8. Gibraltar – Überfahrt

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Gibraltar, Dienstag 29. September

Vor Gibraltar! Leider wieder zuwenig Wind von hinten – den ganzen Tag Motoren ist angesagt. Ich verbringe die Zeit mit dem Nachtragen der Meilen, die wir schon hinter uns gebracht haben, für meinen Hochseeschein. Die dafür benötigten 1000 Seemeilen Segelerfahrung liegen nun hinter uns. Vor Gibraltar reihen sich Frachter um Frachter vor Anker vor dem berühten Affenfelsen, auf. Es ist sehr spannend zu sehen. Wir fahren dann in die riesige Bucht bei Gibraltar ein, und studieren hin und her, in welchen der verschiedenen Häfen wir anlegen wollen. Die ersten beiden liegen auf englischem Grund und der dritte ist wieder spanisch. Es reizt uns, in einen Hafen auf Gibraltarischem Grund und Boden aufzusuchen, wenn wir schon da sind. (Obwohl der Spanische Hafen direkt an der Grenze billiger sein soll!) Wir tuckern also in die grosse Bucht hinein. Auch hier liegen Frachtschiffe und Tanker aller Art nebeneinander vor Anker. Es wird uns bewusst dass wir uns hier wirklich an einem besonderen Ort befinden. Der erste grosse Hafen an der Ostküste der grossen Bucht, wirkt eher wie ein Industriehafen, er hat ein riesiges vorgelagertes Hafenbecken, wir fahren dann mal weiter. Der nächste Hafen ist um einiges kleiner aber auch schöner und mondäner. Spannend ist auch, dass sich dieser Hafen unmittelbar neben der Start- und Landepiste des Flughaftens von Gibraltar befindet! Die Piste wurde ins Meer hinaus gebaut und wir fahren mit der ELAS gemütlich daran vorbei. Leider war dann aber kein Platz mehr im Hafen für uns, wir konnten es zuerst gar nicht glauben. Gingen dann mal tanken und probierten es dann nochmals – ohne Erfolg. Also dann halt doch wieder Spaniens Grund und Boden. Ist auch gut! Wir kommen danach in einem recht neuen, sauberen und grossen Yachthafen direkt an der Grenze, an. Auch der Preis ist ganz in Ordnung hier, super!

Die Ortschaft wo wir hier in Spanien gelandet sind, heisst La Linea. Nach dem Ankommen wollen wir noch ein bisschen schauen, wo wir hier sind. Zu Fuss gehen wir der grosszügigen Promenade entlang, kommen an vielen grossen Wohnblöcken vorbei, dann wieder durch kleine Gassen im alten Teil der Stadt, wo sich dann auch das Zentrum mit den Läden und Beizen befand. So machten wir unsere obligatorische grosse Runde, wie immer wenn wir einen neuen Ort entdecken gehen!

Am Abend sitzen wir noch kurz in der Hafenkneipe um das weiter Wetter zu checken. Was wir da auf unserer Gribdatei sehen, wollen wir zuerst gar nicht wahrhaben: Es scheint so, dass wir erst wieder in einer Woche Wind für unsere Überfahrt haben werden….

 

Gibraltar, Mittwoch 30. September

Es ist toll im Hafen zu sein. Einkaufen und Schiff klar machen für die erste grosse Überfahrt von ca. 6 Tagen und Nächten steht auf dem Programm. Wir sind voll im Rhytmus – fahren – ankommen – weiterfahren, da wir ja die restliche Zeit vor der ARC+ noch auf den Kanaren verbringen wollen. Kim nimmt mit Neele ein Taxi um unsere Gasflaschen auffüllen zu lassen und Lenja und ich satteln unseren faltbarer Bollerwagen um einen Supermarkt aufzusuchen. Das ist Aufgabenteilung! Sehr effizient! Im Hinterkopf haben wir wohl noch immer die Information, dass der Wind nicht nach unseren Wünschen und Terminplanung entspricht, aber wir wollen es immer noch nicht wahrhaben – vielleicht ändert es sich ja noch!

