doch sind wir ja immer noch in der Flotte und können miteinander kommunizieren. Das ist das Wichtigste.
 
Gestern waren wir ja auf der Nachbarsinsel, San Antao. Das war eine wunderschöne Insel. Sehr grün, tropisch und die sehr hohen, schroffen Fulkangestein-Felsen einfach unglaublich eindrücklich. Es schien als ob es sich recht gut leben lässt auf der Insel. Wir assen in einem Restaurant – in einer Art Bretterbude –  diverses einheimisches Gemüse, ein vegetarisches, biologisches Buffet mit Blumen dekoriert, die Besitzerin war eine deutsche Aussteigerin. (Silvia, du hättest Freude daran gehabt!)
 
Nun gilt die Konzentration der Beendigung der Reparaturarbeiten auf unserm Schiff und der Abfahrt! Bis bald!
 
 

2 Antworten zu “11. Kap Verden

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