5. Süditalien

Tag 25

Italien Sa. 22. August 2015

Am morgen um halb zehn war der Polizist immer noch nicht bei uns, um unsere Daten zu bestätigen! Vielleicht heute, vielleicht morgen oder auch nicht. Wieder beim Hafenamt, erfuhr ich nach langem recherchieren der Costa Marina, dass wir uns als Schweizer gar nicht einklarieren müssen! Das kann gut sein, denken wir darauf. Es ärgert uns ein wenig, weil wir solange festgehalten wurden ohne vom Schiff weg zu dürfen. (Am Abend war ich das schöne Städchen mit den Kindern ohne Kim entdecken gegangen.) Aber wir wollten es halt einfach korrekt machen, kamen ja auch von Albanien her. Mit dieser Info machten wir uns auf den Weg, es hatte immer noch guten Wind!
Wir fuhren parallel zur Küste südlich und fuhen nach ein paar Meilen in einen kleinen, schmucken Fischerhafen. Es war ein kleiner Hafen wie im Bilderbuch: Wer den Film «Marcello Marcello» kennt, kann es sich vorstellen. Aber unser Boot war zu lang für den letzten Platz da und so mussten wir leider wehmütig wieder gehen – oh, das hätte uns allen gefallen da! Nun sind wir zu unterst an Italiens Absatz, in der Marina Porto Santa Maria die Leuca.

Wir brauchen eigentlich nichts, Wasser, Srom oder Internet, von der Marina. Sind ein bisschen am hin und her entscheiden, ob wir nicht doch vor Anker gehen wollen. Aber der Aspekt dass wir ziemlich viel Getränke einkaufen müssen, liess uns dann entscheiden, in die Marina zu gehen. Wir mussten dann aber bemerken, dass alles sehr weitläufig war. So kam dann zum ersten Mal unser zusammenklappbarer Bollerwagen zum Einsatz, den wir dann stolz und mit einem Grinsen, über den Steg an den anderen Schiffen vorbei, zogen! Mit dem konnten wir dann gemütlich zum Supermarkt laufen und literweise Orangensaft, Wein, Milch und diverses anderes Futter zum Schiff bringen! Santa Maria di Leuca ist recht gross und bietet viel touristisches. Nach dem Eindunkeln sehen wir nur noch herausgeputzte Menschen Richtung Restaurant-Meile pilgern. Natürlich pilgerten auch wir los um zu sehen, was es da so alles gibt und laufen wir immer recht weit. Das nennen wir dann «Sportunterricht»! Ein bisschen müde von all den Menschen, finde ich persönlich, es wäre für uns wieder mal Zeit für eine einsame, ruhige Ankerbucht – weg von den Menschen, nur wir vier!