Am Nachmittag machen wir uns dann wieder zu Fuss auf den Weg Richtung Gibraltar. Durch den Zoll – wir wollen auf den Affenberg! Nach dem Zoll steht gerade ein Bus der uns mit ins Zentrum nimmt. Von da aus geht es dann durch die Ortschaft mit den Läden und Restaurants und dann kommen wir bei der Seilbahnstation, die auf den Felsen führt, an. Wir fahren mit einer alten, schweizerischen Seilbahn auf den Gipfel, schon rege Ausschau haltend nach den verheissungsvoll erwarteten Affen! Schon beim Aussteigen sind sie dann überall! Auf dem Dach, am Geländer turnend und den Touristen an den umgehängten Pullis, zerrend! Ein Spektakel! Vorallem als dann noch ein Junges auf der Bildfläche erschien, waren unsere beiden Mädels hingerissen. Neele konnte nicht mehr aufhören zu lachen! Später sind wir dann noch aus dem Gebäude hinaus, auf die Strasse und weiter den Berg hinauf, gelaufen. Da waren noch viele Affenfamilien, mit ihren Babys und herumalbernden Teenagern! Teilweise auf den Sträuchern und ein paar waren am Würmer suchen, in der Erde. Wir konnten wirklich lange dem Treiben zuschauen. Ein paar Meter weiter oben waren dann Ruinen, von wo man aufs Meer hinunter schauen konnte. Ein wunderbarer Ausblick auf den Weg von wo wir gekommen sind, und die Frachter immer noch vor Anker lagen. Weiter die Strasse runter, fanden wir dann den Fütterungsplatz der Affenfamilien, wo ein Security-Mann Wache hielt. (Wohl mehr wegen den Menschen, nicht den Affen!) Gemütlich nahm der Mann seinen Rucksack aus einem Kasten – er hatte wohl Pause – legte diesen genauso gemütlich hin und nahm ein Tetrapack Orangenjus daraus…. wohl nicht beachtend, dass der weisse Plastiksack in seinem Rucksack ein wenig hervorlugte! Aber die Affen haben dies natürlich längstens registriert! Schnurstracks war die Plastiktüte aus dem Rucksack geholt und die darin enthaltenen Crackers genüsslich gehamstert und verfuttert! Keine Chance für den armen, hungrigen Security-Mann, der sich ziemlich darüber ärgerte!

Übrigens, Neele hatte ihre pure Freude an den Affen, bis einer, der neben ihr sass, ganz dezent den Reissverschluss ihres Rucksackes öffnete…. so im Sinn: «ochh ich bin ganz unschuldig und ich weiss von nichts…» Von da an, war sie auf der Hut und es war ihr nicht mehr so ganz wohl bei der Sache! Es war ganz herrlich zu beobachten, wie diese Tiere sich verhalten. Menschengewöhnt und eben doch unabhängig wild. Vorallem war auch lustig zu sehen, wie die Menschen auf die Affen reagierten! Da war viel Schalk, Lust und Spass zu entdecken! Der Seilbahn-Wärter musste aber dann wieder gut aufpassen, dass keiner der Affen auf das Seilbahndach springt, und so den Weg ins Tal findet!

Mit der letzten Seilbahnfahrt kamen wir dann wieder zurück in den Ort, wo wir uns zuerst ein Bierchen im englischen Biergarten genemigten und dann – original amerikanisch – im BurgerKing einen Hamburger assen! Unterdessen war es nach 21 Uhr und dunkel. Gibraltar ist ausgestorben! Alle Touristen sind wieder auf den Kreuzfahrtschiffen oder sonstwo zurück und auch die Busse haben ihren Dienst eingestellt! So hiess es für uns den Weg zum Hafen zurückwandern, unter anderm über die Flugzeugpiste! Auch spannend 🙂

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Gibraltar, Do/Fr/Sa/So 1./2./3./4. September 2015

Unterdessen haben wir es so langsam zur Kenntnis genommen dass wir noch länger hier im Hafen von La Linea bleiben werden. Gott sei Dank sind wir nicht in Gibraltar eingecheckt, das wäre uns wohl um einiges teurer gekommen. So sind wir hier und nutzen die Zeit, um allerlei Dinge für die ARC+ und sonst noch, zu organisieren. Ich spreche von mir, wenn ich sage, dass alles für mich ein bisschen mühsam ist. Wir haben eine Liste mit Objekten, wie zum Beispiel Reservepatronen für die Schwimmwesten, Notraketen, oder Seekarten auf Daten, die wir noch zu Organisieren haben. Natürlich finden wir überall nur einen Bruchteil des Ganzen und der Kopf bleibt immer noch voll mit den anderen, fehlenden Dingen. Der eine Tag wandern wir wieder nach Gibraltar, um Nauticshops aufzusuchen und den nächsten plage ich mich mit dem alle 7 Minuten unterbrechenden Internet, um Navigationskarten von der Karibik auf eine Datenspeicherkarte herunterzuladen. Alles in allem habe ich das Gefühl, nicht vom Fleck zu kommen. Doch so gehts wohl allen mal. Doch in den frühen Morgenstunden, in welchen ich ein zwei Stunden in Ruhe an Deck verbracht habe als alle noch schliefen, dem Mövengekreisch und dem beginnenden Morgenlärm der Stadt zugehört hatte, fasste ich den Entschluss, dass wir nun doch einfach am nächsten Tag so viel wie möglich von diesen Sachen per Internet bestellen und nach Las Palmas senden lassen sollten. Es stellte sich dann sogar noch heraus, dass mein Schwiegervater nach Las Palmas kommt, noch besser! So können wir einige kleine Dinge von ihm bringen lassen! So entsteht wieder Entspannung und wir können unseren Aufenthalt hier, vor den Toren Gibraltars, wieder geniessen.

