1. Die ersten Tage unterwegs

Cervar Porat liegt nun hinter uns. Kim und die Kinder waren eineinhalb Wochen vor Ort, ich war noch eine Woche länger bei meiner Mutter und meinen Brüdern in der Schweiz geblieben. Die ersten zwei /drei Tage habe ich Vollgas gegeben mit Schiff einräumen und für jedes Ding einen geeigneten Platz zu finden. Das ist schlussendlich besser gelungen als befürchtet! (Hatte schon fast schlaflose Nächte wo ich all die Dinge verstauen werde!) Trotzdem ist es auf einem Schiff meistens so dass man vorher etwas ausräumen muss um an etwas anderes zu gelangen!
Mein Bruder fuhr mich am 24. Juli 2015 nach Cervar. Es war perfekt ihn in diesen paar Tagen noch hier gehabt zu haben! Es gab nämlich noch einige «Problemchen» zu bekämpfen bevor wir lossegeln konnten. Mit dem Landstrom verbunden fing plötzlich der Kühlschrank komisch zu tönen an – er brummte, stellte ab, brummte, stellte ab usw. Auch der Tiefgefrierer ging sonderbarerweise nicht mehr. Es konnte ja nicht sein dass gerade beide Geräte gleichzeitig ausgestiegen waren?
Beim recherchieren nach der Ursache des Übels, stellten die beiden Männer noch fest, dass der Solarregler einen Kurzschluss hatte. Der eigentliche Defekt war aber das Batterie-Ladegerät dass die Batterien mit dem Landstrom versorgt und auflädt. Die Werft vor Ort musste ein neues Gerät bestellen.
Dieter half mir auch noch beim Einrichten der WLan Antenne, über einen kleinen Router, den RedPort Opimizer, den wir dann auch für das Satellitentelefon benutzen werden. Damit konnten wir es tatsächlich schaffen, Internetempfang aus der nahegelegenen Hafenbeiz zu empfangen! Das war natürlich ein Highlight, wir konnten vom Schiff aus surfen und unsere Verwandten per FaceTime erreichen. Es ist nicht so dass es leicht zu erreichen ist, braucht doch ein wenig Geduld mit immer wieder probieren, aber wenns dann klappt ist der Erfolg umso unglaublicher und schöner.
Das Thema Internet ist ja in unserer Zeit unumgänglich. Ich habe nun auch festgestellt, dass einige Apps, unter anderem ein tolles Sprachlern App nicht ohne Internet funktioniert. Wir brauchen das Internet aber hauptsächlich um unsere Wetterdaten (Gribfiles) herunterladen zu können. Dafür habe ich mir einen kleinen Mobilen Hotspot, einen HUAWAI gekauft. Viele Reisende sagen sie kauften in den jeweiligen Ländern eine lokale SIM-Karte. Was aber immer Aufwand bedeutet und teilweise auch gar nicht einfach zu bekommen ist. Da hab ich mir gedacht es muss doch sowas wie eine weltweite SIM Karte geben! Zuhause noch bin ich beim surfen auf OneSim.com gestossen. Damit können wir nun über den Huawai Hotspot die aktuellen Grib Daten empfangen, solange wir noch in Landesnähe sind.
UNTERWEGS
Tag 1
Kroatien 30. Juli 2015
Wir können es kaum fassen aber um 9.00 wir machen tatsächlich LEINEN LOS.
Wir segeln südwärts mit einem perfekten Wind, der uns zügig vorwärts bringt. Gegen Nachmittag frischt der Wind nochmals auf, wir reiten auf den Wellen. Noch ist es für uns alle nichts anderes als wie in den normalen Ferien. Wie immer hat Lenja am meisten Mühe, mit dem Geschaukle auf dem Schiff. Wir sind von neun Uhr Morgens bis um halb neun Abends unterwegs gewesen und weil wir den Wind direkt auf die Nase bekamen, mussten wir weit ausholen. Wir ankern in einer Bucht unterhalb von PULA und kochen uns ein feines Znacht!
Tag 2
Kroatien 31. Juli 2015
Die ganze Nacht durch braust der Wind wie verrückt. Wir haben BORA. Sie zerrt und reisst an unserer Ankerkette. Wir  haben aber genug Platz um uns herum und genug Kette gelegt.
Langsam bin ich schon auf Weltreise-Modus und erwache am Morgen mit dem Drang, den Wind ausnützen zu wollen – egal wie stark er ist. Kim dreht sich noch einmal in der gemütlichen Koje. Wir ergänzen uns ganz gut, wenn er mal zu viel oder zu schnell etwas will, bremse ich und umgekehrt. Es war schon richtig – wir hatten am Tag zuvor ein intensives Segeln und es wäre einfach zuviel gewesen, sofort wieder in die Wellen zu stechen. Dazu kommt dass wir das Schiff immer noch am kennenlernen sind. Wir hatten an diesem Tag regelmässig 30 Knoten Wind. (Umgerechnet ca. 60 km/h). Nach dem Mittag, nach einem abenteuerlichen Bad in der aufgewühlten See, brechen wir dann trotzdem auf. Wir segeln mit dem Kurs «Hart am Wind» Richtung der Insel Cres. Der Segeltag war intensiv aber es ging heute allen gut dabei. Wir konnten mit der Segeleinstellung teilweise 7 Knoten Geschwindigkeit erreichen, was super ist für unser schweres Boot und uns ein rechtes Stück nach Süden brachte. Unterdessen ist der Wind wie abgestellt und wir übernachten in einer superschönen, einsamen, kleinen Bucht auf der Insel Ilovik- genau so wie wir es lieben.