 
Tag 26
Italien So 23. August 2015
Die Ankerbucht lag dann schlussendlich direkt vor dem Hafen. 🙂
Um weiter zu reisen gab es für uns zwei Möglichkeiten, entweder dem Absatz entlang wieder nördlich «hinaufzuklettern» und auf der andern Seite wieder zurück oder: warten auf Wind und dann den Schlag (60sm) hinüber zur Mitte der Stiefelsohle zu segeln. Wir entschieden uns für diese Variante und somit ergab sich einen sehr ruhigen Ankertag. Nur einmal kurz waren wir am Land. Die Kinder schafften es danach drei-vier Stunden lang intensiv zu Zeichnen und dazu Hörbücher zu hören. Das ist auch eine Qualität (!) und es entstanden zwei wunderschöne Schiffszeichnungen!
Tag 27
Italien Mo 24. August 2015, Überfahrt 60sm
Um neun Uhr morgens hebten wir in Santa Maria di Leuca den Anker. Es ist motoren angesagt. Noch ist kein Wind. Die Prognosen sagen für die nächsten Tage generell weniger Wind, so war für uns klar dass wir so oder so aufbrechen werden. In dem ersten Drittel unserer Stecke war es immer ein hin und her mit motoren und segeln – unsere optimale Reisegeschwindigkeit wäre durchschnittlich 5 Knoten, dann kommen wir noch bei Tageslicht an unserem Zielpunkt Ciro Marina, an. Wenn wir also nur noch 3 Knoten oder weniger schnell sind, werfen wir dann wohl oder übel den Motor an. Während diesem hin und her, rief mich Kim mal nach hinten, ich war vorne am Bug, ich müsse schauen kommen: Keine Ahnung was er mir zeigen wollte, mir war gar nichts aufgefallen, hatte ich zwei grosse Fragezeichen in meinen Augen! Der Blick am Heck ins Wasser runter, war erstaunlich: Da hingen vier dick gestreifte Fischkörper (wie Meerkatzenschwänze) in unserem Fahrwasser…Waren wir in ein Netz gefahren? Nein, das konnte nicht sein, die Fische sahen aus wie geangelt und nach gezogen – oder, schwimmen diese in unserem Fahrwasser, frei mit? Es war lustig zu sehen und was auch noch spannend war, war dass unser Fishfinder dauern reklamierte, es sei zu wenig tief – bei 1000m Wassertiefe. Wir konnten dann das Rätsel mit der Unterwasserkamera lösen. Da waren nicht hunderte, sondern einfach die vier, von denen wir die Schwänze gesehen haben, die sich munter in unserem Kielwasser mitziehen liessen! Die Kamera im Wasser hielt sie auch nicht davon ab, wegzuschwimmen, sie wichen einfach ein bisschen aus und gaben Gas um wieder in der Welle mitgezogen zu werden! 
Erst als dann wirklich noch guter Wind auftauchte, so nach der halben Strecke, hängten wir die blinden Passagiere ab, bei 7-8 Knoten Fahrt! Der zweite Teil der Überfahrt war so traumhaft schön, schnell und fast ohne Wellen, pflügten wir uns durchs Meer Richtung Ciro, wo wir dann beim Sonnenuntergang den Anker, vor einer langen, langen Sandbucht, warfen.
 
 
 
 Tag 28
Italien, Di 25. August 2015
Unser nächstes Ziel war die Hafenstadt Crotone, welche wir gemächlich, teils unter Segeln und teils unter Motor, ansteuerten. Die Südküste Italiens sieht ganz anders aus, als ich mir vorgestellt hatte. Irgendwie stellte ich sie mir pittoresker, romantischer vor. So ähnlich wie die Cinque Terre. Auch dachte ich es sei felsiger. Hier ist jedoch viel Sandstrand – nicht so überfüllt wie in Rimini – das Land ist hügelig, viele Flüsse gehen ins Meer und die Städte sind mit Hochhäusern bestückt, die alle in warmen Farben bemalt sind. Crotone war so eine Stadt, die farbigen Hochhäuser passten gut zur Bergkette im Hintergrund, da wollten wir unsere Entdeckungen machen. Wir haben uns ein Ziel gesetzt, nur wenn wirklich nötig, in einen Hafen/Marina, einzulaufen. Da wir gut mit Lebensmitteln, Wasser und Strom versorgt waren, entschieden wir uns vor dem Hafen am Strand zu ankern und das Dinghi für den Landgang zu nehmen. Es war gegen Abend und wir waren nicht lange am Anker, die Kinder waren schwimmend auf dem Weg zum Strand, kamen zwei jüngere Typen Richtung Schiff geschwommen. Wir bemerkten es und wunderten uns schon ein bisschen – ich zog mal so profilaktisch die Badeleiter hoch. Ein paar Meter vor dem Schiff fing der Eine an zur rufen: «Help me! Help me!» Naja, er war ja bisher sehr gut hierhergeschwommen….! Also wirklich eine eher unangenehme, unklare und schräge , mühsame Situation. Dann schmeisst Kim ihm cool Neele Bademätteli zu! So – das wärs also. Aber es war ja schon klar dass die etwas anderes wollten – was, war nicht wirklich klar. Sie maulten dann ein bisschen herum, hielten sich an unserer Windsteuerung fest und waren immer dezent versucht aufs Schiff zu klettern. Unterdessen kamen die Kinder auf halbem Weg zurück – Neeles Bademätteli in fremden Händen, das geht doch nicht, so kamen sie schauen was da los war 🙂 Das gab den zwei Typen dann langsam den Anlass wieder zu verschwinden – mit Neeles Matte! Kim ist nun entgültig der Kragen geplatzt und er stürzt sich mit einem Köpfler ins Wasser, krault schreiend und angriffslustig auf sie zu und verjagte die beiden, wie wir unterdessen erfahren hatten, Ägypter, definitv. Was wollten die beiden, auskundschaften? Es war klar dass wir diese Nacht sicher nicht da vor Anker bleiben werden, also, Fender montieren und ab in den Hafen – hoffentlich hat es noch Platz!
 