Unterdessen ist auch einiges los, hier an unserem Steg. Recht viele Boote die unterdessen angekommen sind, machen auch bei der ARC mit, einige davon auch an der ARC+ wie wir. (Die ARC geht eine Woche später los aus Las Palmas und geht direkt nach St.Lucia in der Karibik, die ARC+ geht zuerst noch zu den  Kap Verden und von da aus dann nach St.Lucia.) Es herrscht emsiges Treiben auf allen Schiffen. Es wird geputzt, geschruppt und gewaschen, entsorgt, versorgt  und vorgesorgt –  alles für die Überfahrt bereit gemacht. Natürlich fährt auch keines der andern Boote raus, auch sie warten alle auf Wind! Es ist fast nicht möglich, einfach untätig zu sein, bei so vielem emsigen Schaffen rundherum. Es ergeben sich Gespräche, was ich sehr toll finde, wobei sich herausstellt wie sich die jeweiligen Personen vorbereiten: Einige der Segler kaufen ein und kochen dann für eine Woche vor, wobei sie die Mahlzeiten einfrieren. Sicher auch keine schlechte Idee.

Alles in allem verbringen wir nun hier ruhige Tage. Gestern gegen Abend machten wir uns nochmals auf, um in La Linea herumzuwarndern – zuerst Tapas gegessen und dann, auf dem Heimweg, noch einen ultimativen Takeaway entdeckt. Riesige Pellkartoffeln, reich gefüllt mit allerlei Sachen: Schinken und Käse, Olivenöl und Oliven oder alles miteinander, sogar Thon, Salat und Meeresfrüchte. Und es wurde nicht gespart, viel Käse und viel Olivenöl wurde darauf getan, Hauptsache es schmeckt fein! Wir alle, vorallem Kim und ich, freuen uns sehr an solchen Kulinarischen Eigenheiten eines Landes!

 

 

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Gibraltar, Mo/Di 5./6. September 2015

Noch immer haben wir den markanten Felsen von Gibraltar und die Schiffe am Steg, als unsere tägliche Aussicht. Unterdessen haben wir auch schon das eine oder andere Gespräch mit andern Seglern geführt! Wir sind nicht die Einzigen die am Werken sind, da werden Winschen auseinandergenommen, Ankerlichter auf dem Top des Mastes montiert und Motoren werden repariert. Unser Vorhaben, unser Schiff mit einer grösseren Schraube auszurüsten – gerade vis à vis befindet sich eine Volvo Penta-Firma – hat sich wieder in Luft aufgelöst. Schritt für Schritt kamen wir der Information näher, welche Schraube wir haben müssten, aber die beste Variante wird nicht mehr produziert und die andere würde zu lange dauern, zum fertigen. Schauen wir weiter… Nun sind wir noch am Abklären wegen einem neuen Spinakerbaum. Das ist eine Stange aus Aluminium mit der man das Vorsegel ausbaumen kann. Für den Atlantik ist es super, wenn wir zwei davon haben, um zwei Vorsegel auszubaumen zu können. Es gibt dem Schiff Geschwindigkeit auch bei wenig Wind und auch Stabilität über die Wellen. Vielleicht klappt dies noch zu Organisieren! Unterdessen haben wir nämlich vor, Morgen so gegen elf Uhr, Richtung Kanaren, auszulaufen! 

