7. Spanien

Spanien, Montag 21. September 2015

Der Abschiedschmerz war am nächsten Morgen gleich schwer, wie die Freude des vorherigen Wiedersehens! Doch die Reise geht weiter und es wird wohl noch mehrere Ablegemanöver geben, mit Kaugummi dran – schwer zum wieder loskommen! Doch bald sind alle wieder zufrieden. Wir fahren unter Motor – der Wind kommt genau aus der Richtung wo wir hinwollen – und später legten wir dann noch ein paar hart erkämpfte Meilen, mit aufkreuzen zurück. Der ruhige Ankerplatz fanden wir dann an einem langen Sandstrand, ohne Hochhäuser hintendran, sondern nur ein paar Camper, nicht unsympathisch! Wir hatte auch mit den Bedingungen Glück, sanfte Wellen und quasi Windstill, liess uns so ruhig schlafen wie im Hafen.

 

Spanien, Dienstag 22. September 2015

Schon wieder haben wir einen spontanen Freundetreff in Aussicht! Es ist bald Herbstferien in der Schweiz und Freunde von uns mit drei Mädels im gleichen Alter machen Ferien in der Nähe von Malaga, in Nerjo. Wir sind zurzeit ca. 250SM von der Ortschaft an der Spanischen Südküste, entfernt. Auf Morgen Mittwoch ist für uns guten Nordwestwind angesagt und so werden wir morgen wieder einen Nachttörn einlegen. Heute war der Wind immer noch direkt auf unsere Nase, so haben wir zwei Badehalte eingelegt und den Rest sind wir aufgekreuzt. Es ist wunderbar sonnig und windig und das Wasser nach dem vielen Wind doch merklich kühler! Die Nacht verbringen wir gut geschützt im hinteren Teil der riesigen Hafenanlage vor der Stadt Torreviejo, vor Anker. Der Ausflug ans Land, wo auch das standby liegende Kreuzfahrtschiff seine Passagiere hinbrachte, hat uns nicht aus den Socken gehauen. Torreviejo tönt für mich so ursprünglich und malerisch. Doch die Stadt hat riesige Aussmasse und wirkt – hinter der herausgeputzen Promenade – doch recht trostlos. Was besonders war an dem Ort, waren wohl die Salzsalinen am Rande der Stadt. Im Hafen fanden wir das riesige Förderband mit den darunterliegenden Rohsalzbergen, immer noch im Einsatz, was toll zu sehen war. 

 

Spanien, Mittwoch 23. September 2015

 

Wir haben schon morgens guten Wind wie vorausgesagt, so sind wir schon bald unterwegs übers blaue Wasser mit den weissen Schaumkronen. Wir kommen wunderbar voran mit immer über 6 Knoten Fahrt. Als wir Kurs ändern müssen da die Küste weiter südwestlich verläuft, sind wir froh dass die Fahrt immer noch flott weiter geht, da der Wind nun doch recht von hinten kommt. Wir haben sogar einen so super Kurs den ganzen Tag lang, dass auf dem Schiff eine wahre Freude am Werken ausbricht! Für die ARC müssen diverse Sicherheitsbestimmungen erfüllt werden, so haben wir zu tun mit Schwimmwesten mit Lämpchen und Sprayhood nachrüsten, die Lifline haben wir montiert (eine Sicherheitsleine die vom Heck zum Bug führt und an die wir uns mit Gurten festmachen können, wenn wir in der Nacht oder bei schwerem Wetter aus dem Cockpit gehen müssen, um etwas zu machen.) Und die Kinder haben mit dem Filzstift die Rettungsringe mit dem Schiffsnamen versehen. Kim versuchte zu guter Letzt, noch einen Platz an der Reling für unseren Aussengrill, zu finden – was leider scheiterte! Zwei Motoren und diverse andere Dinge wie der Rettungsring, besetzen schon den Platz. So haben wir einen zufriedenen, beschäftigungsreichen Tag verbracht. Unterdessen ist die Nacht hereingebrochen und leider auch der Wind.
 Um Neun legte ich mich dann schon mal schlafen, damit ich für die erste Wache um Mitternacht fit bin. Das Schlafen mit Motorengeräusch ist für mich kein Problem, um halb zwölf übernehme ich und wir können sogar wieder Segel setzten! Die Nacht verläuft dann im grossen Ganzen recht ruhig, wir wechseln ab zwischen motoren und ausgebaumter Genua, die sich dann aber während meiner Wache am Morgen plötzlich losgelöst hatte. Da gabs für mich kurz Aufregung und Kim musste kurz helfen kommen! 