Tag 29
Italien, Mi. 26. August 2015
Wir konnten im Hafen noch Tip Top festmachen und genossen es uns in Sicherheit zu wähnen und einen gemütlichen Abend mit Nachtessen im «Gamberi Rosso» in der Stadt zu geniessen. So war dann am Morgen, warten auf den Wind, Wäsche waschen und einkaufen, angesagt. Crotone besitzt auch eine interessante Altstadt, welche wir auf diesem Weg entdecken konnten. Anfangs Nachmittag segelten wir wieder los, weiter der Küste entlang. Beim langen Sandstrand bei San Leonardo di Cutro legten wir in Abgeschiedenheit unseren Anker. Unterwegs hatte es hier die wunderschönsten Quallen die ich je live gesehen hatte: Riesige, weiss-blaue mit langen, dicken Tentakeln mit blauen, runden Enden dran, die waren sicher insgesamt einen halben Meter lang! In diesen schwimmen wollen nun aber doch lieber nicht und so sind wir froh dass am Ankerplatz keine von diesen Teilen mehr im Wasser dümpeln.
 
Tag 30
Italien, Donnerstag 27. August 2015
Wir kommen mit gutem Wind voran, unterwegs der Südküste Entlang Richtung Sizilien. Nutzen die Zeit immer wieder um mit den Kindern zu lernen. Klappt doch schon ein bisschen besser! Der Blick auf die Küste zeigt langsame Veränderungen – Sie wird wieder bergiger, aber was gleichbleibend ist, sind die langen, durchgezogenen Sandbänke. Recht praktisch zum ankern, wir müssen gar nicht weit voraus Ankerplätze suchen, es ist überall möglich. Wir kommen an diesem Tag bis Monasterace, wo wir auch wieder mal das Dinghi zu Wasser lassen um zu schauen wo wir gelandet sind. Es ist ein kleiner Ort, ein grösseres Dorf, mit einzwei Pizzerias, ein paar Läden – nicht sehr romantisch aber allsamt ein ruhiger, friedlicher Ort wo die Italiender draussen an der Promenade auf den Bänken sitzen, bis es dunkelt.
 
Tag 31
Italien, Freitag 28. August 2015
Motoren, den ganzen Tag! Aber da wir doch vorwärts kommen wollen/müssen, bleibt uns nichts anderes übrig. Ein bisschen enttäuscht, vorallem Kim, ankern wir am Sandstrand in der Nähe von Palizzi Marina. Ich bin motiviert den vorausgesagten Nachtwind, der um Mitternacht angesagt war, auszunutzen. Die Idee war, von 24 Uhr bis um 6 Uhr zu segeln und dann nochmals zu ankern um ein wenig Schlaf nachzuholen. Wir stellten uns vor dass wir in dieser Zeit die kurze Westküste, die Zehenspitze von Italiens Stiefel, Richtung Messina, hinaufkommen werden. Wir erwachten um 1 Uhr vom Gesurre des Windgenerators und der Windmesser zeigte gute 9 Knoten Wind an! Wir freuten uns auf das «fast Vollmond-Nachtsegeln», doch nach genau 15 Minuten war der Wind bei 3-4 Knoten angelangt, was kaum noch zum vorwärtskommen reicht! Nach zwei Stunden gaben wir die Hoffnung auf mehr Wind wieder auf – zumindest hatte die Motivation gestummen!
 