Gestern namen wir uns noch dem Thema Satellitentelefon an, eine Woche auf See bietet eine gute Gelegenheit dazu, die Technik mal auszuprobieren! Schon zu Hause hatten wir kaum den Durchblick, wie, was, womit usw. Nach einem halben Tag studieren und ausprobieren, wissen wir nun wie es geht! Mit dem Fazit, dass es eine teure Angelegenheit ist und wir nur ganz kleine Gebiete vorhersagen lassen können, weil sonst die Daten zu gross werden. Doch es funktioniert mal als erstes! Vielleicht finden sich später mal, mit der Erfahrung und weiteren Recherchen noch andere Lösungen.

Wieder spreche ich von mir, wenn ich sage, dass es eine spezielle Woche war, hier im Hafen vor Gibraltar. Im Hinterkopf unsere erste grössere Überfahrt – mit dem Hinblick auf Weitere – und dem Wissen, dass wir nun das «Feriengebiet» Mittelmeer, verlassen werden! Bammel, würde ich dem sagen, verbunden mit dem Gefühl, alles hier noch organisieren zu müssen! Es ist an der Zeit, denke ich, aufhören zu studieren und die Leinen zu lösen! Mit Vorfreude auf die Überfahrt mit hoffentlich guten Bedingungen!

Atlantik, Mi/Do 7./8. Oktober 2015

Überfahrt zu den Kanarischen Inseln

Der Plan war, morgens um spätestens neun Uhr aus der grossen Bucht bei Gibraltar, auszulaufen. Eric, ein Südafrikaner der hier in La Linea eine Bleibe gefunden hat und sich seinen Unterhalt verdient, indem er die Schiffe der Segelreisenden nachrüstet, hat uns vorgeschlagen, unseren neu erworbenen Spinakerbaum bei ihm am Schiff frühmorgens, abzuholen. Erstaunt waren wir dann nicht wirklich, als der dann nicht fertig erstellt war! So verbrachten wir die zwei Stunden, wo die Meeresströmung, entstehend aus Ebbe und Flut, uns mit hinaus aus der Meerenge von Gibraltar gezogen hätte, bei Eric am Boot, mit Spinakerbaum montieren. Um elf war es dann soweit – wir konnten, vorbei an vielen riesigen Tankern und Frachtern, auslaufen, wobei wir einen jungen Schwertfisch einige Male aus dem Wasser springen sahen. Sein silberblau schimmernder Bauch glänzte dabei in der Sonne!

Wir waren gespannt und freuten uns auf die interessante Passage. Wir rechnen mit ca. 6 Nächte und Tage auf See, die Windbedingungen waren für ca. 4 Tage gut und für die restliche Zeit weniger, was ja aber auch immer besser kommen kann als erwartet. Unser Dieseltank würde im schlimmsten Fall für dreiviertel der Strecke reichen. 

In der Meerenge herrscht ein Verkehrstrennungsgebiet. Das heisst, die Schnellfähren, Frachter und Tanker kommen hinter- und nebeneinander in je der selben Richtung und in der Mitte gibt es eine freie Zone. Queren darf man das Gebiet nur im neunzig Grad Winkel. Die kleineren Fischerboote und Yachten müssen die Küstenzonen benutzen. Zuerst sind wir mit Gegenwind und Gegenströmung an der Spanienküste entlag gefahren. Wir beobachteten wie eine ganze Reihe Frachter hintereinander Richtung Atlantik unterwegs waren. Irgendwann brach die Reihe ab und keine Weiteren kamen nach. Wir packten die Gelegenheit und namen Kurs querab, im rechten Winkel über die Verkehrstrennung und hofften dass wir schnell genug sind und keinem der Frachter in die Quere kommen! (Wir konnten natürlich auch einfach ausweichen oder Kurs ändern, falls doch!) Wir kamen tiptop durch und waren schon bald an der Marokkanischen Küste. Schon von Weitem sahen wir ein Küstenwachboot, das penibel diversen Segelschiffe, unter anderem auch uns, per Funk mitteilte, die Marokkanische Küste von 4sm aussen vor zu lassen. Wenn wir näher als die 4sm an die Hoheitsgewässer Marokkos oder auch anderswo, kommen, müssten wir die gelbe Quarantäne oder Einklarierungsflagge hissen. So mussten wir unseren schönen Kurs ändern und weiter ausholen. Irgendwann gegen Abend, hatten wir dann unseren geplant-erhofften Wind von der Seite und konnten mit einer grandiosen Geschwindigkeit von mehr als 7 Knoten gegen Südwesten, über grosse Wellenberge, brausen! Nur drei Seemeilen voraus sahen wir dann die zwei Stunden vor uns ausgelaufene Yacht «Madeleine» eine Yacht geführt von zwei Paaren aus Schweden die an unserem Steg verweilten. Wir erkannten sie auf dem AIS und sie hatten das gleiche Ziel wie wir. Wir freuten uns schon auf die Gesellschaft und den Kontakt über Funk, doch leider waren sie plötzlich wieder auf dem Bildschirm verschwunden – und blieben es! Keine Ahnung, vielleicht hatten sie Kurs auf Marokko genommen?