 

Spanien, Donnerstag 24. September 2015

Wir sind mit dem Motor unterwegs. Am Morgen begegnen wir einem Segelschiff das mit nur der Genua friedlich vor sich her dümpelte… Kurz geht mit durch den Kopf: Der hat Zeit! Es hat wirklich nicht viel Wind, aber diese Begegnung hat mich dazu animiert, auch die Segel zu hissen – und dann halt langsam, aber dafür in aller Ruhe – vorwärts zu kommen. So sind wir dann mit zwischen 2.5 bis 3.5 Knoten, mehrere ruhige Stunden unterwegs, bis dann aber der wenige Wind noch ganz wegfiel. So liessen wir die ELAS treiben und sprangen ins Wasser! Es ist hier immer noch sehr sonnig und warm! Am früheren Nachmittag nehmen wir langsam wieder Kurs an die Küste. Wir sollten beim Motor den Ölwechsel vornehmen, so entschieden wir einen Hafen anzulaufen wo wir dann auch das Altöl entsorgen können.
Wie wir es gewusst hätten, ist unser angelaufener Hafen in Adra, der perfekte Ort für unser Vorhaben! Besser hätten wir es nicht planen können! Es ist keine Marina sondern ein Hafen mit einem Yachtklub und kleiner Werft. Uns wird der Platz zuvorderst neben dem Kran, der Altölrückgabe und den Duschen, zugewiesen. Dann begann das Abenteuer Ölwechsel! Wir kriechen von beiden Seiten in den Motorenraum und Kim verucht mir schweisstreibendem Kraftaufwand, mit einer kleinen Hand-Ölpumpe insgesamt vier Liter Öl aus dem Motor herauszupumpen. Doch kommt meistens nur Luft und ringsum Kim wird die Schweisslache immer grösser! Also, ander Lösung suchen. Der ältere Herr der uns in den Platz eingewiesen hatte, sah sehr fachmännisch aus in Bezug auf das ganze Handwerk rund um Schiffe und Motoren, und so fragten wir ihn ob er vielleicht eine Automatische Ölpumpe hätte. Er gab uns eine und schnitt daran sogar den Schlauch ab um einen dünneren für uns anzuschliessen. Mit dieser Pumpe gings dann wie am Schnürchen und die vier Liter Öl waren draussen. Weiter ging dann das Projekt mit dem Wechsel des Ölfilters. Wir hatten noch einen Reservefilterauf auf Lager vom früheren Besitzer der ELAS. Ironischerweise passte er nicht, was wir wirklich nicht vermutet hätten! Der gütige Mann vom Hafen war nochmals sehr hilfsbereit und fuhr Kim mit dem Auto zu einem Händler. So konnten wir auch dieses Vorhaben erfolgreich beenden. Der gute Mann legte dann das Geld, das wir ihm zugesteckt haben, wieder aufs Schiffsdeck – er wolle nichts! Schön, solche Begegnungen!
Das Werken ging weiter – der Autopilot machte während der Überfahrt mit grossen Wellen so schlagende Geräusche. Wie ein Detektiv ging Kim auf Spurensuche – wieder kopfsüber in die hinterste Ecke des Schiffshecks. Er fand ein Teil des Autopiloten, das Spiel hatte und wir versuchten dann dieses mit Kunsstoff zu füllen – bis jetzt scheint es geklappt zu haben! Ja, es gibt immer etwas zu tun auf einem Schiff und bleibt spannend – gerade wird wieder gewerktelt – aber mehr dazu im Blog vom nächsten Tag!
Nach getaner Arbeit und einer Dusche gingen wir die Stadt Adra an der Südküste Spaniens näher anschauen. Es hat hier so lustige Chinawaren-Läden mit allem erdenklichen Ramsch und Krimskrams was uns drei Frauen natürlich gefallen hatte! Der Ort ist sehr authentisch mit einem grossen Kulturengemisch. Araber, Inder, Chinesen leben hier nahe beieinander. 

 

Spanien, Freitag 25. September 2015

Bei absoluter Windstille unterwegs sind wir wie gesagt wieder am Werken. Der Baum wird während der Fahrt vom Mast abgeschraubte (!) und mit Gummiringen bestückt, dass er nicht klappert. «Kommt es wohl gut was wir machen?» ist die meistgestellte Frage bei solchen Unternehmungen. Aber bisher waren wir zusammen ein recht gutes Team, hatten eine gute Intuition und Vorstellungsvermögen und wahrscheinlich auch immer eine Prise Glück! Der Baum ist wieder dran und nun ist Kim daran, den Service an den Winschen zu machen. Altes Fett weg und neues Fett rein. Die Kinder sind auch angesteckt von der Werkerei und haben ihre eigene Werkstatt, auf dem Kabinenboden, eingerichtet. Es werden mit Bohrer, Leim und kleinen Holzfundstückchen, Schiffchen gebastelt!