Tag 32
Italien, Strasse von Messina
Samstag 29. August 2015
Auch in der Schweiz sei es noch immer Wetter wie im Hochsommer, haben wir erfahren. Wir haben auch um Mitternacht nicht mehr als ein TShirt an und sind oft in diesem um diese Zeit noch verschwitzt. Wir geniessen die Wärme, es ist toll. Es war ein wenig Wind gemeldet worden, doch der kreuzt unsere Zielpläne und kommt direkt auf die Nase. Wir sind nun nördlich unterwegs, Richtung Strasse von Messina. Die Meerenge ist stark befahren mit Frachtern und Fähren und zeigt auch je nach Ebbe oder Flut-Konstellation eine starke Stömung auf, je weiter wir zur engsten Stelle kommen. Wir hatten den richtigen Zeitpunkt gewählt und die Strömung sog uns regelrecht mit und aus der Meerenge hinaus! Es war ein Spektakel zu sehen, wie die Geschwindigkeitsanzeige immer höher kletterte, auf ein Höchtsmass von 11.4 Knoten, welche auf anderem Weg unerreichbar wären! Auch die Meeresoberfläche war faszinierend zu beobachten. Es gab Wirbel, kleine aufgestellte Wellen und grosse flache Stellen – eine grosse Aufruhr in den Wassermassen, wo auch unser Autopilot teilweise Mühe hatte den Kurs gerade zu halten. Ein spannender Augenblick den wir gerne in dieser Richtung erlebt haben und nicht umgekehrt – gegen den Strom!
Am Abend landeten wir in einem altehrwürdigen Ort, in Scilla, an. Schon der Blick von weitem war ein Highlight. Ein riesiger Felsen mit Burg prangt ins Meer hinaus, dann, dicht an dicht, schmiegen sich die dezent farbigen Häuser an den Hang, um die Burg herum, zu beiden Seiten. Die nördliche Seite neben dem Felsen war ursprünglich das Fischerdorf. Die Häusen sind in einer langen Zeile direkt am Meer gebaut und der Blick durch die Gassen hinunter zum Meer, zu den farbigen Böötchen, grandios. Zufälligerweise trafen wir gerade den Tag wo die Stadt ihr Stadtfest feierte! Überall hingen Fahnen mit «Scilla-Scintilla» darauf geschrieben. (Alle Solothurnen hören auf! Aber wir wissen leider den Zusammenhang der beiden Namen nicht!) Uns so war im ganzen Ort etwas los. Handwerks- und Essensstände, Konzerte, Historische Attraktionen und live Musik auf der Strasse. Wir schlenderten herum und genossen das ganze Treiben, besichtigten die Burg und blickten auf den, zu früheren Zeiten strategisch sehr wichtigen Ort, direkt am Ende der Strasse von Messina, hinunter. Ein toller Ort der sich in meinem Gedächtnis eingeprägt hat!
Nachtrag: Etwas Besonderes waren auch die Thunfisch-Boote die sie hier noch haben. Diese sind extrem speziell gebaut, haben einen doppelt so hohen Ausguck wie das Schiff lang ist und einen gitterförmigen Ausbau an der Nase des Schiffes, das auch doppelt so lang ist wie das Schiff selbst. Sieht also sehr interessant aus, vorallem wenn man sich vorstellt, wie darauf auf wogender See gearbeitet wird. Jeden Frühling und Herbst sollen da die Thunfische durch die Meerenge kommen.
 
 
Tag 33/34
Sizilien, Sonntag/Montag 30./31. August 2015
Weniger spannend war dann unsere Weiterreise, der Nordküste Siziliens entlang. Durch das grosse Hoch der momentanen Wetterlage gibt es keinen Wind, auch nicht in den nächten Tagen. Wir haben aber nicht die Zeit einfach zu dümpeln weil wir gerne in einem Monat, also Ende September/Anfangs Oktober, auf den Kanaren sein möchten. Wir machen dann zwei Wochen später an der ARC, einer Organisation gruppenweise den Atlantik zu überqueren, mit. 
Weniger spannend war dann unsere Weiterreise, der Nordküste Siziliens entlang. Durch das grosse Hoch der momentanen Wetterlage gibt es keinen Wind, auch nicht in den nächten Tagen. Wir haben aber nicht die Zeit einfach zu dümpeln weil wir gerne in einem Monat, also Ende September/Anfangs Oktober, auf den Kanaren sein möchten. Wir machen dann zwei Wochen später an der ARC, einer Organisation gruppenweise den Atlantik zu überqueren, mit. Wir werfen den Anker auf der Höhe von San Giorgo, im ersten Viertel von der Nordküste Siziliens.
 