Unsere Seefestigkeit musste sich erst wieder einstellen, Lenja und ich hatten vorerst ein bisschen zu kämpfen und lagen wann immer möglich. Kim und Neele waren wohlauf und Kim verköstigte uns mit warmer Gemüse-Kartoffeln-Teigwarensuppe! So endete das Tageslicht des ersten Segeltages und ich legte mich wieder hin um vorzuschlafen. Kim übernimmt die erste Wache bis Mitternacht. Wir konnten den Kurs und die Geschwindigkeit noch die ganze Nacht hindurch halten und kamen so ein schönes Stück voran. Meine Motivation während der Nacht hielt sich in Grenzen…immer noch nicht ganz wohl im Magen konnte ich es kaum erwarten bis ich mich wieder hinlegen konnte.

Doch langsam pendelte sich wieder Bordalltag ein, ich bin immer noch viel am Liegen aber auf einmal fühle ich mich wieder fit und munter, wie an Land – ohne komische Bauchgefühle, wunderbar. Auch den andern Familienmitgliedern geht es gut. Wir sind alle viel draussen im Cockpit, jeder hat sich ein gemütliches Plätzchen mit Decken und Kissen geschaffen und hören stundenlang Hörbücher. Und immer noch haben wir den konstanten Wind, unterdessen sehen wir kein Land mehr, nur noch die langgezogenen, blauen Wellen über die wir hinsurfen, und den Horizont. 

 

Atlantik, Freitag 9. Oktober 2015

Überfahrt zu den Kanarischen Inseln

In der Nacht, wechselten Kim und ich uns strenger ab, als sonst. Alle zwei Stunden lösten wir uns ab. Der Wind hatte im Verlaufe des Tages gewechselt und kam nun von hinten. Doch leider reichte seine Kraft nicht aus, um die Segel dauerhaft zu füllen, die Segel fingen an zu schlagen, sehr unangenehm, es knallt und schlägt und die Segel werden dadurch unnötig strapaziert. Es gibt kein Drumherum, wir müssen den Motor anwerfen, was wir leider dann auch fast den ganzen Tag beibehalten lassen mussten. Der Wind schlug einen Tag früher um als vorhergesehen, eigentlich hätten wir, gemäss Gribdatei, noch einen Tag und eine Nacht mit gutem Wind, segeln können. Aber da gibt es nichts zu ändern, wir hoffen einfach dass uns nochmals eine gute Portion Wind überraschen wird! 

Durch die Flaute, namen die hohen Wellenberge dann stetig ab. Sie waren immer noch sehr hoch, aber sehr langgezogen und flach, ein in kaum merklichliches auf und ab für uns, aber zum ansehen, gigantisch. Es kamen grosse, blaue, Wassermassen, sehr hoch, ruhig und eindrücklich, von der Seite auf uns zu, dann spürten wir wie das Schiff sich langsam darauf erhob und sich dann auch wieder langsam senkte. Ein spektakuläres Bild aber eine ganz harmonische Bewegung: So hatte ich das Meer noch nie gesehen.

Antreffen tun wir auf unserer ca.40sm von der Küste entfernten Strecke, fast nichts. So alle paar Stunden kreuzen wir in grosser Entfernung ein Frachtschiff. Es ist angenehm, wir müssen nicht die ganze Zeit aufpassen und können es einfach fahren lassen.

