4. Albanien

Tag 17

Montenegro/Albanien 14. August 2015
Eigentlich wollten wir gerne noch ein Städchen im Süden von Montenegro (Ulcinj) anlaufen. Leider können wir dort nicht mehr ausklarieren. (Die Zollorte sind eben nicht für Reisende gemacht wie wir sind, sonst wären sie am Anfang und am Ende eines Landes!) So klarieren wir in Bar aus und müssen sogar das Küstengebiet von Montenegro verlassen. Nun sind wir auf dem Weg nach Albanien, um dort in Shengjin einzuklarieren. Auf der Landesgrenze hissen wir die gelbe Fahne, das heisst, die Quarantäne-Fahne und die Landesfahne von Albanien. Erst wenn die Formalitäten abgeschlossen sind und wir einklariert sind, dürfen wir die Gelbe wieder wegnehmen. Wir sind gespannt wie es hier mit dem Einklarieren von statten geht und funken kurz vor der Einfahrt den Hafen an. Der Hafen ist eine Bucht in der Militärschiffe und diverse grosse, zum Teil marode Frachter, liegen. Auf dem ganzen Weg nach Albanien ist uns kein einziges anderes Schiff begegnet – kein Fischerboot kein Kurschschiff oder Frachter – geschweige denn andere Freizeitschiffe! Schon Ende Montenegro waren wir allein auf weiter «Flur». 

Wir bekommen bald Bescheid vom Hafenamt dass wir neben dem Schiff der Coast Guard festmachen können. Es kommt ein junger Albanese als Einklarierungs-Agent auf unser Schiff, der alle Papiere für uns ausfüllt zun zu den jeweiligen Ämtern bringt. Der arme Kerl schwitzt die ganzen Papiere voll, es weht kein Lüftchen! Zuerst dachten wir, wir könnten Ein- und gleichzeitig Ausklarieren, aber das war eine falsche Hoffnung. Werden dann weiter südlich, in Vlora wieder ausklarieren. So ist das wenn man auf See Länder durchkreuzt – es ist immer mit viel Zeit, Geld und Aufwand verbunden!

So fühlten wir uns neben der Polizei und der Coast Guard sicher in der abgesperrten Zone, wo wir festgemacht haben. Wir waren bereit für eine Erkundungstour! Die Bucht war dem Strand entlang mit grossen «kunterbunten» Wohnblöcken bestückt, ein überfüllter Strand gemäss der italienischen Riviera und eine Strasse, dahinter ging gerade der Berg hoch. Die Strasse zwischen den Blöcken hinter dem Strand, war ein volles Erlebnis, kaum zu beschreiben. Menschen. Müll. Läden. Gestank – und wieder Menschen die auf einem Balkon oder vor dem Haus unter einem Verschlag aus Tüchern sassen, redeten oder schauten. Kunterbunt eben! (Gemäss unserem Agent gibt es in dieser Zeit viel mehr Menschen hier in der Stadt, da alle Albaner die in anderen Ländern leben, zur Sommerzeit ihre Heimat und Verwandten besuchen.) Ein ganz anderer Standard als wir uns gewöhnt sind. (Für uns von unserer Erfahrung her, am ehsten vergleichbar mit Orten in der Karibik.) Jedenfalls sind wir hier in unserem ersten Abenteuer-Land angelangt, was wir mit Neugier, Spannung und Spass zur Kenntnis nehmen! Vorallem auch weil wir immer noch das einzige Schiff weit und breit sind!