Tag 34
Sizilien, Montag 31.August 2015
Nach dem weiteren Tag motoren, Ankern wir vor einer wunderbaren Kulisse: Wir sind in  Cefalu in der Mitte der Nordküste. Ähnlich wie in Scilla ragt hier auch ein riesiger Felsen aus dem Wasser und vorne dran schmiegt sich die malerische Altstadt mit einer grossen Kathedrale bis an den Sandstrand. Gemäss Kims Küstenbuch war hier mal ein König in Seenot gekommen und wurde dann von den Bewohnern von Cefalu gerettet. Als Dank liess er ihnen die prächtige Kathedrale bauen.
Ein wirklich beeindruckender Blick vom Meer aus. Die Altstadt innen hat uns dann nicht mehr so beeindruckt, Touristisch halt und irgendwie zu sehr herausgeputzt, haben wir gefunden, aber allemal ein Highlight!
 
 
Tag 35
Sizilien, Dienstag 1. September 2015
Wir landen in der grossen Bucht vor Palermo. Sieht recht nach ärmlicher Agglomeration Palermos, aus hier. Auch das Meer macht mir hier nicht gerade den saubersten Eindruck, aber ich kann mich täuschen! Wir sehen aus der Ferne sicher vier Kreuzfahrtschiffe, vor Palermo, liegen, und als Kim und ich den Ankertrunk vorne am Bug nahmen, sahen wir doch tatsächlich zwei Delfine, solche hätten wir hier am wenigsten erwartet!
Wir konnten zeitweise kurz die Segel hissen, ist schon ein anderes Gefühl als mit dem lärmenden Motor. Der Vorteil am Motoren ist (pssst, Kim darf es nicht hören!) dass wir zum Beispiel einfach den Laptop auf den Tisch stellen können, mit den Kindern die Französisch CD-Rom durchspielen, ohne dass er in Schieflage gerät. 🙂 Wir hatten zusammen einen sehr gemütlichen Abend vor Anker, auf unserer kleinen, schwimmenden Heimat, mit Kartoffelgratin, Musik und einer Flasche Wein!
 
Tag 36
Palermo, Mittwoch 2. September 2015
Wir liegen nicht weit entfernt von unserem ausgesuchten Hafen in Palermo und so machen wir uns erst am späten Morgen auf den Weg. Die Hafenanlage in Palermo ist recht gross und es gibt verschiedene Anbieter zum Festmachen an Mooringstegen. Wir werden schon bei der Einfahrt von jemandem abgefangen und gefragt ob wir festmachen wollen. So ergeben sich manchmal Situationen, wo wir nicht gross Einfluss darauf nehmen können, ausgewählt hätten wir vielleicht einen anderen Steg! Für eine Nacht war es aber ganz in Ordnung und wir konnten auch wunderschöne Centercockpit-Segelyachten an unserem Steg bewundern. Das erste Mal ein bisschen Weltenbummler-Feeling, in Palermo werden wohl auch einige ihre Schiffe überwintern.
Natürlich stehen ein paar kleinere Reparaturen an, die wir hier erledigen wollen und einen Grosseinkauf im Supermarkt! 
Und Palermo entdecken: Gassen mit Marktständen wie im Orient, kleine Werkstätten jegliche Art die zur Strasse offen sind, viele zerfallene Häuser die einfach zugemauert werden, damit sie nicht weiter zerfallen. Überall – an jeder Ecke, kleine und grössere Monumentalbauten, auch die teils am zerfallen, Brünnen, reich verzierte Fassaden – der ehemalige Prunk ist allgegenwärtig aber überall mit dem dunklen Schleier der Grossstadt und mit den Spuren der Zeit, überzogen. Der Kontrast von Top gestylten Weltmarken-Läden und chicen Restaurants daneben, macht das Ganze interessant! Wir hatten nur kurz Zeit diese wilde Stadt zu erkunden aber sie hat uns sehr gut gefallen!
 