Trotz der Leere in der wir uns nun schon 48 Stunden bewegen, geht der Tag schnell um. Das Highlight heute war ein Bad im Meer. Im Gegensatz zu gestern, es war den ganzen Tag eher kühl, ich zog meinen Fleecetrainer nie ab, war heute schon früh eine warme Sonne da und ich zog freudig wieder mein alltägliches Tenue – den Bikini – an. Die Sonnenwärme ist wunderbar und tut gut, es reizt uns, uns in die ruhigen Fluten zu stürzen! Wegen dem Wellengang lassen wir den Motor leicht auf dem Standgas laufen und lassen ein langes Seil nachziehen. Neele und Lenja dürfen auch nacheinander, zusammen mit Kim, sich am Seil festhalten und nachziehen lassen. Neele quitschte vor Entzückung und Vergnügen, herrlich zu sehen! So hatten wir alle ein erfüllendes Erlebnis und liessen uns noch in der Sonne trocknen. Dann gibts Brunch, mit Eier und Käse und Wurst! Nach dem Abwasch schreibe ich meinen Blog und die Kinder spielen Karten, bis eines sich ungerecht behandelt fühlt und beide schmollen… Dann kommt wieder das Nächste… Neele beginnt, Briefe zu schreiben und Lenja liest auf dem IPad lustige Fakten, die sie uns immer wieder vorliest. Zum Beispiel solche wie: Wie viel Prozent haben in der USA die Bleistifte die Aussenfarbe gelb? Lernreiche und weniger lernreiche Fakten, also, aber unterhaltsam! Bald ist es dann wieder Zeit fürs Abendessen. Den Tag lassen wir mit unserem Hörbuch «Drachenreiter» von Cornelia Funke, ausklingen, bis das Abendrot am Horizont, verschwunden ist und es Dunkel wird.

 

Atlantik, Samstag 10. Oktober 2015

Überfahrt zu den Kanarischen Inseln

Die ganze Zeit, während wir zu unserer ersten grossen Überfahrt aufgebrochen sind, war bei mir immer latent eine gewisse Anspannung dagewesen. Unsicherheiten betreffend Wind und Wetter – was auf uns zukommen wird – hauptsächlich. Wir haben für ca 2-3 Tage eine Ahnung, welche Windverhältnisse wir erwarten könnten. Einen Tag früher als erwartet, schlief dann der Wind kurz ein und erwachte dann mit einer feinen Brise aus Südwest – geradewegs unseren Kurs auf die Nase. Nicht weiter schlimm, das Meer ist flach, wir kommen mit dem Motor gut weiter. Doch als ich von meiner wachefreien Zeit verschlafen ans Deck komme, bemerke ich dass der Wind auf die Nase nun merklich aufgefrischt hatte. Unterdessen hatten wir schöne 10-20 Knoten Wind. Das heisst, das Boot hat schon deutlichen Widerstand gegen die in der Kürze aufgebauten Wellen. Mit dem Motor gegen den Wind und die Wellen anzufahren ist Sisifus. Besser ist es immer, wenn schon, mit gesetzten Segel gegen Wind und Wellen anzukämpfen. Wir sind nun weit von der Küste entfernt im Atlantik und die Vorstellung von der Situation passte mir gar nicht! Als wir in Sardinien zu den Balearen aufbrechen wollten, hatten wir die selbe Situation kurz erlebt, worauf wir dann wieder umgedreht sind. Kurz gesagt, es hat mich gestresst. Wenn wir wüssten wie der Wind sich weiter entwickelt, könnten wir eine vorausschauende Kursänderung vornehmen. Wir probieren unser in Gibraltar geübtes System aus, über Satellit die Wetterkarte herunterzuladen. Es funtioniert dann beim zweiten, dritten Mal aber, upps… und Schreck! Woher läd er nun so viele Daten runter! Ich habe ein File von 20kb vorbereitet und das E-Mail Programm erhält nun noch zwei weitere, grosse Dateien! Das wird teuer – Lehrgeld sozusagen! Doch, nun wir haben unseren Grib für die nächsten 4 Tage und können weiter planen. Wir haben gelernt in der Navigationssoftware eine Strecke zu erstellen. Diese können wir dann in der Wetter-App auf dem IPad importieren. Dann programmiert die App anhand der Winddaten eine optimierte Route. Das ist toll, weil wir dann ungefähr sehen, wo wir zu welcher Zeit sind und welche Winde sind und können auch die optimierte Route für uns prüfen. Nach dem Anschauen des Wetters setzten wir die Segel und fuhren so hart an den Wind (so nahe an unseren gewünschten Kurs) wie möglich. Von Mitternacht bis heute Nachmittag um 14Uhr, fuhren wir den Ausweichkurs. 

Was für uns neu war, waren die Dimensionen auf der Seekarte und der Zeit. Wir haben auf unserem Bildschirm die Kanaren, diese sind aber immer noch mehrere Tage entfernt. Unser Ausweichkurs zeigte lange Zeit, 14 Stunden, Richtung Madeira. Doch auf die ganze Strecke gesehen war das ein Klacks, nach 14 Uhr heute Nachmittag drehte der Wind wieder auf West/Nordwest und wir konnten im Sauseschritt, direkt mit Kurs auf Gran Canaria, weitersegeln. Mein Fazit für lange Überfahrten: Den Kurs an die Bedingungen anpassen und nicht unbedingt aufs Ziel. Ich bin lieber einen Tag oder mehr, länger auf See als miserable Bedingungen für Schiff und Mannschaft auszuhalten!