Tag 18

Albanien, 15. August 2015

Gerade sind wir auf dem Weg aus der grossen Bucht, mit relativ wenig Wind aber einem schönen Kurs Hart am Wind. Spannend ist es zu zu beobachten wie sich dich Küstenlandschaft verändert hat, seit Kroatien. Kroatien ist felsig und die Küsten sind immer sehr tief bis ans Ufer. Montenegro hatte schon Sandstrände, welche es in Kroatien fast nicht gibt. Jetzt hier in Albanien wissen wir auch warum es fast keine Segler hat, im Nördlichen Bereich: Wir sind ein/zwei Seemeilen vom Ufer entfernt und die Wassertiefe beträgt um die 5 Meter. Wir sehen rings um uns herum meilenweit türkisblaues seichtes Meer! Die Überlegung hier, quasi Mitten im Meer, ungeschützt zu ankern, kam uns zuerst ein bisschen komisch vor. Aber wieso nicht, die Wassertiefe ist perfekt und es hat kein gefählich werdendes Land in der Nähe. Es kann also Winden kommen wie es will. (Zu hohe Wellen könnten höchstens ein bisschen ungemütlich werden.) Nachdem wir zur Sicherheit noch den Wetter-Grib heruntergeladen haben werfen wir den Anker und freuen uns über unseren sehr ungewöhnlichen Ankerplatz! Am Abend erlebten wir dann doch noch ein Naturspektakel – ein Gewitter! Aufregend und spannend war das Farbenspiel – die Blitze um uns herum – einfach das ganze Naturschauspiel zu beobachten – zum Glück hatte sich das Gewitter vorallem auf dem Festland entladen!

 
(ankern mitten im Meer)
 
Tag 19
Albanien, 16. August 2015
Es ist halb sieben morgens (17. August) und ich sitze im frühmorgendlichen Sonnenschein nach einer Gewitter-Regennacht auf dem Deck. Um mich herum befinden sich Farbige Kräne, Lotsen- und Schlepperboote und gerade fährt eine grosse Fähre in den Industriehafen ein.
Nach unserem gestrigen «mitten auf dem Meer ankern» planten wir im Hafen von Durres zu übernachten. Der Wind kam gestern auf die Nase, so kreuzten wir hart am Wind auf und brauchen für die kurze Strecke doch einige Stunden. Die Kinder machten «Schule» bei weniger angenehmem Kurs, doch es ging, mit dem Heft auf den Knien! Eigentlich sind das schöne Momente, wenn Kim und ich jeweils mit einem Kind zusammen Aufgaben lösen. Man ist in einem Thema versunken, arbeitet und wir sind gleichzeitig unterwegs. Doch bis diese konzentrierte, ruhige Atmosphäre eintritt, braucht es immer viel! 
Am Nachmittag machen wir in einer Bucht einen Badehalt. Es kamen Freizeit-Leute in Gummibooten heran und winkten uns freudig zu! «Enjoy!» riefen sie freudig. Das war natürlich lustig für uns, scheinbar gibt es hier eben wirklich nicht so viele Segeltouristen!
Dann frischte der Wind nochmals auf teilweise über 20 Knoten auf und wir namen wie gesagt, Kurs auf den grossen Frachthafen von Durres. Abenteuerlich, da als so kleines Ding hinein zu fahren! Nach einem Funkspruch werden wir neben die Lotsenboote und Schlepper eingewiesen. Weniger lustig war, dass der «Agent» uns nach dem Festmachen eröffnete, dass wenn man in Albanien in einen Hafen (nicht Marina) einläuft, die ganzen Formalitäten losgehen wie beim Einklarieren: Hafenbüro, Polizei, Zollbehörde. Der «Agent» erledigte dies dann für uns und so kostete uns diese Nacht hier im Industiehafen 70 Euro. Doch, mit diesem Wind und den daraus entstandenen hohen Wellen, waren wir mit unserem Anlegeplatz sehr zufrieden.
Ab Nachmittag/Abend erkundeten wir diese grosse Stadt, namen Wege die weg von der Hauptstrasse waren und kamen an manch eindrücklichen Bildern und Situationen vorbei. Die Menschen hier leben zum Teil in sehr armen Verhältnissen: In unfertigen oder zerfallenen Häusern, oder Bretterverschlägen – aber es gibt auch prunkvolle, gepflegte Häuser direkt nebenan. Ich freute mich, wenn ich sah wie sich Menschen, trotz Armut, sich ein gutes Zuhaus geschaffen hatten, zusammen sassen oder liebevoll ihre gezogenen Pflanzen gossen. 
 