 
 
Tag 37/38
Überfahrt 200sm nach Sardinien
Donnerstag/Freitag 3./4 September 2015
Seit ein paar Tagen prüfen wir das Wetter immer wieder, um einen guten Zeitpunkt für die Überfahrt nach Sardinien zu treffen. Doch es scheint nicht optimal zu sein, jede Grib-(Wetter) Datei sagt jeden Tag ein wenig etwas anderes – Wind direkt auf die Nase – Flautenzeiten ect. Wir fahren nach dem Mittag von Palermo los und beschliessen dann, die eigentlichen Pläne, weiter der Sizilianischen Nordküste entlang zu segeln, sausen zu lassen und Kurs auf Sardinien zu setzten. Es gibt keinen wirklich geeigneten Zeitpunkt und wir nehmen es nun wie es kommt, in der Hoffnung dass der Wind besser ist als befürchtet!
Es ist unsere erste Mehrtägige Überfahrt! Die Rechnung ist so, wenn wir 5 Knoten Fahrt machen, fahren wir eine Seemeile pro Stunde. Das heisst, bei 200sm brauchen wir ca. 40 Stunden bis ans Ziel. 
Der Start war wie befürchtet ein bisschen mühsam. Vorallem in anfangs Nacht war es ein hin und her mit den Segeln und keine Ruhe in Sicht und dann zu wenig Wind. So machen wir ein paar Seemeilen mit dem Motor. Nach Mitternacht schaffen wir dann einen perfekten Kurs durch die dunkle Nacht, bis am Morgen früh, zu fahren. Auch unsere Wachaufteilung funktionierte recht gut. Ich war bis um 2 Uhr wach, Kim löste mich bis um 4 Uhr ab, wonach ich dann wieder an der Reihe war und danach den Sonnenaufgang geniessen konnte!  Zum Kaffee um acht waren wir dann beide wieder an Deck! Erstaunlich war dass wir fast die ganze Nacht keine anderen Schiffe gesehen haben ausser einem Containerfrachter und einem grossen Fischerboot und heute den ganzen Tag – kein einziges! Immer meinen unsere Augen etwas am Horizont zu erspähen aber es ist nichts, nur Meer, Meer, Meer.
Gerade ist es unterdessen wieder Abend geworden, wir haben vorgekocht und freuen uns aufs Znacht! Wir sind nun noch 40sm vom Ziel entfernt, momentan haben wir perfekten Wind und die Wellen wo uns mitziehen. Alle Schiffsbewohner sind wohlauf und guter Dinge!
Der «perfekte» Wind hält an und wird noch stärker. Mit max. 8.6 Knoten brausen wir auf Sardinien zu – voraussichtlich um 02.00. Doch schon um 01.00 sind wir an unserem Ziel angelangt, vor einem Hafen am Westlichen Zipfel der Südküste Sardiniens!
 
Tag 39
Sardinien, Samstag 5. September 2015
Ausschlafen. Aufräumen. Wie an einem normalen Samstag. 🙂
Das Wetter ist trüb und regnerisch und der Wind hielt die ganze Nacht noch an. Es ist toll, in Sardinien zu sein. Ferienerinnerungen. Wir beschliessen, bei dem guten Wind, die grosse Bucht vor Calgiari zu überqueren und bei Pula (den Namen kennen wir von Istrien), zu ankern. Die Bucht ist dann aber nicht so toll wie wir uns gedacht haben. Es gibt hier eine grosse Ausgrabungsstätte einer ehemaligen Stadt, aber wir haben keine Lust an Land zu gehen. Wir planen morgen der Küste entlang weiter zu segeln. Weiter südlich gibt es einen Teil steile, klippige Küste wo wir morgen allenfalls ankern werden. 
Beim studieren der Wetter-Grib Datei bemerken wir den guten Nordwind, den wir brauchen um nach Menorca zu kommen, der in den nächsten Tagen perfekt ist. Danach nimmt er wieder stetig ab! So kann es gut sein, dass wir beschliessen, übermorgen die nächste Etappe unter den Rumpf zu nehmen, und die nochmals längere Distanz von ca. 300sm zu bewältigen. Es reizt uns, ein wenig mehr Zeit in Menorca verbringen zu können, wir haben viel schöne Bilder gesehen und waren noch nie da! Mal sehen!
 