Unterdessen ist halb zwei in der Nacht und wir fahren seit ein paar Stunden wieder unter Motor. Der Wind ist weg und die Wellen auch. Nun sind wir aber unserem Ziel schon sehr viel näher gekommen. Je nachdem auf welcher Insel wir schlussendlich anlanden, sind wir in 2-3 Tagen in den Kanaren. Heute ist die vierte Nacht unterwegs und es geht allen gut.

Ich bin in nächtlicher Fitness und geniesse die Ruhe um mich. Alle Viertelstunde werfe ich einen Blick über unseren Bug ins Dunkle und probiere Lichter von andern Schiffen zu erspähen. Meistens sehe ich nur das davonrauschende, leuchtende Plankton von von unserem Schiff erzeugten Wellen und der stille Nachthimmel.

 

Atlantik, Sonntag 11. Oktober 2015

Überfahrt zu den Kanarischen Inseln

Heute gabs teilweise wunderbaren Segelwind. Mit 7-8 Knoten kamen wir stundenlang voran. Die Insel Graziosa war heute gegen Abend in Sichtweite und Neele rief: «Land in Sicht!» Wir hatten beschlossen, Gran Canaria direkt anzulaufen, nicht wie geplant zuerst auf Lanzarote oder Fuerteventura. Durch unseren zusätzlichen Schlenker von ca.18 Stunden haben wir Zeit verlohren. Unser geplanter Ankunftstag im Hafen von Las Palmas ist der 16. Oktober, den haben wir fixiert und die Strecken von den einzelnen Inseln zueinander sind mindestens 24 Stunden auseinander, das wird zu stressig. Kim und ich haben zu uns gesagt, dass wir so viel Schönes, schon im Mittelmeer wegen Zeitmangel, auslassen mussten. Auch die Marokkanische Küste wäre sicher sehr spannend gewesen, von den andern Kanarischen Inseln nicht zu sprechen! Eigentlich hätten wir im Frühling schon losziehen sollen :-)! Aber wir sind natürlich zufrieden mit all dem, was wir gesehen haben und noch zu sehen bekommen!

Nun werden wir voraussichtlich morgen in der Nacht in Las Palmas de Gran Canaria, ankommen. Dort sind wir dann fast drei Wochen im Hafen und werden Zeit haben, unser Schiff noch fertig mit Kleinigkeiten auszurüsten, uns auf die ARC+ mit vielen Informationen und Kennenlernen anderer Segler, vorzubereiten und die Insel mit dem Auto zu erkunden. Wir freuen uns schon alle darauf! Neele freut sich besonders auf andere Kinder, hoffentlich wird ihr den Wunsch erfüllt! 

Die Stimmung an Bord war heute war gut. Kim hatte schon zum Frühstück Crepes gebacken! Am Nachmittag durchstöberten wir alle Schränke der Bordküche um Backpulver zu finden und wurden fündig! Damit entstand ein Blechkuchen Schokostücken und Baumnüssen. Später will Kim dann mal noch einen Kuchen mit Fruchtsalat aus der Dose versuchen. Alles sowas ist in unserem schaukelndem Zuhause etwas besonderes! 

Am Abend hatten wir uns dann die ganze «Best of Peter Räber» Doppel-CD reingezogen. Irgendwie gehört die Musik mindestens einmal auf jedem Törn, dazu. Es ist schon eine ganze Weile her, als der Musiker zu seiner Segelreise aufgebrochen ist, und doch ist er immer noch in den Köpfen vieler Menschen, wenn es um Reisen um die Welt mit dem Segelschiff, geht. Sehr schnulzig auf eine Art, ist seine Stimme und die Musik mit dem Keyboardhintergrund, aber oft auch einfach stimmig und schön! Besonders die Texte.