 

Spanien, Samstag/Sonntag 26./27. September

Noch am vorhergehenden Abend haben wir in Nerja unsere Freunde getroffen, die hier ihre Herbstferien verbringen. Wir haben nun doch einige Küstenorte in Spanien aus der Ferne und auch aus der Nähe betrachten können, aber Nerja ist wirklich ein spezieller, wunderschöner Ort. Besonders die Strände sind wunderschön. Einige grosse Felsbrocken (Mergelgestein) liegen seit Jahrhunderten an den Enden der Sandstränden, umspielt mit smaragdgrünem Wasser, mit den perfekt geformten, weissen und schwarzen Kieselsteinen. Ich habe noch nie so schöne Kieselsteine gesehen und konnte nicht aufhören, diese zu sammeln! Die Ortschaft selber ist sehr gepflegt, mit wunderschönen alten Altstadthäusern und auch die Neubauten sind dezent eingebettet, so dass es ein harmonisches Stadtbild ergibt. (Nicht wie vielerorts an der Spanischen Küste, wo sich Hochhausreihen am Strand aneinander aufreihen.) 

Wir hatten zwei wunderbare Tage in Nerja, am Strand – im Städtchen – und im gediegenen Altstadthaus unsere Freunde, mit dem wunderbaren, mit duftendem Jasmin und andern Pflanzen, bewachsenem Innenhof. Die Kinder genossen die Abwechslung der Gesellschaft der anderen drei Mädchen, zwei Tage anderes Leben! 

 

Unser Schiff lag derweilen vor Anker – in der ersten Nacht noch ganz friedlich, still wie im Hafen. Am zweiten Abend, nach doch längerem Auskundschaften der Altstadtkneipen von Nerja, fanden wir eine hüpfende und auf grossen Wellen schlingernde ELAS, vor Anker, vor! Unerwarteterweise (trotz Wetteranalyse) war wohl sehr viel Wind weiter draussen auf dem Meer, zwischen Afrika und Europa, und liess grosse Wellenberge bis an die Küste von Nerja entstehen. Den Kindern gönnten wir nochmals eine Nacht mit den andern Kindern in der Ferienwohnung der Freunden, uns so waren wir in dieser katastrophal-mühsamen Situation blockiert und konnten nicht den Anker heben, was wir auf jeden Fall getan hätten. Auf dem schlingernden Schiff ausharren bis der Morgen kommt, war angesagt. An Schlaf ist nicht zu denken, das Geschirr und Vorräte in den Schränken rutschen von der einen Seite zu der andern – ein Höllenlärm und entspannt im Bett liegen ist eine Unmöglichkeit. Doch irgendwann ist Morgen und wir satteln das Beiboot um, auch auf abenteuerliche Weise, am Strand anzulanden. Doch es geht gut, eine grosse Welle nimmt uns mit und wir tragen mit Schwung das Gummiboot weiter den Sandstrand hinauf, in Sicherheit. Eine halbe Stunde später sind wir alle versammelt am Strand: Unsere Familie, die Familie unserer Freunde – und die Hotelgäste des Strandhotels am Morgenessen auf ihren Balkonen. So hatten wir genügend Zuschauer, wie wir unser Gummiboot wieder zu Wasser und in die tosenden Wellen brachten (hoffentlich ohne Überschlag!) um wieder zu unserem Segelschiff zu kommen. Beherzt und blitzschnell gelang es uns dann, aus der Gefahrenzone hinaus zu rudern – ein lustiges Bild hat es aber doch wohl trotzdem ergeben! Ein letztes Winken mit Armen und Rudern gegen Land war dann wieder unser Abschied – die Reise geht weiter!

 

(noch Ruhe)

Spanien, Montag 28. September

Die Wellen sind noch den ganzen Tag mit uns. Doch ist es um einiges angenehmer, unterwegs zu sein und zu fahren als irgendwo am Anker zu hängen. Eigentlich sollte viel Wind sein aber wir verbringen den ganzen Tag mit Motoren. Der wenige Wind kommt von hinten und bei den grossen Wellen bräuchte es sehr viel mehr Wind um schön voran zu kommen. Das Schiff wird immer noch teilweise über grosse Wellenberge geschubst, so dass Dinge die nicht festgemacht sind, von der einen auf die andere Seite fliegen. Wie das dann auch unser neuer, teurer Top-Feldstecher mit integriertem Kompass gemacht hat: Vom Deck über die Reling – ins Wasser, ohne auch nur den geringsten Platscher zu verursachen! Da half auch kein Suchen nichts mehr!

Gegen Abend waren wir auf der Höhe von Marbella, wo wir dann auch im Puerto Deportivo, festgemacht haben. Endlich Ruhe vor den Wellen, wir hörten sie nur noch draussen an und über die Hafenmauer preschen! Marbella war in der momentanen Nachsaison noch immer voll von Touristen und es war erstaunlich wie viele Gastronomiebetriebe nebeneinander bestehen konnten. Eine Bar neben der anderen und das selbe bei den Restaurants. Wir kauften zufrieden etwas ein – Lauch! und kochten uns dann ein feines Znacht auf dem Schiff.

 
 

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