Tag 40/41
Sardinien, Sonntag/Montag 6./7. September 2015
So starteten wir dann auch vor dem Kaffee, hart am Wind Richtung Südwest. Den Anker liessen wir dann an einer abenteuerlichen, aber zum Schnorcheln spannenden, mit Felsen umringter Stelle, herunter. Bei der leichtem Brise konnten wir entspannt schnorcheln gehen. Wir, beziehungsweise Neele, entdeckte ein Rochenbaby, nur ca. 7cm breit, der vor uns her schwamm mit seinen schönen Schwimmbewegungen. War sehr süss anzusehen! Kim machte sich unterdessen daran, die Ankerknöpfe, zum den Anker bedienen, auszutauschen. Die Alten haben nicht mehr propper funktioniert. Wie es so heisst unter Seglern: «Segeln ist an den schönsten Orten der Welt dein Schiff reparieren!» Vielleicht hab ich das schon mal erwähnt, aber es bestätigt sich immer wieder 🙂
Kurz nach der letzten Silikonfuge kam mehr Wnd auf und die neuen Ankerknöpfe mussten zum ersten Mal ihren Dienst bestätigen. Wir wollten raus – ein bisschen Hektik kam auf bei dem Manöver – aber nach ein paar aufregenden Minuten konnten wir den Anker befreien. 
Immer noch trugen wir die Idee vom weiteren Losfahren zur nächsten Überfahrt in uns – nicht mehr so ganz überzeugt wie auch schon. Aber nach einem weiteren kurzen Aufenthalt an einem anderen Ankerplatz, mit Essen und Ausruhen, machten wir uns um 18 Uhr auf, dei 300sm Richtung Menorca unter den Kiel zu nehmen. Wie gesagt – nicht mehr so ganz voller Elan. Der «harte» Hart am Wind-Kurs bei 25 Knoten Wind, die grossen Wellen die über das Schiff breschten, das undichte Fenster der Bugkoje, das harte Eintauchen und Aufschlagen des Rumpfes – Die Erkenntnis, dass wir das nicht müssen und es nichts durchzustieren gibt, liess uns dann Kehrtum machen, wieder Hart am Wind aber mit Unterstützung des Motors, in die nächste geschützte Bucht in Porto Pinto, einlaufen. Erleichterung! Wir lassen uns noch ein wenig Zeit auf der schönen Insel Sardinien! 
Am nächsten Morgen beschliessen wir, gemütlich den Hafen in Sant Antioco anzulaufen, nochmals ein paar Frischprodukte einzukaufen und wieder mal festen Boden unter den Füssen zu geniessen! Wir liegen dann gratis, in einem ausrangierten, ehemaligen Kohleverladehafen, mit Sicht auf rostige Metallgerippe-Dächer, grosse Flächen mit Kranen und leerstehenden Betonbauten.
 
Tag 42
Sardinien, Dienstag 8. September 2015
Wir nehmen weiter Kurs der Westküste entlang nordwärds. Vorbei an der schönsten Steilküste mit mit freistehenden Felsmassiven, Höhlen und Klippen, ursprünglich, unverbaut, roh und malerisch zugleich. Dann taucht vor uns in einem kleinen Taleinschnitt, ein Dörfchen auf, auch wieder mit grosser, ehemaliger (wahrscheinlich Eisenerz) Abbau- und Verladestation. Es gibt im Ort einen kleinen Hafen, bei dem, gemäss Hafenführer, die Einfahrt, versandet ist. Doch unsere verschieden Seekarten zeigen nichts von dem und so fahren wir vorsichtig in die Hafeneinfahrt hinein, so dass wir allenfalls, sollte es zu seicht sein, wieder rechtzeitig umdrehen können. Die Hafeneinfahrt ist überall tief genug, doch beim Näherkommen in den Hafen selber sieht das Wasser bedenklich braungrün aus. Kein gutes Zeichen. Noch vor der Sandbank im Hafen (!) drehen wir wieder um – einen Versuch war es wert! (Wenn wir nicht im Hafenführer von einer allfälligen Versandung gelesen hätten, wären wir wohl ohne Bedenken hineingefahren. So heisst für uns wieder mal: Auf nichts verlassen und die Augen offen halten!) 🙂
Die Bucht neben dem Hafen war sehr schaukelig, so suchten wir die nächste Ankerbucht, leicht nördlicher, auf. Wir genossen dann da in vollen Zügen, den goldgelben Sandstrand und das glasklare türkis Meerwasser im Abendlicht! Wunderbar!
 
 
 

3 Antworten zu “5. Süditalien

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