Unser Schulthema ist etwas anderes. Wir stossen auf so viel Unmut, Widerwilligkeit und Desinteresse, wenn wir Arbeiten von den Beiden verlangen. Kein Vergnügen. Vorallem unserer Grossen (11.5J) fehlt momentan noch der eigene, innere Antrieb, gepaart mit der Vernunft. Die Lust sich etwas zu erarbeiten, sich etwas anzueignen und darin sich zu entwickeln. (Jegliches Interesse ist unterstützenswert und bekäme von uns alle Aufmerksamkeit.) Auch das Überwinden des inneren Schweinehundes ist natürlich ein Thema in dieser Beziehung, 😉 tun weil es getan werden muss. Die Kinder in unseren Schulen funktionieren hauptsächlich durch Gruppendruck, das konnten wir nun gut feststellen. Lenja hat Zuhause ihre Sachen betreffend Schule so pflichtbewusst und fraglos, erfüllt. Aber es war einzig und allein, weil alle Anderen es auch tun mussten und taten. Funtionieren. Dieser Druck fällt nun ganz weg und übrig bleibt eine Lethargie. Es ist für sie einen grossen Schritt in die Selbstverantwortung, die wir nun von ihr fordern. Irgendeinmal, spätestens bei Lehrbeginn, müsste dann sowieso Eigeninitiative und Interresse von dem jungen Menschen kommen, was oft auch dann noch, bei vielen Jungen heute, fehlt. Es kann gut sein, dass unsere Reise für Lenja in dieser Beziehung eine grosse Chance ist. Wir hoffen es und glauben daran. Das Gute ist auch, dass wir Zeit haben, es kann sich entwickeln. Bei Neele ist es natürlich ein anderer Fall. Da ist es noch ein bisschen einfacher. 🙂

Unterdessen ist es Nacht geworden, halb zwei. Der Himmel ist bewölkt und wir kamen vorher kurz in ein kleines Gewitter. Mit dem vielen Salz in der Luft, vorallem in der Nacht, war es ein Vergnügen, das Gesicht von den Regentropfen waschen zu lassen! Für eine Regendusche auf dem Deck war der Regen aber dann doch zu wenig! Das Meer hatte heute wieder diese riesigen, blauen Berge, die langsam auf uns zukamen und unter uns wegtauchten. Es erstaunlich, wie schnell sich die Wellensituationen verändert, bei nur ein paar wenigen Stunden Wind. Wir sind weit auf dem offenen Meer, genannt Atlantik und er meint es bis jetzt ganz gut mir uns! 

 

Atlantik, Montag 12. Oktober 2015

Überfahrt zu den Kanarischen Inseln

Der letzte Tag auf See raste vorbei, wie die Anderen. Zwar mit zu wenig Wind, doch Diesel ist noch genügend da. Wir sehen die Insel voraus und es entwickelte sich je näher sie kommt, eine aufgeregte Stimmung an Bord. Bald wieder an Land! Neele ist wohl diejenige von uns, die sich am meisten freut, vorallem weil wir auf den Kanaren eine Famile mit drei Jungs kennenlernen werden. Es ist vorauszusehen, dass wir um ca halb sieben am Abend, ankommen werden. Das Hafenbüro sollte um diese Zeit noch offen sein und es ist noch hell. Perfekt. Über uns scheint die Sonne und der Himmel ist blau – die Insel aber hat einen grauen Hut mit Regenwolken! Las Palmas ist ein riesiger Hafen, beim Näherkommen sehen wir sogar eine Ölplattform, die hier wahrscheinlich reparariert wird und viele Containerschiffe. Viele Hochhäuser säumen die Stadt, nicht wirklich romantisch. Die Kinder schauen ein bisschen lang, und als wir dann das Schiff vor dem Marinaoffice festgemacht hatten, das sich inmitten eines riesigen Hafens befindet, umringt von Strassenlärm, meinte Neele: «Mir gefällt es hier nicht, es ist nicht schön!» Dabei hatte sie sich für den Landgang speziell herausgeputzt! Das Hafenbüro war dann doch zu, komischerweise. Wir brachten dann in Erfahrung, dass in Spanien einen Nationalen Feiertag ist. Es gibt hier das gute System, dass man hier bei Nacht in den Hafen hineinfahren kann und vor dem Office an einem langen Steg, vorübergehend festmachen kann. So haben wir einen sicheren Platz und sind am Morgen nahe um uns anzumelden. Nach einem feinen Znacht an Bord schliefen wir wie tote Fliegen, die ganze Nacht pausenlos hindurch. Einen kurzen Moment lang, wie wir so im Bett lagen,  stellten wir fest, wie wie ruhig wir auf der Matraze liegen können – kein Schaukeln – nichts! Wieder ein anderes Gefühl nach einer Woche Dauerbewegung!

 

 

 

 

 

 

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