Tag 3
Kroatien 1. August 2015
Langeweile!
Ist ja klar dass dies ein Thema ist, mit Kindern an Bord. Unsere Beiden sind sich das Reisen mit dem Schiff ja gewöhnt, nur dass wir die Strecken normalerweise mit viel mehr Abwechslung bestücken, mal eine Badepause oder einen Landgang machen. Vorallem für Neele (8J.) ist die Zeit lang. Normalerweise ist sie den ganzen Tag Zuhause draussen mit ihren Freundinnen unterwegs und wir sehen sie erst am Abend wieder. Für sie ist es eine grosse Umstellung. Sie ist ein aktiver «Hurlibutz» und kann nicht viel mit ruhigen Betätigungen anfangen. Lesen geht noch zu schlecht, und den ganzen Tag mit dem IPod Spiele machen, wollen wir nicht unterstützen.
Sie durfte hinten auf der Badeplatform sitzen und eine leere Petflasche an einem Seil hinten nachziehen. An dem fanden beide meistens längers Gefallen. Kurz vor dem Ankern bei einer Badebucht verschwand sie aber in ihrer Koje. Normalerweise denkt Kim immer daran, dass diese Anhängsel noch vor dem Motoren eingeholt werden müssen. Leicht entnervt von Neeles Langeweile und nur noch die Pause im Kopf, vergessen wir die Flasche am Seil und diese wickelt sich natürlich um die Schiffsschraube! Es ist etwas das ab und zu mal passieren kann, meistens sind es aber Fischernetze, die in die Schraube gelangen können. Das kann verheerende Folgen haben, da das Schiff manövrierunfähig wird. Wir waren bereits am Anker und stellten es erst beim Tauchen fest. Kim tauchte einige Male nach unten, unters Schiff zur Schraube, um das Seil zu lösen und zu wegzuschneiden. Diese Erfahrung hat uns fürs erste gereicht, wir hatten auch Angst dass sich Reste des Seils verhakt haben könnte und die Schraube nun beim Segeln nicht mehr mitdrehen wird. Zum Glück hat sich dies nicht bestätigt!
Dieser Segeltag brachte uns bis zur Insel Ugljan gebracht, wo wir in einer grossen Bucht vis à vis einer kleinen Siedlung mit Steinhäusern, ankerten. Dort leeren Kim und ich eine der guten Flaschen Wein zusammen, die wir noch von Zuhause mitgebracht haben!
Tag 4.
2. August 2015
Ein perfekter Segeltag!
Um 8.30 sind wir parat zum weitersegeln. Frühstück gibts auf der Fahrt. Der Wind ist perfekt. 15 Knoten von leicht hinten. (Leicht räumlicher Kurs den wir dann auf Räumlich korrigierten und mit der ausgebaumten Genua – Papillon Besegelung fuhren). Den konnten wir bis am Abend halten und wir mussten sozusagen keine Kursänderungen vornehmen – schnurstraks in einer Linie durch die Inseln hindurch. Bei diesem Kurs ist das Schiff immer schön gerade und wir konnten einfach WOHNEN! Handarbeiten machen, lesen und die Kinder konnten in ihrer Koje werkeln. Ein kleines Schreck-Erlebnis hatten wir noch zu verbuchen: In der Nähe von Biograd war gerade sehr viel Verkehr. Es ist Wochenende und eine neue Charterwoche hat begonnen. Wir beobachten, wie sich ein leichtes Chaos vor unseren Augen, bei den Schiffen voraus, abzeichnet. Ein Segelschiff unter Motor der einer Segelyacht unter Segeln nicht ausweicht – oder zu spät – wo war der Kapitän? Kurz darauf trifft es uns selber. Eine Segelyacht mit holländischer Besatzung kommt von Backbord auf uns zu. Es gibt, nach unserem Wissen, die Regel dass Schiffen mit Papillonbesegelung (Das Vorsegel Backbord und das Grosssegel auf Steuerbord) ausgewichen wird, weil diese mit dieser Besegelung nicht schnell reagieren können. Dem war aber nicht so. Wir haben uns nur um ein paar Meter verpasst, was Kim mit Hornen und die niederländische Besatzung, mit lautem Gestikulieren quittiert haben! Das nächste Mal werden wir früher reagieren – so oder so!
Wir kommen an diesem Tag bis zur Insel Zmaian.

2 Antworten zu “1. Die ersten Tage unterwegs

  1. hallo ihr lieben, es ist ja wirklich spannend und ich finde es super ..so an eurer abenteuerlichen reise teilnehmen zu können….alles liebe..gitte

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  2. Wir wünschen euch das alles nach euren Wünschen läuft. .. schön das wir eure Reise auch miterleben dürfen. Super tolle Bilder …
    Passt gut auf euch auf… ganz liebe grüße von den vier Leisis. ..

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