Tag 20/21
Albanien 17/18. August 2015
Ankern in der Lagunenlandschaft. 
Wir fahren gerade mit ein bisschen Wind über eine faszinierende Wasserlandschaft. Das Küstenbebiet in Albanien hat viele Lagunenlandschaften wie es in Südfrankreich gibt. Das Land ist sehr flach mit sandig/schlammigem Ufer und breite, braune Flüsse führen ins Meer. Dies ergibt ein spannendes Farbenspiel auf dem Wasser! Es zeichnen sich genaue Linien mit anderer Wasserfarbe ab, die wir von weitem ausmachen können und dann überfahren. Die Farben sind Mischungen von hellbraun, trübes Mintgrün, tiefes Türkis bis zum Dunkelblau. Toll!
Gestern waren wir von unserem «tollen» Hafenplatz in Durres rausgefahren, es hatte viele Wellen da es zwei Tage lang stark gewindet hatte. Das Geschenk unseres Anlegeplatzes im Industiehafen war, ein total mit Sand, Getreidekörner und Staub verschmutztes Boot und und einen dicken Klecks Kranfett auf unserem Sonnendeck! (Wir sind nun auf dem Weg zur einzigen Marina in Albanien und freuen uns das Schiff zu schrubben!)
Eine stark wellende Überfahrt, teils mit Motor und teils unter Segeln, führte uns dann gestern an den Lagunen-Ankerplatz. Die Nacht war ungemütlich! Die vom Meer her kommenden Restwellen vom Tag zuvor schüttelten unser Boot regelrecht durch! Es hat uns fast aus unseren Kojen gekippt, geschweige denn ist das ganze Geschirr im Schrank auf und ab gehüpft und machte einen Riesenkrach. Es wird aber wohl nicht zum letzten Mal so sein dass wir so ankern, zudem gab es gestern einfach auch keine andere Wahl!
Nun sind wir gemütlich nach Vlore unterwegs.
 
 
 
Wir schafften es nun endlich mal diese flache, lagunenhafte Küste mal ein wenig zu Fuss zu erkunden. Beim Badehalt liessen wir das Dinghi zu Wasser und ruderten kurz an Land.
Es war ein menschenleerer Küstenstreifen, nur Kühe(!) grasten und zogen am Ufer hin und her und weiter hinten hatte wohl der Besitzer der Kühe neben einem Bunker seinen Unterstand. 
 
Tag 22
19. August 2015
Nun sind wir in der einzigen Marina von ganz Albanien. Es ist erstaunlich, so ein grosses Land mit soviel Küste und eine einzige Marina. Und es sind auch nicht wirkliche viele Schiffe hier, kein Restaurant und alles wirkt eher ab vom Schuss. Aber wir haben Internet, können wieder Wasser tanken und das Schiff polieren! Nun ja, ich bin mehr am Internet (kann immer noch nicht richtig viele Bilder auf die Seite laden, und Kim wird verständlicherweise ungeduldig!) als am Schiff polieren! Gestern waren wir kurz vor dem eindunkeln in unsere vorgesehene Ankerbucht (eine der einzigen auf dem Plotter markierten) eingelaufen. Diese war aber voll mit Fischzuchten und mit einer Bojenkette abgesperrt! Mist. Was machen wir auf die Schnelle, hatten eigentlich keinen Zweitplan. Die Bucht nebendran hatte zwar auch so Dinger in der Mitte, aber wir schauen mal ob es vielleicht da mit Ankern klappt. Wir konnten da unser Schiff perfekt in der Mitte mit zwei Landleinen vertäuen – eine sehr ruhige Nacht stand uns bevor, bravo.
Heute morgen sind wir dann eben hier in der Marina angekommen, nachdem wir mit den Kindern einen Disput wegen der Lernmotivation hatten. Oh, noch ist es für uns alle schwierig, das mit dem Lernen! Aber wir haben ja noch Zeit und wir geben die Hoffnung nicht auf, dass die Kinder es auch als eine Chance verstehen, Eigenverantwortung übernehmen zu können und dadurch auch Selbstvertrauen! Die Stadt an der die Marina liegt hat uns bisher am besten gefallen. Sie liegt zuhinterst in einer grossen Bucht. Sie ist uns «nahe am ländlichen Leben» vorgekommen, nicht zu touristisch und der Besitzer der «Pasticeria» hat uns heut Nacht zur Marina zurück chauffiert, da keine Taxis zu haben waren.
 
(im Hafen von Durres)
 
(Durres)

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